Serra-Skulptur
Serra-Skulptur als „Grußkarte“

Münster-nienberge -

Nicht zum ersten Mal wurde die Skulptur „Dialogue with Johann Conrad Schlaun“ von Richard Serra als „Grußkarte“ missbraucht. Dieses Mal wurde die Botschaft immerhin nur mit Kreide auf den stählernen Quader geschrieben.

Freitag, 16.06.2017, 19:06 Uhr

Die Serra-Skulptur musste mal wieder herhalten: Dieses Mal anscheinend für Geburtstagsgrüße. Eine Postkarte wäre die ultimative Alternative für solch wohlgemeinte Wünsche.
Die Serra-Skulptur musste mal wieder herhalten: Dieses Mal anscheinend für Geburtstagsgrüße. Eine Postkarte wäre die ultimative Alternative für solch wohlgemeinte Wünsche. Foto: sn

Die „Skulpturen“-Ausstellung erregt internationale Aufmerksamkeit. Während die Menschen dank Ayse Erkmans Projekt „On Water“ im Hafen über Wasser laufen können, ist Rätselhaftes mit einem Werk aus einer vergangenen Ausstellung geschehen. Unbekannte haben den Stahl-Quader „Dialogue with Johann Conrad Schlaun “ vom amerikanischen Künstler Richard Serra beschmiert.

Die Aufschrift ist profan: „Happy B.day“ steht da, daneben ein offenbar mit Kreide gemaltes Herz. Und ein Name: „Eva“.

Das Kunstwerk wurde für die „Skulpturen“-Ausstellung 1997 angefertigt, steht in Nienberge in Sichtweite des „Haus Rüschhaus“ und soll eine Auseinandersetzung mit dessen barockem Baumeister Johann Conrad Schlaun sein.

Es ist nicht das erste Werk von Serra in Münster. 1977 installierte er zwei Corten­stahlwände auf dem Hindenburgplatz, 1987 zwei große Metallplatten im Innenhof des Erbdrostenhofes. Unumstritten waren diese „Skulpturen“-Projekte nie, aber zumindest auf dem Gelände des Erbdrostenhofes vor wilden Graffiti-Künstlern geschützt.

In Nienberge ist das anders. Am Rande eines Wander- und Radweges ist das 40 Tonnen schwere Kunstwerk am Haus Rüschhaus abgestellt. Während der aktuellen „Skulpturen“ gibt es vermehrt Besuche.

Graffiti-Schmierereien hat es bereits im Jahr 2013 gegeben. Ein nie ermittelter Unbekannter hatte damals per Spraydose ebenfalls ein Herz gemalt und den Namen seiner offensichtlich Angebeteten: „Simone“. Ob es ein und derselbe Unbekannte mit einer nun neuen Schwärmerei ist?

Lustig fanden die Aktion die Kunstfreunde auf jeden Fall nicht. Damals säuberte die Stadt die Skulptur. Und der Schriftzug kam nicht wieder.

Ganz pflegsam gingen auch die vorbeikommenden Gäste nicht immer mit der Skulptur um. Prof. Wolfgang Etz vom Lions-Club, der Serra damals vom Kunstort überzeugen konnte, berichtet immer wieder gerne von seinen Beobachtungen: Etwa von einer niederländischen Ausflüglergruppe, die ihre Fahrräder an dem Quader anlehnte und fragte, wo denn die Skulptur sei. Auch direkte Reaktionen auf die Person von Etz waren nicht immer freundlich. „Ich wurde an der Supermarktkasse gefragt, ob ich mit dem Kunstwerk etwas zu tun habe. Und dann wurde gesagt: Das ist ja eine Katastrophe!“

Egal, ob mit oder ohne Aufschrift: Serras Werk bleibt bei Kunstfreunden ein Highlight. Gerade an Fronleichnam machten dort viele Station und fotografierten. Auch Besucher aus dem Ausland, manchmal mit dem eigens angemieteten Taxi. „Die Skulptur bildet eine Linie zum Rüschhaus“, erklärte ein Nienberger seiner Ehefrau. Die inzwischen vom Regen verwischte neue Aufschrift blieb unbemerkt.

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