Poesie von hier
Lyrik gegen die Ignoranz

Münster-Hiltrup -

Die ehemalige Verwaltungsangestellte Ingrid Löhr hat mit bald 84 Jahren ihr drittes Gedichtbändchen veröffentlicht. Nach „Wasserwunderwelt“ und „In der Herzhöhle“ erschien jetzt im Sonderpunkt-Verlag „Windbruch“ – mit poetischer Zivilisationskritik für Kopf und Herz.

Donnerstag, 13.06.2019, 03:00 Uhr
Feinfühlig und gesellschaftskritisch sind die neuen Gedichte von Ingrid Löhr in ihrem neuen Lyrik-Band „Windbruch“.
Feinfühlig und gesellschaftskritisch sind die neuen Gedichte von Ingrid Löhr in ihrem neuen Lyrik-Band „Windbruch“. Foto: Peter Sauer

Ihre wachen und strahlenden Augen verraten es: Die 83-Jährige Autorin Ingrid Löhr hat sich ihre positive Grundstimmung bewahrt. Diese macht es möglich, ihr Herz zu öffnen und wenige, aber pointierte Worte zu finden, die in ihren Büchern nicht nur einen besonderen Klangzauber erzeugen, sondern auch auf stille Weise zum Nachdenken aufrufen.

„,Windbruch“ heißt ihr neues Gedicht-Bändchen, das Lyrisches der vergangenen 20 Jahren vereint. „Beim Windbruch knicken die Bäume um, die Wurzeln weisen in die Luft“, sagt Löhr. Und nicht nur mit Blick auf den Klimawandel interpretiert sie den Windbruch als Vorläufer eines Sturms. Die Menschen könnten also noch handeln.

Doch der Blick auf ein älteres Gedicht namens „Ignoranz“ zeigt, wie aktuell es auch 2019 ist, sehendes Blickes über Unheil und Ungerechtigkeit einfach hinwegzusehen – ist halt bequemer: „Gift wölkt am Grund, es stört uns nicht. Die Sonne brennt. Wir setzen Brillen auf.“

Mit ihrer Lyrik will Löhr die Augen wieder öffnen – für den gesundem Menschenverstand: „Denn in Politik und Gesellschaft hat sich im Grunde bislang nichts geändert.“ Den Schattenseiten der Zivilisation hält sie die unbändige Macht der Natur gegenüber, in bezaubernder Poesie, wenn etwa der Tag „den brennenden Kuss auf die vergrabenen Apfelkerne“ schleudert.

Im Gedicht „Der Morgen danach“ verarbeitet die Hiltruperin eigene Kriegserinnerungen. „Als Kinder spielten wir in den Ruinen Flugzeugabsturz nach und sammelten die größten und die schönsten Bombensplitter“, erinnert sich Ingrid Löhr im Gespräch. „Es ist leider so, das der Krieg auf der Welt nicht vorbei ist, manchmal traut man sich gar nicht den Fernseher anzumachen.“

Kritisch setzt sie sich im Gedicht „Südseeparadies“ mit „falschen Freunden“ am Beispiel jener Amerikaner auseinander, die nicht nur mit Atombombentests dort „geschändete Erde“ hinterließen, wo die Welt am Schönsten schien.

Moderne Lyrik, die als Wortakrobatik konstruiert wirke, ist nicht Löhrs Sache. Sie setzt dafür auf die Authentizität der Wörter: „Ich versuche Einsichten und Gefühle zu formulieren.“ So paart ihr neues Büchlein gekonnt intelligente Zivilisationskritik mit assoziationsreicher Poesie und ihr Mann, der Maler Erwin Löhr, ergänzt dies um stimmungsvolle Illustrationen, etwa vom schneebedeckten Wolbecker Tiergarten.

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