Bedarf an Schulen wächst
Politik rät zur Gesamtschule Roxel

Münster-Roxel -

505 Mädchen und Jungen wollen im Unterrichtsjahr 2019/20 eine der beiden städtischen Gesamtschulen besuchen. Weit mehr als die Hälfte bekommen jedoch keinen Platz. Da verwundert es nicht, dass die Forderungen nach Einrichtung einer dritten Gesamtschule – und zwar auf dem Roxeler Schulcampus – auch auf Seiten der Politik immer lauter werden, wie jetzt in der Bezirksvertretung West.

Samstag, 29.06.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 03.07.2019, 18:04 Uhr
Die Friedensreich-Hundertwasser-Schule könnte, so die Bezirksvertreter, zur Gesamtschule werden.
Die Friedensreich-Hundertwasser-Schule könnte, so die Bezirksvertreter, zur Gesamtschule werden. Foto: Siegmund Natschke

Eine Gesamtschule für Roxel? Diese Frage, so mahnte Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine, dürfe nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden: „Das ist nicht schön.“

Emotional wird die Debatte mitunter geführt. Zur Versachlichung der Diskussion referierte am Donnerstag in der Bezirksvertretung West (BV) Klaus Ehling , Leiter des städtischen Schulamts. Zunächst stellte er eines klar: „Es kann keine Umwandlung einer Schulform in die andere geben.“

Das bedeutet konkret: Die Friedensreich-Hundertwasser-Schule in Roxel, die im Mittelpunkt der Diskussion als Standort für die neue Schulform steht, kann nicht einfach zur Gesamtschule deklariert werden. Sie müsse vielmehr „auslaufen“, so Klaus Ehling.

Übrigens: So war es auch hinsichtlich der Hauptschule und der Realschule im Stadtteil, die keine neuen Jahrgänge bildeten und so nach und nach Platz machten für die Sekundarschule.

Noch etwas: 100 Anmeldungen seien nötig, so Ehling, um überhaupt eine Gesamtschule bilden zu können. Sonst könne die neue Schulform nicht zustande kommen.

Interessant: Hundert Grundschüler verlassen auch die Roxeler Marienschule. Aber: 90 bis 95 Prozent hätten eine Gymnasialempfehlung. Nur ein geringer Teil würde derzeit die Sekundarschule besuchen.

Noch ein Punkt: Laut Schulgesetz dürften die Belange anderer Schulträger nicht beeinträchtigt werden. Deshalb habe man von diesen auch Stellungnahmen eingeholt, so Ehling. Dass der Bedarf innerhalb von Münster vorhanden sei, bezweifelte der Fachmann aus der Verwaltung nicht.

Aber: Vor allem die Gesamtschulen in der Umgebung, also in Tilbeck, Billerbeck und Havixbeck, äußerten ihre Skepsis. Die Bezirksregierung prüfe derzeit die Stellungnahmen und vor allem die Frage, ob Existenzängste begründet seien. Hierbei geht es auch um eine gymnasiale Oberstufe, die eine besondere Anziehungskraft für Schüler aus der Umgebung haben könnte.

Klar ist: Die Nachfrage an Gesamtschulplätzen in Münster übertrifft das Angebot bei weitem. Jahr für Jahr müssen über 200 Schüler abgelehnt werden, weil die beiden vorhandenen münsterischen Gesamtschulen nicht alle aufnehmen können. Die Politik macht deshalb Druck. Sie habe kaum eine Schule erlebt, wie die in Roxel, die so sehr die „weiße Fahne“ geschwenkt habe, sagte Ratsfrau Doris Feldmann (SPD).

Allerdings, so die Sozialdemokraten in der BV, reiche es nicht aus, nur das Namensschild zu wechseln. Es geht um Bildungskonzepte und -wege.

„Die Mischung machts´“, so Feldmann. Peter Wolfgarten, CDU-Fraktionsvorsitzender in der Bezirksvertretung, plädierte für eine zügige Entscheidung: „Wir haben ein Problem.“ Gleichzeitig mahnte Feldmann, auch an die Kinder im „Hier und Jetzt“ zu denken.

Eine Abstimmung der BV gab es am Donnerstagabend nicht. Dennoch gab Bezirksbürgermeister Brinktrine dem Leiter des Schulamtes mit auf den Weg, das einhellige Meinungsbild aus der BV mit guten Empfehlungen der Bezirksregierung zu übermitteln.

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