Sanierungsstau in Kinderhaus
Schimmel und Risse in der Schleife

Münster-Kinderhaus -

Mit einer Mängelkataster aller 630 Wohnungen in der Brüningheide und der Killingstraße soll der neue Eigentümer endlich davon überzeugt werden die größtenteils maroden Wohnungen zu sanieren. Die jetzt entdeckten Schäden sind eklatant und gesundheitsgefährdend. Und das ist erst eine Zwischenbilanz.

Montag, 22.07.2019, 17:08 Uhr aktualisiert: 22.07.2019, 18:39 Uhr
Dies ist kein Foto von einer Baustelle. In Räumen wie diesen leben Menschen und zahlen dafür Miete.
Dies ist kein Foto von einer Baustelle. In Räumen wie diesen leben Menschen und zahlen dafür Miete. Foto: Ruth Caruso

Der Boden bröckelt an verschiedenen Stellen auf und gibt einen tiefen Riss frei auf Schutt und Leitungen. An den Wänden, Fenstern und Türzargen tiefer Schimmel. So sieht das Wohnzimmer einer der 630 Wohnungen an der Brüningheide und Killingstraße aus. Schuld ist ein ewiger Sanierungsstau, der mittlerweile in vielen Fällen auch die Gesundheit der Bewohner, die dort leben – ja, sie zahlen tatsächlich Miete für diese Wohnungen – stark beeinträchtigt.

Diese Ergebnisse verschleppter Sanierungen kommen jetzt noch deutlicher ans Licht, seitdem eine Umfrage mit Mängelregister unter den Bewohnern läuft – zur Verbesserung der aktuellen Wohnverhältnisse.

Anfängliche Resignation verflogen

Seit vier Wochen sind rund 30 ehrenamtliche Interviewer im Wohngebiet Brüningheide unterwegs: Die evangelische Markus-Gemeinde und die katholische Gemeinde St. Marien und St. Josef sowie das Begegnungszentrum Kinderhaus arbeiten Hand in Hand.

(Fast) überall bröckelt der Putz.

(Fast) überall bröckelt der Putz. Foto: Peter Sauer

Thomas Kollmann , Leiter des Begegnungszentrums Kinderhaus, freut sich, dass alle Befrager mit Herzblut dabei sind und die Mieter nach anfänglicher Resignation, da ja doch nichts passiere, doch gut zu erreichen sind und offen für die Befragung über ihre Situation berichten: „Das Feedback auf die Umfrage ist positiv, es gibt keine Ablehnung.“

Schlimmste Befürchtungen bestätigt

Ruth Caruso vom Sozialbüro gehört zu den Ehrenamtlichen, die in 38 Hauseingängen die Bewohner befragen. Sie hat sich bislang schon mit 40 Wohnungen beschäftigt: „Je nach Umfang muss ich mir die Zeit gut einteilen.“

Kommentar: Ist dieses Wohnen menschenunwürdig?

Trautes Heim – Glück allein. So heißt ein bekanntes Sprichwort. Das Glück zu finden, wird in Zeiten eines sehr angespannten Wohnungsmarktes immer schwieriger. Um ein Dach über dem Kopf zu haben, zahlen viele Münsteraner deutlich mehr Geld als früher und das bei immer knapper werdendem Geldbeutel.

Wenn man dann aber noch mit dickem Schimmel, abbröckelndem Putz, angerissenen Leisten, kaputten Fahrstühlen und sogar Löchern im Fußboden bei voller Miete leben muss, ohne dass ein Vermieter die Schäden am Bau und die Beschwerden der Mieter ernst nimmt, so wie an der Brüningheide, so muss man sich wirklich fragen, wie weit es mit der Menschenwürde gekommen ist.

Wo bleibt die viel beschworene Wohnqualität, wo die Sorgfaltspflicht des Vermieters respektive Eigentümers, die Wohnung instand zu halten, Schäden zu beseitigen und für den Schutz des Mieters in der Wohnung Sorge zu tragen? Auch hygienisch sind die Wohnungen in einem desolaten Zustand. Jeder weiß, dass Schimmel krank macht. Manche Mieter sind schon erkrankt. Wann greift endlich die Stadt ein und nimmt den Eigentümer in die Verantwortung, sich auch für seine Mieter zu engagieren? Es reicht nicht, nur die Mieten zu kassieren. Peter Sauer

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Das Zwischenergebnis der Umfrage bestätigt die Notwendigkeit dieser Maßnahme, sagen Kollmann und Caruso. Auch wenn die Wohnungen sich in unterschiedlichen Zuständen befinden würden, ist die Zwischenbilanz klar: „Unsere schlimmsten Befürchtungen werden bestätigt.“ Es gebe deutlichen und dringenden Handlungsbedarf, schon aus gesundheitlichen Gründen.

Schimmel kommt wieder

Auch wenn manche Mieter versuchen würden, in Eigenleistungen die Schäden irgendwie zu sanieren – schon allein der einmal weggeputzte Schimmel kommt bald wieder und dann größer. „Der Vermieter muss in vielen Fällen erst mal eine Grundsanierung durchführen“, sagt Ruth Caruso, „allein die Wohnungen an der Brüningheide stehen seit 45 Jahren und sind nie grundlegend saniert worden.“ Gleiches gelte für die 1971/72 entstandenen Wohnungen an der Killingstraße.

Dieser Bad-Entlüfter ist total verstopft. Da geht keine Luft mehr durch.

Dieser Bad-Entlüfter ist total verstopft. Da geht keine Luft mehr durch. Foto: Peter Sauer

Weiteres Umfrageergebnis: Die Wohnungen, die in Ordnung sind, seien eindeutig in der Minderheit.

Die Fragen betreffen unter anderem Strom- und Heizungsversorgung, Warmwasseraufbereitung, Aufzug, Parken, Nebenkostenabrechnung und Hausverwaltung. Gefragt wird auch nach Ameisen, Schimmel, Feuchtigkeits- und Bauschäden.

Zahl der Ehrenamtlichen aufgestockt

Weil jetzt doch mehr Sprachhilfen und einfach mehr Zeit benötigt werden, wurde die Zahl der Ehrenamtlichen auf 50 aufgestockt, das Ende der Umfrage auf Ende August verlängert.

„Die Ergebnisse bieten eine gute Grundlage für Gespräche mit dem neuen Eigentümer“, sagt Thomas Kollmann und hofft auf dann schnelle Sanierungen.

Fußbodenleisten gibt es einfach nicht.

Fußbodenleisten gibt es einfach nicht. Foto: Peter Sauer

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