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Münster-Wolbeck -

Es gibt spannende und schöne Wege in Wolbeck. Ihre Namensgebung ist oft ebenso interessant. Durch den Abriss des Kurhauses in Wolbeck und die Ausdünnung des Gehölzes rund um die Großbaustelle kommt diese Tage der Illa-Andreae-Weg mehr ans Licht als zuvor. Grund genug seine Wegpatronin mal genauer vorzustellen.

Dienstag, 22.10.2019, 18:04 Uhr aktualisiert: 23.10.2019, 11:14 Uhr
Der Illa-Andreae-Weg führt durch den verfallenen ehemaligen Kurgarten. Dieser inspirierte die Schriftstellerin Illa Andreae zu zahlreichen Wolbeck-Novellen. 2006 hängte die Bezirksvertretung Südost das Schild „Illa-Andreae-Weg“ auf. Der Weg führt vom Kur- zum Försterhaus. Das Buch „Alle Schnäpse dieser Welt: Über süffige Getränke rund um den Erdball“ schrieb sie 1973. Es erschien in mehreren Auflagen und gilt bis heute als ein Standardwerk.
Der Illa-Andreae-Weg führt durch den verfallenen ehemaligen Kurgarten. Dieser inspirierte die Schriftstellerin Illa Andreae zu zahlreichen Wolbeck-Novellen. 2006 hängte die Bezirksvertretung Südost das Schild „Illa-Andreae-Weg“ auf. Der Weg führt vom Kur- zum Försterhaus. Das Buch „Alle Schnäpse dieser Welt: Über süffige Getränke rund um den Erdball“ schrieb sie 1973. Es erschien in mehreren Auflagen und gilt bis heute als ein Standardwerk. Foto: Peter Sauer/Sammlung Dagmar Klein

Der Abriss des Kurhauses Wolbeck gibt den Blick deutlich frei auf einen der eher unbekannteren Wege in Wolbeck: den Illa-Andreae-Weg. „Illa-Wer?“, fragen sich nicht nur zahlreiche Neubürger, die den sehr idyllischen, ganzjährig begrünt und dicht umwachsenen Weg gerne im Familienverbund, zum Joggen oder zum Gassi-Gehen nutzen.

Der Fußweg beginnt an der Drostenhofstraße und geht von dort durch den ehemaligen Park des Kurhauses über die Angel. Er endet schließlich am Forsthaus. Die Bezirksvertretung Südost taufte ihn 2006 Illa-Andreae-Weg und folgte damit einem Antrag von Franz Pius Graf von Merveldt. Doch wer war diese Frau?

Die Schriftstellerin Illa Andreae kommt am 8. Februar 1902 als Andrea Aloysia Lackmann an der Hofstraße 50 auf die Welt, als Tochter von Kurhaus-Chef und Sanitätsrat Wilhelm Lackmann.

Andrea Aloysia studiert Geschichte in Münster und München, 1928 heiratet sie den Uni-Professor Wilhelm Andreae. 1933 zogen sie nach Gießen. Weil sich ihr Mann weigert, in die NSDAP einzutreten, verliert er seinen Lehrstuhl.

Die beiden haben sieben Kinder. Andrea Aloysia muss durch ihre schriftstellerische Tätigkeit zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Sie wählt den Künstlernamen Illa Andreae.

„Nelly“ hieß dieses Kinderbuch von Illa Andreae.

„Nelly“ hieß dieses Kinderbuch von Illa Andreae. Foto: Nelly

Nicht nur in Ihrem Roman „Das Geheimnis der Unruhe“ erzählt sie die Geschichte und Wolbecks Mythen nach. Auf dem gezeichneten Buchumschlag des plattdeutschen Buches „Tüsken Angel un Deergaoren“ (1979, Aschendorff-Verlag) finden sich auch die Putten auf dem Eingangstor zum verfallenen ehemaligen Kurgarten mit dem Hinweisschild „Vorsicht baufällig“. Der heutige „Illa Andreae-Weg“ folgt den Buchbeschreibungen. Andreae verfasste Romane, Erzählungen und Hörspiele, insgesamt 40.

Die Sage von der Meinhövel-Burg (noch vor der fürstbischöflichen Burg) in Wolbeck inspirierte sie zum Roman „Unruhe“. Heute noch bekannt ist ihre Erzählung „Hille und der Droste“ über Hille Feiken. Die wollte als gläubige Täuferin Bischof Franz von Waldeck ermorden. Mit einem vergifteten Hemd. Der Anschlag wurde rechtzeitig vereitelt. Hille Feiken wurde in Wolbeck gefoltert und später in Bevergern enthauptet.

Illa Andreae war aktiv in der Politik (Mitbegründerin der Gießener CDU-Ortsgruppe) und Kirche und wurde 1974 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Als Sachbuchautorin erforschte sie 1961 „Die Kunst der guten Lebensart. Spielregeln im Umgang mit Menschen“ und beschreibt – dem damaligen Zeitgeist folgend – auch die ersten körperlichen Kontakte zwischen den Geschlechtern, wie etwa den Handkuss. Mit Erfolg, es gab fünf Auflagen.

Illa Andreae

Illa Andreae Foto: Sammlung Dagmar Klein / Uni Gießen

Dass sie keine Kostverächterin war, zeigt ihr Sachbuch „Alle Schnäpse dieser Welt“ (1973). Dort stellte sie auch die passenden Gläser vor. Kurz vor ihrem 90. Geburtstag starb Illa Andreae am 3. Februar 1992 in Gießen. Elisabeth Georges hält ihr Erbe mit Rezitationen wach (zum Beispiel „Pängelanton“ auf Platt).

Idylle am Weg.

Idylle am Weg. Foto: Peter Sauer

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