Folgen des Bahn-Winterfahrplans
Probleme bei Verkehrswende: Pendler haben das Nachsehen

Münster-Albachten -

Umsteigen auf klimafreundlichere Verkehrsmittel – ein Slogan, der diese Tage öfters zu hören ist. Vom Auto auf die Bahn zum Beispiel. Für Münster-Albachten sorgt der Winterfahrplan (ab 15. Dezember) dagegen wohl für eine etwas andere Verkehrswende - nämlich zurück zum Auto.

Mittwoch, 04.12.2019, 18:48 Uhr aktualisiert: 04.12.2019, 21:49 Uhr
Von Albachten aus nutzen vor allem viele Berufspendler die Bahn.
Von Albachten aus nutzen vor allem viele Berufspendler die Bahn. Foto: Peter Sauer

Nicht nur Bürgermeister und Landräte im Münsterland engagieren sich, um noch mehr Menschen von der Mobilitätswende zu überzeugen (wir berichteten), sondern auch die Verkehrsunternehmen des ÖPNV. Doch zur Umstellung des Winterfahrplans zum 15. Dezember kommt neuer Ärger auf, wenn man bereits jetzt auf die Zugverbindungen schaut.

So halten die Züge im Bahnhof Albachten künftig zum Großteil nur noch im Stundentakt – mit zusätzlichen Halten in den Hauptverkehrszeiten morgens, mittags und nachmittags. Zuvor galt ein fast Halbstundentakt beim Halt in Albachten.

Dabei fahren die betroffenen Züge weiterhin im Halbstundentakt, wie ein Leser uns schreibt, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Es fährt ja sogar ein zusätzlicher Zug zwischen Osnabrück und Düsseldorf. Dieser hält nur an den größeren Bahnhöfen.“

"ÖPNV wird unattraktiv"

Gerade Pendler wie Daniel Scheiwe oder Tom Gerold ärgern sich, ihre „bislang perfekte Anbindung“ mit dem RE 2 beziehungsweise R42 zu verlieren, die die Albachtener entspannt zu ihren Arbeitsplätzen im Ruhrgebiet brachte: „Und das bislang auch ohne lästiges Umsteigen.“

Albachten aber jetzt vom Halbstundentakt abzuhängen, während gleichzeitig der Ausbau des Haltepunkts geplant ist und eine Münsterland-S-Bahn angedacht ist, kommt besonders für jene Albachtener einem Schildbürgerstreich gleich, die erst seit Kurzem in Albachten wohnen oder schon länger den Zug zum Pendeln benötigen.

In Münster Albachten halten künftig weniger Züge, als bisher.

In Münster Albachten halten künftig weniger Züge, als bisher. Foto: Peter Sauer

„So wird der ÖPNV unattraktiv. Leider ist der Bus zur Rushhour keine Alternative“ schreibt Stefanie Lüken. Der Bus fährt zudem nur in Richtung Münster und braucht deutlich länger – ob der vielen Staus.

Weniger Bahnen unterwegs

Konkret bedeutet die Änderung des Winterfahrplans bei der Bahn für alle Reisenden: montags bis freitags fahren ab dem 15. Dezember statt der 38 Züge nur noch 27 Züge, die in Albachten halten. Das entspricht einem Minus von 29 Prozent. In Fahrtrichtung Münster reduziert sich die Zahl der Züge von 35 auf 31 Züge (entspricht einem Minus von elf Prozent).

Ein Leser weist darauf hin, dass ein voller Schülerzug morgens (Albachten ab 6.55 Uhr) komplett entfällt und abends (zwischen 20.36 Uhr und 22.12 Uhr) aus Münster sogar eine zeitliche Lücke von 90 Minuten besteht.

Die Bahnlinien im Münsterland

1/13
  • RB50: Münster - Dortmund (Eurobahn)

    fährt stündlich mit Halt in Münster Hbf - Münster-Amelsbüren - Davensberg - Ascheberg - Capelle - Werne an der Lippe - Lünen - . . . - Dortmund Hbf

    Foto: Anna Spliethoff
  • RE2: Münster - Düsseldorf Hbf (DB Regio)

    fährt stündlich mit Halt in Münster Hbf - Münster-Albachten - Bösensell - Nottuln-Appelhülsen - Buldern - Dülmen - Haltern am See - . . . - Recklinghausen - . . . - Gelsenkirchen - Essen - . . . - Düsseldorf Flughafen - Düsseldorf Hbf

    Foto: Ludger Warnke
  • RE7 Rheine - Krefeld (National Express)

    fährt stündlich mit Halt in Rheine - Emsdetten - Greven - Münster-Hbf - Münster-Hiltrup - Drensteinfurt - Hamm  - . . . - Hagen - . . . - Wuppertal - . . . - Köln Hbf - . . . - Krefeld

    Foto: Anna Spliethoff
  • RE15: Münster - Emden (Westfalenbahn)

    fährt stündlich mit Halt in Münster Hbf - Greven - Emsdetten - Rheine - Salzbergen - . . . - Lingen (Ems) - . . . - Meppen - . . . - Papenburg (Ems) - . . . - Emden Hbf

    Foto: Anna Spliethoff
  • RE42: Münster - Mönchengladbach (DB Regio)

    fährt stündlich mit Halt in Münster - Münster-Albachten - Bösensell - Nottuln-Appelhülsen - Buldern - Dülmen - Sythen - Haltern am See - . . . - Recklinghausen - . . . - Gelsenkirchen - Essen - . . . - Krefeld - . . . - Mönchengladbach

    Foto: Anna Spliethoff
  • RB63: Münster - Coesfeld (DB Regio)

    fährt stündlich (zu Stoßzeiten häufiger) mit Halt in Münster Zentrum Nord - Münster Hbf - Münster-Mecklenbeck (seit 9.12.2018) - Münster-Roxel - Havixbeck - Billerbeck - Lutum - Coesfeld Schulzentrum - Coesfeld (Westf.)

    Foto: Anna Spliethoff
  • RB64: Münster - Enschede (DB Regio)

    fährt stündlich, zu Hauptverkehrszeiten halbstündlich, mit Halt in Münster Hbf - Münster Zentrum Nord - Münster-Häger - Altenberge - Nordwalde - Steinfurt-Borghorst - Steinfurt-Grottenkamp - Steinfurt-Burgsteinfurt - Metelen Land - Ochtrup - Gronau - . . . - Enschede

    Foto: ah
  • RB65: Münster - Rheine (Eurobahn)

    fährt zweimal pro Stunde mit Halt in Münster Hbf - Münster Zentrum Nord - Münster-Sprakel - Greven - Reckenfeld - Emsdetten - Rheine-Mesum - Rheine

    Foto: Anna Spliethoff
  • RB66: Münster - Osnabrück (Eurobahn)

    fährt zweimal pro Stunde mit Halt in Münster Hbf - Westbevern - Ostbevern - Kattenvenne - Lengerich - Natrup-Hagen - Hasbergen - Osnabrück Hbf

    Foto: Anna Spliethoff
  • RB67: Münster - Bielefeld (Eurobahn)

    fährt stündlich mit halt in Münster Hbf - Telgte - Warendorf-Einen-Müssingen - Warendorf - Beelen - . . . - Rheda-Wiedenbrück - . . . - Gütersloh - . . . -Bielefeld

    Foto: wn
  • RB 69: Münster - Bielefeld (Eurobahn)

    fährt stündlich mit Halt in Münster Hbf - Münster-Hiltrup - Rinkerode - Drensteinfurt - Mersch - Bockum-Hövel - Hamm (Westf.) - Heessen - Ahlen (Westf.) - . . . - Oelde - . . . - Gütersloh - . . . - Bielefeld

    Foto: Anna Spliethoff
  • RB89: Münster - Paderborn (Eurobahn)

    fährt halbstündlich mit Halt in Münster Hbf - Münster-Hiltrup - Rinkerode - Drensteinfurt - Mersch - Bockum-Hövel - Hamm (Westf) - . . . - Soest - . . . - Lippstadt - . . . - Paderborn

    Foto: Anna Spliethoff
  • Die Bahnstrecken im Münsterland im Überblick

    Foto: NWL

Pendler Tom Gerold bringt den Ärger auf den Punkt: „Das sind unhaltbare Zustände – vor allem angesichts des Klimawandels und der eigentlich notwendigen Stärkung der umweltfreundlichen Schiene.“

Die Albachtener Pendler hoffen nun sehr, dass die Verantwortlichen bei der Bahn und beim Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (ZVM) die Angebotsreduzierung für Albachten möglichst schnell wieder rückgängig machen, und dass endlich ein durchgehender Halbstundentakt kommt. Den hat es früher schon einmal gegeben.

Problem: erforderliche Überholung von Zügen  

Die zuständige Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) erklärt auf Nachfrage dieser Zeitung den Wegfall einiger Haltezeiten in Albachten damit, dass der DB Fernverkehr ab 2020 mehr Züge ins Rennen schicke und es zudem noch zwei weitere Fernverkehrsanbieter auf dem Streckenabschnitt gibt. Dabei handelt es sich um Flixtrain (die ihre Beförderungen auf ein zwei-stündliches Angebot ausdehnen) und um einen weiteren Anbieter aus Köln, der im Sommer Fahrten nach Westerland anbieten wird.

„Wir mussten zugunsten des gesamten Trassenverlaufes einer Überholung der Züge in Richtung Münster zustimmen“, erklärt NWL-Pressesprecher Uli Beele. „Diese gehen mit einem Halt-Ausfall in Albachten einher, um den Fahrzeitverlust wieder reinzuholen und weil sie sonst von unseren eigenen Nahverkehrsleistungen wieder eingeholt würden (schnelle RE 2).“

Für die Fahrtrichtung Essen gelte der gleiche Grund: „Die Züge warten in Münster die Überholung ab und fahren direkt hinter den Fernverkehrszügen her, damit nicht die schnellere RE 2 aufläuft.“

Die NWL sieht sich unter Zugzwang: „Hätten wir die Halt-Ausfälle nicht mitgetragen, wäre es zu einer Entscheidung der DB Netz AG gekommen, die im Rahmen der Schienennutzungsbedingungen gefällt wird“, sagt Uli Beele. „Dabei verliert in der Regel der Nahverkehr, weil das höhere Trassenentgelt entscheidend ist, und das zahlt der Fernverkehr.“

Ab 15. Dezember tritt der Winterfahrplan in Kraft.

Ab 15. Dezember tritt der Winterfahrplan in Kraft. Foto: Peter Sauer

Rückkehr zum Auto

Die NWL weist darauf hin, dass im Falle einer Entscheidung durch die DB Netz AG die unterlegene Trasse komplett rausgeflogen wäre. Alle Halte von Münster bis Essen/Gladbach, oder Gegenrichtung wären dann weg gewesen, weil die Trasse in dem Fall aus der Konstruktion genommen wird.

Diese Trassen hätte der Nahverkehr Westfalen-Lippe im Nachgang zum endgültigen Netzfahrplan dann als Sonderfahrt wieder neu anmelden müssen, in der Hoffnung, dass nichts anderes im Weg ist, wie zum Beispiel der Güterverkehr. „Das Risiko war uns zu hoch, sodass wir keine andere Wahl hatten, als den Halt in Albachten aufzulassen“, sagt Uli Beele vom NWL.

Vereinzelt fällt übrigens auch noch der Halt in Sythen weg, wenn die regionalen Züge von den Zügen auf gleich zwei Fernverkehrstrassen überholt werden.

Einige Albachtener Pendler, die nach Münster fahren, haben bereits jetzt die Konsequenzen gezogen: Sie werden künftig wieder mit dem Auto fahren.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7110686?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F
Auswärtsniederlage: Preußen Münster unterliegt SV Meppen mit 1:3
Fußball: 3. Liga: Auswärtsniederlage: Preußen Münster unterliegt SV Meppen mit 1:3
Nachrichten-Ticker