Der Corona-Virus trifft auch die freie Kulturszene vor Ort hart
Pandemie ist wirtschaftliches Desaster

Münster-HILTRUP -

Es sind die kleinen Bühnen, die für besondere Farbtupfer in der Kulturszene sorgen. Und es sind die kleinen Bühnen, die jetzt unter dem Corona-Virus am schnellsten leiden. Auch in Hiltrup.

Freitag, 20.03.2020, 16:02 Uhr aktualisiert: 22.03.2020, 17:54 Uhr
Heiko Ostendorf, Leiter des Theater Odos aus Hiltrup, hat große existenzielle Probleme durch den Corona-Virus.
Heiko Ostendorf, Leiter des Theater Odos aus Hiltrup, hat große existenzielle Probleme durch den Corona-Virus. Foto: Angelika Osthues

Eigentlich wollte das freie Theater Odos, das seinen Sitz in Hiltrup hat, gerade mit seiner tragikomischen Polit-Satire „Was Ihr wählt“ und der Verschwörungsgroteske „Der letzte Germane und das Schlafschaf“ die Theaterzuschauer zum Lachen bringen und zum Nachdenken anregen. Der Terminkalender war gut gefüllt, die Nachfrager war groß.

Doch Corona sorgte für einen plötzlichen und völlig ungewissen Aufführungsstopp. Das gilt auch für die anderen Projekte und Stücke des engagierten Theaters rund um den Hiltruper Gründer, künstlerischen Leiter und StückeschreiberHeiko Ostendorf : „Für mich, wie für alle meine Kollegen, alle Selbstständigen und Freiberufler, ist die Pandemie ein wirtschaftliches Desaster.“

Gerade kleine Theater sorgen für die Farbtupfer in der deutschen Kulturszene. Im Falle des Corona-Virus leiden sie am meisten. „Die Einnahmeausfälle kann ich nicht auffangen“, sagt Heiko Ostendorf im Gespräch mit dieser Zeitung,“ und das macht es schwierig, die Motivation für die politische Arbeit mit meinem Theater aufrecht zu erhalten.“

Für den erfahrenen Theatermann und Musiker sind die Absagen der Veranstaltungen wegen Corona „ohne Zweifel alternativlos“. Um Insolvenzen in kreativen und künstlerischen Berufen zu vermeiden, stellt Ostendorf klare Forderungen an die „Schutzschirm“-Verantwortlichen in der Politik: „Das Land und der Bund müssen uns Theatermachern, Künstlern und anderen Freiberuflern unter die Arme greifen, wenn es auch in der Zeit nach Corona noch eine freie Kunst- und Kulturszene geben soll.“

Und was macht der freie Theatermacher in Zeiten, in denen die Theater geschlossen sind? Ostendorf macht weiter: „Mir bleibt in diesen Wochen nur übrig, weiterzumachen, und an unserem neuen Stück zu arbeiten. Das kann ich von zuhause aus, ganz ohne unnötige soziale Kontakte: also Bücher wälzen, recherchieren und schreiben.“

Schriftsteller und Liedermacher Heiko Werning, der 21 Jahre in Hiltrup gelebt hat und aufs Kardinal-von-Galen-Gymnasium ging, verlegte seine Show mit der „Lesebühne Brauseboys“ am Donnerstagabend als Live-Stream ins Internet. Als Sympathiebekundung für die Künstler wurde das Online-Publikum gebeten als Eintritt eine „Hutspende“ zu geben. Die Resonanz war enorm.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7336664?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F
Nachrichten-Ticker