Hirnforscherin Prof. Bettina Pfleiderer
Frauen und Männer sind anders krank

Münster-Gievenbeck -

Ob in den Geschlechtsorganen, im Körperfett, den Muskeln oder der Haut: mindestens 6500 Gene sind bei Frauen und Männern unterschiedlich aktiv. So eine Untersuchung des Weizmann Institute of Science (Israel). Wie Frauen und Männer auf Krankheiten reagieren, weiß Hirnforscherin Prof. Dr. Bettina Pfleiderer. Sie lebt in Gievenbeck.

Samstag, 28.03.2020, 19:08 Uhr aktualisiert: 28.03.2020, 20:09 Uhr
Hirnforscherin Prof. Dr. Dr. Bettina Pfleiderer wohnt in Gievenbeck und arbeitet an der Uni Münster.
Hirnforscherin Prof. Dr. Dr. Bettina Pfleiderer wohnt in Gievenbeck und arbeitet an der Uni Münster. Foto: Ulrike Dammann

Ticken Frauen und Männer eigentlich anders, wenn es um Krankheiten geht? Ein klares Ja kommt auf Nachfrage dieser Zeitung von der Hirnforscherin Prof. Dr. Bettina Pfleiderer , die in Gievenbeck wohnt.

Als Leiterin der Arbeitsgruppe „Cognition & Gender“ am Institut für Klinische Radiologie an der Uni Münster weiß sie von Krankheiten, die unterschiedlich verlaufen können und eine differenzierte Behandlung erfordern – abseits der klassischen Lehrbücher: „Während Männer beim Herzinfarkt meist typische Symptome haben, wie dass der Schmerz in den Arm ausstrahlt, können Frauen auch Schmerzen im Kiefergelenk oder im Rücken haben. Da denkt man bei Frauen nicht gleich an einen Infarkt.“

Frauen können nach Auskunft von Bettina Pfleiderer Infektionen besser abwehren – bis ihre Menopause beginnt. Frauen würden auch besser auf Impfungen reagieren. Männer empfinden Schnupfen & Co. schlimmer, weil ihr Immunsystem nicht so stark ist. Autoimmunerkrankungen wie Rheuma haben Frauen häufiger: „Frauen haben zwar eine geringere Schmerzempfindlichkeit, können aber besser damit umgehen, vor allem wenn sie schulpflichtige Kinder haben“, sagt Pfleiderer. „Dann wachsen Frauen über sich hinaus. Der Schmerz kommt meist erst nach der Versorgung der Kinder.“

Auch können Medikamente bei Frauen und Männern unterschiedlich wirken, auch bei den Nebenwirkungen. „Viele Arzneimittelstudien wurden früher meist an jungen gesunden Männern durchgeführt. Glücklicherweise findet da jetzt ein Umdenken statt“, sagt Bettina Pfleiderer.

Grundsätzlich passen Frauen besser auf sich auf, gehen schneller zum Arzt und berichten, wie sie sich fühlen. Das hilft sehr bei Diagnose und Therapie. Bei Männern ist es schwieriger: „Im Durchschnitt gehen sie seltener zum Arzt, erzählen weniger von sich und betreiben weniger Vorsorge. Männer können dazu neigen, vor allem bei attraktiven Ärztinnen ihren Schmerz herunterzuspielen.“

Bettina Pfleiderer setzt sehr auf Prävention. Die Gievenbeckerin warnt davor, dass Männer oft unregelmäßig und erst sehr spät – oft nachdem sie Patientenforen oder andere Gesundheitsseiten im Internet durchforstet haben – zum Arzt gehen und Vorsorgeuntersuchungen gerne meiden. „Männer haben zum Beispiel eher einen plötzlichen Herzinfarkt“, erläutert sie.

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