Zum 90. Geburtstag von Heinrich Gallenkämper
Weichensteller, Chronist und Visionär

Münster-Wolbeck -

Dieser Mann ist ein vitales Archiv auf zwei Beinen, vor allem was die Geschichte Wolbecks betrifft. Den Ort hat Heinrich Gallenkämper entschieden mitgeprägt. Der letzte Bürgermeister der Gemeinde ist jetzt 90 Jahre alt geworden, hat seinen neuen Film veröffentlicht und mit WN-Mitarbeiter Andreas Hasenkamp über sein Leben und Wirken gesprochen.

Freitag, 16.10.2020, 17:32 Uhr
Wolbeck ist sein Leben, auch als privater Dokumentarist: Heinrich Gallenkämper sitzt in seinem Büro mit Video-Kassette, seinem neusten Video auf dem PC und einem Gemälde von 1935.  
Wolbeck ist sein Leben, auch als privater Dokumentarist: Heinrich Gallenkämper sitzt in seinem Büro mit Video-Kassette, seinem neusten Video auf dem PC und einem Gemälde von 1935.   Foto: Andreas Hasenkamp

Heinrich Gallenkämper lebte nicht immer in Wolbeck – aber in seinen 90 Jahren hat er Weichenstellungen für Stadt und Stadtteil geprägt.

Die Eltern wohnten in der Marktstraße, doch sie zogen 1929 nach Lippstadt – dort wurde Heinrich am 14. Oktober 1930 geboren. Drei Wochen später war er zum ersten Mal in Wolbeck, um sich dort der Verwandtschaft vorstellen zu lassen. Des Öfteren war der Vater, der bei der WLE als Chef von Personal und Betrieb arbeitete, in Wolbeck. Sein Bruder betrieb dort noch einen Kötterhof. Heinrich kam oft in den Ferien – 1935 malte ihn Emil Wolter , wie er mit Franziska Barwe vor dem Drostenhof steht.

Die Volks- und Oberschule besuchte er in Lippstadt, wo er auch das Abitur machte. Gern erinnert er sich an zwei Jahre nach dem Krieg, als er in Wolbeck in der Landwirtschaft arbeitete. Zum Studium der „Juristerei“ ging er nach Münster, absolvierte das erste Staatsexamen in Hamm, das zweite in Düsseldorf. Nach zwei Jahren in Lippstadt als Anwaltsassessor arbeitete er ab 1961 beim Landschaftsverband, erst in der Straßenbauverwaltung, dann als Justiziar in der Haupt- und Personalabteilung. Das sei „eine sehr aufregende Tätigkeit“ gewesen. Autobahnen bauen wie A1 und Sauerland-Linie bei Personalnot. Man stellte in der Zeit der Zechenschließungen 140 Steiger ein: „Das hat uns sehr geholfen.“

1959 heiratete Gallenkämper seine erste Frau Doris, sie bekamen zwei Jungs. 1969 ließ er sich von Bernhard Gallenkämper, seinem Vetter, überreden, als Bürgermeister für die Gemeinde Wolbeck zu kandidieren. Den Gemeinderat dominierten SPD, Zentrum und FDP, daher glaubte er, nur ein Zählkandidat zu sein. Doch seine CDU sprang von 26 auf 52 Prozent. „Ich wollte eigentlich hinschmeißen“, erinnert er sich, die berufliche Belastung war hoch. „Aber ich wollte auch nicht kneifen.“

Gallenkämper wurde 1969 der letzte Bürgermeister der Gemeinde, bis Ende 1974. Schulbau, Bezirkssportanlage, Flächennutzungspläne, die Planungsgemeinschaft mit Angelmodde und seinem Bürgermeister Bruno Krause: „Wenn, dann beide zusammen.“ Gemeinsam stemmte man 1974 auch den Bau des Hallenbads. „Wolbeck war schuldenfrei, Angelmodde auch.“ Zuvor mussten die Lehrer in der Stadt Münster anfragen, wenn die Schüler einmal schwimmen können sollten. Unerfüllt blieb sein Plan, den alten Friedhof mit dem Drostenhof zu einem Park verbunden.

Wolbeck änderte seinen Charakter, resümiert er: Einst geprägt von Landwirtschaft, Kaufleuten und Handwerkern, kamen immer mehr städtisch geprägte Menschen hinzu, auch wegen des Schulzentrums.

Sein Hobby ist die Heimatforschung. Gerade hat der Neunzigjährige seinen fünften Film fertiggestellt: „Wolbeck. Vom Dorf zum Stadtteil. Soll man weinen oder lachen.“

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