Ausstellung läuft noch bis zum 18. Januar
Die List der Alltagsmenschen

Münster-Hiltrup -

Wie die Zeit vergeht! Die beliebte Ausstellung mit den Alltagsmenschen lädt noch bis zum 18. Januar zu Spaziergängen an der frischen Luft ein.

Sonntag, 10.01.2021, 09:30 Uhr
Die Alltagsmenschen bei dem Spiel „Reise nach Jerusalem“.
Die Alltagsmenschen bei dem Spiel „Reise nach Jerusalem“. Foto: Grottendieck

Genaues Hinschauen lohnt auf jeden Fall. Am Beaugency-Platz an der Patronatsstraße ist die eher sommerlich-luftig bekleidete Alltagsfrau nicht zu übersehen. Auch kleine Korkmännchen sind zu entdecken, die als neckische Kobolde schon seit geraumer Zeit hier und da an ständig wechselnden Orten unterwegs sind und dabei immer wieder für eine Überraschung gut sind.

Jürgen Vogt , der aus seinem Küchenfenster einen direkten Blick auf den Beaugency-Platz hat, stellt immer wieder mit Freude fest, dass in den vergangenen Wochen viele Passanten genau diese Korkmännchen ebenfalls wahrgenommen haben – und sie so eifrig mit ihren Handys ins Bild setzten wie die Alltagsmenschen.

Christel Lechners Alltagsmenschen sind im Corona-Jahr 2020 gleich zweimal nach Hiltrup gekommen. Im Frühjahr kamen sie wegen des ersten Lockdowns mit einiger Verspätung und blieben nur für kurze Zeit. Es gelang ihnen, beim Zurückerobern der schmerzlich vermissten Normalität zu helfen. Denn die Lebensfreude, die sie ausstrahlen in ihrer ganz eigenen Welt, wirkte vielfach ansteckend. Man kann die Figuren ignorieren, aber man ihnen nicht böse sein oder mit mürrischem Gesicht begegnen.

Die Figuren haben sogar die Eigenschaft, den Betrachter überlisten. Wer sie im eigenen Alltag wahrnimmt, erkennt oftmals erst auf dem zweiten Blick, dass es sich um eine Kunstfigur handelt und nicht um einen Menschen aus Fleisch und Blut, den man vielleicht grüßen sollte. „Ich dachte, da steht wirklich jemand!“ Wie oft war in den vergangenen Wochen dieser Spruch zu hören.

Wie sehr die Hiltruper und die vielen Gäste, die eigens wegen der Ausstellung in den Ort gekommen sind, ins Herz geschlossen haben, zeigen die Bestrebungen, einige Figuren dauerhaft für den Ort zu erhalten. Die lesende rote Dame vor der Buchhandlung wurde dank einer erfolgreichen Spendenaktion käuflich erworben, die von der Stadtteiloffensive initiiert wurde. In Kürze kommt ein knuffiger Hund hinzu. Das nötige Geld hat der Wirtschaftsverbund durch den Verkauf von Alltagsmasken eingesammelt.

Es sind auch die kleinen liebevollen Details, die eine Menge ausdrücken: Den drei Badenixen im Museumspark wurden wärmende Schale und Stirnbänder spendiert. Es soll wohl gegen die Kälte helfen. Abends sind diese Figuren dank einer Initiative des Museums beleuchtet.

Die Figuren lenken zudem den Blick auf eine Stelle im Ortsbild, die im Argen liegt. An der Kreuzung von Marktallee und Hülsebrockstraße stehen drei Bauarbeiter in einer städtischen Grünfläche. Was sie da tun, ist unklar. Die Fläche rückt so in den Fokus. Nebenan befindet sich auf privatem Grund ein altes Wohnhaus, das tief in einen Dornröschenschlaf verfallen ist. Vielleicht entsteht dort bald etwas Neues.

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