Nach 13 Monaten im KZ Sachsenhausen
Vor 80 Jahren kam Kaplan Poether nach Dachau

Münster-Hiltrup -

Am 18. April 1941 kam Kaplan Bernhard Poether in das KZ Dachau. Zuvor befand er sich bereits 13 Monate in Einzelhaft im Konzentrationslager Sachsenhausen. Das entspricht exakt der Dauer, wie wir uns jetzt im April 2021 mit der Corona-Pandemie herumplagen.

Sonntag, 18.04.2021, 11:08 Uhr aktualisiert: 18.04.2021, 11:10 Uhr
Im KZ Dachau kam Kaplan Bernhard Poether am 18. April 1941 an, dort starb er am 5. August 1942.
Im KZ Dachau kam Kaplan Bernhard Poether am 18. April 1941 an, dort starb er am 5. August 1942.

Vor 80 Jahren öffnete sich für Bernhard Poether das Tor des Konzentrationslagers Dachau. Der Transport vom Lager Sachsenhausen bei Berlin bis in das bayrische Dachau zog sich über zehn Tage hin. Als Poether ankam, war er mit seinen Kräften am Ende. Unterkriegen ließ er sich jedoch nicht.

„Leichenfahl und wie ein Skelett war er hierhergekommen“, erinnert sich ein Mithäftling an den damals 35-jährigen Bernhard Poether. 13 Monate im Konzentrationslager Sachsenhausen hatten ihre Spuren hinterlassen. Er befand sich in Einzelhaft im Lagerbunker, einer Art Hochsicherheitstrakt innerhalb des KZs.

In den 80 Einzelzellen gab es prominente Häftlinge wie Martin Niemöller von der Bekennenden Kirche oder Georg Elser, den Hitler-Attentäter vom 9. November 1939 im Bürgerbräu-Keller in München. Andere Häftlinge wurden schlichtweg zu Tode gequält.

Dunkelhaft, Folter und alle drei Tage eine warme Mahlzeit – all das dürfte Poether durchlitten haben. Schriftliche Beweise gibt es nicht. Er selbst hat einem Mithäftling erzählt, ohne jede Lektüre allein in der Zelle zu verweilen, das sei „für ihn die größte Qual“ gewesen.

Nebenbei bemerkt: Poethers Aufenthalt in Sachsenhausen dauerte somit exakt so lange, wie wir uns aktuell mit der Corona-Pandemie herumschlagen.

Aufgrund eines Beschlusses wurden ab Ende 1940 alle von den Nazis inhaftierten Geistlichen ins KZ Dachau geschickt. Für Bernhard Poether begann die Reise am 8. April und endete am 18. April 1941. Übernachtet wurde in Polizeigefängnissen.

„Besonders furchtbar war es am Morgen, wenn es weitergehen sollte. Dann mussten wir auf den Ruf der SS: „Die Pfaffen an die Spitze!“ aneinandergekettet an der Spitze des Zuges marschieren, so auch in Weimar, Hof und Nürnberg.“

Eduard Farwer, der nach 1945 diese Zeilen notierte, war mit Poether sich am 10. April in Halle an der Saale zusammengetroffen. Sie bleiben Freunde bis zum Tode Bernhard Poethers am 5. August 1942. Farwer stand ihm in den letzten Stunden bei. Der Transport war war eine besondere Leidensstation dieses Martyriums. „Einmal trafen wir auf BDM-Mädchen eine NS-Jugendorganisation, die vor Schadenfreude aufschrien, als sie uns so in Fesseln sahen“, schildert Farwer.

Mitgefühl durften KZ-Häftlinge von der Bevölkerung nicht erwarten. Hermann Scheipers, der in den 1980er Jahren in Amelbüren seelsorgerisch tätig war, sagte es rückblickend so: „Unter den Blicken der Leute litten viele sehr.“

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