„Eine exklusive Nische“
Reinhard und Melanie Holtmann züchten auf ihrem Hof in Albachten exotische Wagyu-Rinder

Münster-Albachten -

Geht es ums Thema Rinderzucht, dann kennt sich Reinhard Holtmann (39) ganz besonders gut aus. „Ich interessiere mich für Rinder“, sagt der Albachtener Landwirt. Die Haltung der Tiere ist neben der Schweinemast ein wichtiges Standbein seines Betriebs am Ventrup. Seit Ende vergangenen Jahres gehört Holtmann einem ganz besonderen Zirkel von Landwirten an: Er züchtet Wagyus, eine exotische Rinderrasse, die ursprünglich aus der Region um das japanische Kobe stammt.

Montag, 16.07.2012, 23:07 Uhr

„Eine exklusive Nische“ : Reinhard und Melanie Holtmann züchten auf ihrem Hof in Albachten exotische Wagyu-Rinder
Melanie und Reinhard Holtmann haben auf ihrem Hof in Albachten mit der Zucht von exotischen Wagyu-Rindern begonnen. Das hochwertige Fleisch der Tiere ist bei Gourmets heiß begehrt. Foto: sch

Die Zahl der Wagyu-Züchter ist hierzulande derzeit noch sehr überschaubar. Dem Wagyu-Verband Deutschland gehören laut Holtmann aktuell nicht mehr als 15 Mitglieder an. Im Bundesgebiet gebe es nur rund 300 der Tiere, sagt der Albachtener. Über einen Fernsehbericht wurden Holtmann und seine Frau Melanie im Jahr 2009 auf diese Art von Rindern aufmerksam. Ende vergangenen Jahres sind sie dann in die Zucht der Wagyus eingestiegen, deren Fleisch in internationalen Gourmetkreisen höchste Anerkennung genießt. „Es handelt sich um eine exklusive Nische“, sagt Holtmann über seine Zuchtbestrebungen. Sie sollen in den nächsten Jahren in die feste Vermarktung des besonderen Rindfleischs übergehen. „Doch erst einmal geht es darum, in Deutschland eine Wagyu-Population aufzubauen.“ Damit dies schnell vonstatten geht, werden Trägerkühen anderer Rassen importierte Wagyu-Embryonen (Stückpreis 800 bis 1000 Euro) implantiert. Das Fleisch der Tiere ist bei Feinschmeckern heiß begehrt. Genetisch bedingt weist es eine extreme Fettmarmorierung auf, deren Entwicklung durch ganz besondere Fütterungs- und Pflegemaßnahmen von den Züchtern gefördert wird. Resultat ist ein Rindfleisch, dass extrem zart sein und obendrein noch einen unvergleichlichen Geschmack haben soll. Allerdings ist das hochgelobte Fleisch alles andere als billig: Ein Kilo Wagyu-Filet koste etwa 200 Euro pro Kilo, weiß Holtmann. Meist werde es übers Internet angeboten und komme aus Australien . Doch auch in den USA und Neuseeland gebe es Züchter. Reinhard Holtmann und seine Kollegen vom Wagyu-Verband haben sich vorgenommen, das Fleisch der wertvollen Rinder regional und vor allen Dingen kostengünstiger in Deutschland zu produzieren, sodass weite Transporte eines Tages überflüssig werden. Auf dem Betrieb des Albachteners sind zurzeit 21 Wagyus US-amerikanischen Ursprungs zu Hause, die allerdings nicht alle Holtmanns Eigentum sind, aber zum großen Teil demnächst von ihm vermarktet werden. Wem Kobe-Rinder ein Begriff sind, der weiß, dass diese Tiere in Japan bis zur Schlachtung mit außergewöhnlicher Mästung und Pflege herangezogen werden. Das ist auf dem Hof Holtmann kaum anders. Dem hochwertigen Futter der Wagyus wird eiweißreicher Biertreber zugesetzt. Ihr Trinkwasser wird magenschonend angewärmt, sie stehen auf Stroh statt auf Spaltenböden, werden von einer elektrischen Bürste massiert und bekommen im Stall sogar klassische Musik zu hören, um ihr Miteinander möglichst stressfrei zu gestalten. Mitunter darf es allerdings auch sanfte Pop-Musik sein: „Wenn sie ,Simon and Garfunkel` hören, sind sie völlig relaxed“, hat Melanie Holtmann festgestellt. Die erste Schlachtung eines Bullen steht auf dem Albachtener Hof im August ins Haus. Reinhard Holtmann ist schon jetzt gespannt auf die erwartete hohe Qualität des ersten Wagyu-Fleischs. Jüngste Tests waren vielversprechend. Sorgen um Abnehmer muss sich der Rinderzüchter offenbar nicht machen. Münsterische Gastronomen haben bereits ihr Interesse an der Rarität „made in Albachen“ bekundet und sämtliche Filetstücke reserviert. Reinhard Holtmann rechnet mit rund 400 Kilo besten Fleisches.   | www.wagyu-muensterland.de

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