Hilfe bei der Laichwanderung
Amphibienschutz in Handarbeit

Münster-Albachten -

Reinhard Brahm sammelt an der Steinbrede Kröten und Molche auf, um sie vor dem „Asphalttod“ zu retten. Das macht der Albachtener bereits seit mehr als zehn Jahren.

Mittwoch, 04.04.2018, 20:04 Uhr

Auf Achse: Bevorzugt in der Dämmerung machen sich Amphibien auf den Weg in ihre Laichgewässer. Das Risiko ist groß, dass sie dabei von Autos überfahren werden.
Auf Achse: Bevorzugt in der Dämmerung machen sich Amphibien auf den Weg in ihre Laichgewässer. Das Risiko ist groß, dass sie dabei von Autos überfahren werden. Foto: dpa

Sein Engagement ist beispielhaft: Seit mehr als einem Jahrzehnt hat sich Reinhard Brahm (80) dem Amphibienschutz verschrieben. Setzt im Bereich Steinbrede die Laichwanderung von Kröten und Molchen ein, dann ist der Albachtener im Einsatz. Er sorgt dafür, dass möglichst viele Tiere von der Straße kommen, sodass sie nicht überfahren werden.

Am 12. März ging es für den Ruheständler, der an der benachbarten Sunnenheide wohnt, wieder los: Wie in jedem der vergangenen Jahre kontrollierte er auf der Steinbrede, ob Amphibien auf Achse waren, um zu ihrem Laichgewässer zu gelangen. Im Zeitraum von 20 bis 22.30 Uhr nahm Brahm – wie jeden Abend während der Amphibien-Laichwanderung – dreimal die Fahrbahn unter die Lupe und sammelte die dort aufgefundenen Tiere ein. Drei Kröten und sechs Molche, so geht es aus seinen Aufzeichnungen hervor, konnte er schon am ersten Tag auf sicherem Weg hinüber zum Löschteich der Firma Gautzsch bringen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Amphibienschützern arbeitet Reinhard Brahm nicht mit Krötenzäunen und Auffangeimern. Er sammelt die Tiere bei seinen abendlichen Rundgängen allesamt per Hand ein. Seit dem Beginn seiner diesjährigen Aktion konnte er bislang 40 Kröten und 28 Molche vor dem „Asphalttod“ – sprich dem Tod durch Überfahren – retten. Dabei gab es etliche Tage, in denen es kältebedingt keine Funde gab, denn erst ab etwa zehn Grad plus machen sich Kröten und Molche bei Dämmerung auf den Weg zum Laichgewässer.

Bis zum 15. April, so der Plan, will der Albachtener sein Engagement für bedrohte Amphibien fortsetzen. „Ich nehme an, die Wanderung hält noch ein paar Tage an, wenn es warm bleibt“, sagt er. Viele, die im Bereich Steinbrede und Sunnenheide wohnten, seien bereits sensibilisiert und achteten beim Befahren der Straße darauf, möglichst keine Kröten oder Molche zu überrollen. Doch das sei oftmals gar nicht so leicht: „Molche sind so klein, die sieht man fast gar nicht. Die manchmal nur bleistiftdicken Tiere sind besonders gefährdet.“ Aufgefallen sei ihm, dass seit dem 30. März keine Molche mehr unterwegs seien.

Interessant sei zudem, dass im Einmündungsbereich Steinbrede / Osthofstraße in diesem Jahr verstärkt Kröten anzutreffen seien, meint der Amphibienschützer: „Ihr Auftreten an dieser Stelle müssten der Nabu oder andere qualifizierte Leute mal untersuchen.“ Auch die Aufstellung eines Schildes „Krötenwanderung“ würde dort Sinn machen.

Wie viele Tiere er anno 2018 retten wird, vermag Brahm nicht zu prognostizieren. Schließlich gibt es auch Kröten und Molche, die es ohne seine Hilfe über die Straße schaffen. „Die Anzahl der aufgesammelten Amphibien sagt nichts über die Stärke der Population im Bereich Steinbrede aus“, sagt er. Nicht zuletzt aufgrund seines allabendlichen Einsatzes hat der Albachtener erst drei tote Kröten zu beklagen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5638252?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F131%2F
Nachrichten-Ticker