Thomas Philipzen
Ein Derwisch fegt über die Bühne

Münster-Albachten -

Er hatte die Lacher auf seiner Seite: Beim ausverkauften Gastspiel im Albachtener „Haus der Begegnung“ begeisterte der Kabarettist Thomas Philipzen sein Publikum.

Sonntag, 01.07.2018, 19:00 Uhr

Thomas Philipzen zog mit einer temperamentvollen Darbietung im „Haus der Begegnung“ die Zuschauer in seinen Bann.
Thomas Philipzen zog mit einer temperamentvollen Darbietung im „Haus der Begegnung“ die Zuschauer in seinen Bann. Foto: ann

Sorge um den gegenwärtigen Zustand der Welt prägte das Soloprogramm von Thomas Philipzen : vom Dilemma der Fußball-WM über die digitalen Vernetzung elektrischer Haushaltsgeräte, von der Liebe im Allgemeinen und Besonderen bis hin zu Gerlinde Westerkötters unsäglicher Technik beim Schlagballweitwurf erstreckten sie die Themen des münsterischen Kabarettisten bei seinem Auftritt im „Haus der Begegnung “. Er hatte die Lacher auf seiner Seite.

Ganz in Grau gekleidet fegte der temperamentvolle Ostwestfale wie ein Derwisch umher und zog dabei alle Register der Ausdrucksmöglichkeiten. Mit geschmeidig wiegenden Hüften und federnden Schritten tänzelte er im Heidi-Klum-Stil über die Bühne, schritt sie danach gemächlich ab, um im nächsten Augenblick hockend oder liegend in eine andere Rolle zu schlüpfen.

Die Nummer eines chinesischen Gewichthebers war eine pantomimische Glanzleistung. Er lächelte strahlend, schaute pfiffig und blickte einen Wimpernschlag später dümmlich in die Zuschauer. Er flüsterte, brüllte, sprach wie ein Trommelfeuer, erzeugte donnernde Geräusche mit seinem Mikrofon oder begleitete sich sprech-singend am Flügel. Dabei hatte er immer das Publikum im Blick und spielte gewissermaßen mit ihm. Er forderte Reaktionen ein und wunderte sich auch manchmal über erst spät einsetzenden Applaus.

„In Albachten ist der Bücherbus wohl nicht oft vorbeigekommen“, sinnierte er. „Vielleicht war das ein Filterwitz.“ Der müsse erst durchsacken, bis es zur Reaktion käme. Philipzen, auch im Kabarett-Ensemble Storno aktiv, hatte starke Momente, wenn er die Sprache untersuchte. Ein Gehweg bedeute eben nicht „geh weg“ und ein Kotflügel sei sicherlich kein beschmutztes Klavier. Statt ein Unwortes des Jahres würde der Kabarettist lieber das Unjahr des Wortes auswählen.

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