Neuer Roman der Albachtener Autorin Andrea Timm
Eine ganz persönliche Zeitreise 

MÜNSTER-ALBACHTEN -

Was passiert eigentlich, wenn jemand auch im Winter nach der Sommerzeit lebt? Die Antworten auf diese Frage füllen ein ganzes Buch.

Samstag, 07.09.2019, 05:30 Uhr aktualisiert: 08.09.2019, 18:16 Uhr
Um das Thema Zeit geht es in „Wenn ihr mit der Zeit geht, gehe ich nicht mit!“, dem neuen Roman der Albachtener Autorin Andrea Timm.
Um das Thema Zeit geht es in „Wenn ihr mit der Zeit geht, gehe ich nicht mit!“, dem neuen Roman der Albachtener Autorin Andrea Timm. Foto: jans

Horst Emmerich ist aus der Zeit gefallen. Die Albachtener Autorin Andrea Timm lässt in ihrem neuen Roman „Wenn ihr mit der Zeit geht, gehe ich nicht mit!“ (Agenda Verlag, ISBN 978-3-89688-636-1) den biederen Versicherungsangestellten die Umstellung von der Sommer- auf die Winterzeit schlicht boykottieren. Die Konsequenzen aus dieser Entscheidung breitet Timm als kleines Lebenspanorama vor der Leserschaft aus – mal bizarr, mal schreiend komisch, aber auch mal todtraurig.

Eigentlich schlittert Versicherungsmensch Emmerich mehr oder weniger unfreiwillig in seinen Zeitumstellungsboykott hinein. Nach einem geplatzten Date am Freitagabend versumpft er am letzten Oktoberwochenende und vergisst verkatert, am Sonntag die Uhren zurückzustellen. Er bemerkt es erst, als er am folgenden Montag im Büro auftaucht – und beschließt, fortan seiner eigenen Zeit zu folgen. Für alle anderen ist er damit immer eine Stunde zu früh dran.

Andrea Timm schickt ihren Helden durch eine plötzlich veränderte Welt: Er muss nun Funkuhren austricksen, um seine Zeit zu behalten und wird bei der Weihnachtsfeier ungewollt zum Baum-Schmücker, weil alle Kollegen später da sind.

Weihnachtsmarkt

Mit viel Lokalkolorit beschreibt Timm die Vorweihnachtszeit in Münster samt unvermeidlichem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt. Heimattümelnd wird die Autorin dabei aber nie.

Daher kann Andrea Timm auch wenige Seiten später ihre Geschichte kitschlos in die Tragödie gleiten lassen. Die vermeintlich eingesparte Stunde nützt Emmerich nämlich nichts mehr, als er in der Uniklinik am Totenbett seiner Mutter steht. „Sein blödes Experiment konnte nichts ändern, nichts retten, nichts bewegen. Es konnte eigentlich gar nichts“, schreibt die Autorin über ihre Hauptfigur.

Glücklicher Mensch

Allerdings bleibt Emmerich nicht in seinem Jammertal. Ausgerechnet sein vertrackter Boykott macht ihn nämlich doch nach vielen Überlegungen zum Wesen der Zeit noch zu einem glücklichen Menschen. Aus eigener Kraft schafft er das aber nicht, so viel sei noch verraten.

Auslöser für das Buch mit dem Untertitel „Die Zeitumstellung – ein halbjährliches Ärgernis“ war laut Andrea Timm „diese komische Uhr meines Mannes, die misst alles: Laufzeit, Herzschlag, Traumphase“. Ihre erste Idee war es, einen Episodenroman über die Wirkungen der Zeiteinteilung und Zeitumstellung auf die Menschen zu schreiben. Aber diese Form bot der Autorin „wenig Zusammenhalt“. Andrea Timm schickte daher Horst Emmerich 2017 auf seine ganz persönliche Zeitreise und erzählte von deren Auswirkungen. Ihr Verlag wollte diese Geschichte allerdings näher an die Gegenwart heranrücken. Daher schrieb Timm das Ende ihres Buches sozusagen „in Echtzeit“ – und musste aufpassen, dass Welt- oder Ortsgeschichte ihr dabei nicht in die Quere kamen.

Vermarktung

Ein weiteres Problem der Vermarktung sei gewesen, dass sich ihr Buch keinem Genre zuordnen lässt, so Timm. Daher einigte man sich auf die Bezeichnung „Münster-Roman“.

Andrea Timm konnte in ihrem Buch auch auf eine eigene Erfahrung zurückgreifen. Die gelernte Architektin verpasste nämlich während eines Studienaufenthaltes in Paris tatsächlich mal eine Zeitumstellung und servierte ein Mittagessen für Mitstudenten viel zu früh. „Das war sehr einprägsam“, findet die Autorin heute, Und: „Man spinnt die Gedanken weiter.“ Generell nennt Andrea Timm die Zeitumstellung in Deutschland „ein Luxusproblem“. Aber sie betont in diesem Zusammenhang auch: „Man tut vielen Menschen etwas an, das nicht nötig ist.“

Lesung

Die 1975 im Rheinland geborene Schriftstellerin ist zweifache Preisträgerin im WN-Kurzgeschichten-Wettbewerb. Sie veröffentlichte Kurzgeschichten und schrieb ein Kinderbuch. Gemeinsam mit ihrem Nachbarn Christhard Lück verfasste sie zudem zwei Inselkrimis.

Ihren neuen Roman wird Andrea Timm erstmals in Albachten vorstellen. Die Lesung findet am Donnerstag (19. September) um 19.30 Uhr im Pfarrheim St. Ludgerus statt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6905617?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F131%2F
Nachrichten-Ticker