Ärztin Amineh Marvani erinnert sich
Auf Deutsch träumte sie erst nach einer langen Zeit

MÜNSTER-ALBACHTEN -

Sie ist als Medizinerin beliebt und respektiert. Ein Satz ihres Vaters half ihr, ihre Ziele zu erreichen.

Donnerstag, 21.11.2019, 22:15 Uhr aktualisiert: 22.11.2019, 18:26 Uhr
Die im Iran geborene Ärztin Amineh Marvani sprach im Albachtener Pfarrheim über ihr Leben.
Die im Iran geborene Ärztin Amineh Marvani sprach im Albachtener Pfarrheim über ihr Leben. Foto: sn

Wenn Amineh Marvani an den Iran denkt, dann denkt sie an die Sterne dort, an den Nachthimmel, den sie als Kind sah. Sie ist in der Stadt Ahvaz geboren, einer Metropole am Persischen Golf. Heute ist Marvani Ärztin in Albachten. Auf Einladung der kfd St. Ludgerus sprach sie im Pfarrheim über „Mein Leben in Deutschland“. Sie sagte dabei: „Integration ist, wenn man auf Deutsch träumt.“

„Sie ist eine beliebte Ärztin“, betonte eine Albachtenerin im Publikum. Das zeigte sich schnell: Über 100 Zuhörer kamen. Hatte Marvani mit dem Andrang gerechnet? „Ehrlich gesagt, ja“, sagte sie lächelnd.

1987 kam sie nach Deutschland, um hier Medizin zu studieren. „Mein jüngster Bruder ist an Leukämie verstorben“, erzählte die Medizinerin, da habe sie den Entschluss gefasst, Ärztin zu werden. Wichtig sei, dass man ein Ziel habe. Ein Satz, den ihr Vater ihr mitgab, habe ihr am meisten in Deutschland geholfen: „Ich glaube an Dich.“ Ihr erster Flug überhaupt ging nach Frankfurt am Main, von dort aus fuhr sie nach Aachen zu einem Onkel.

Der erste Einkauf

Vor dem ersten Einkauf habe sie die ganze Nacht nicht schlafen können. Einen Satz hatte sie sich vorher mühsam zurechtgelegt: „Ich möchte bitte ein Brötchen.“ Doch sie wollte schnell Deutsch zu lernen. Nach zwei Wochen habe sie schon alleine zum Arzt gekonnt. Sie lernte die Sprache intensiv, sodass sie schließlich erfolgreich Medizin studieren konnte.

Die beruflichen Stationen führten Marvani quer durch die Bundesrepublik. Sie war in Düren, Singen (Baden-Württemberg), Bielefeld, Garzweiler, und schließlich ging es nach Bayern. Dort, im Süden der Republik, werde sie es schwer haben, sei ihr vorher gesagt worden. Doch die Leute waren herzlich. Eines fiel ihr allerdings tatsächlich nicht so leicht: „Ich musste wieder eine neue Sprache lernen.“ Bayerisch. Schließlich führte ihr weiterer Weg nach Lüdinghausen: „Da war ich zum ersten Mal müde.“

Respekt und Vertrauen

Vielleicht kam daher die Gelegenheit gerade recht, sich in Albachten für längere Zeit niederzulassen. Dort übernahm sie nämlich vor zwei Jahren eine Hausarztpraxis. „In Albachten wird mir Respekt und Vertrauen entgegengebracht“, so die Ärztin.

Sie hat vier Kinder, die in Deutschland geboren wurden. Der Iran sei für sie keine Heimat mehr, sagte Marvani, die jetzt tatsächlich auf Deutsch träumt. Sie wisse aber auch: „Mir ist die Integration leichtgefallen, weil ich das Glück hatte, die richtigen Menschen kennenzulernen.“

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