St.-Ludgerus-Gemeinde Albachten
Jesuskind kommt erst Heiligabend

Münster-Albachten -

So manch einer staunt, wenn er die Weihnachtskrippe in der Albachtener Pfarrkirche sieht. Ortshistoriker Ulrich Töns kennt sich mit ihrer Geschichte bestens aus.

Montag, 23.12.2019, 23:00 Uhr aktualisiert: 26.12.2019, 17:46 Uhr
Ortshistoriker Dr. Ulrich Töns (r.) und Küsterin Gabriele Winkelhaus bewundern die Krippe in der St.-Ludgerus-Kirche, in der ab Heiligabend auch die Figur des Jesuskindes zu finden sein wird.
Ortshistoriker Dr. Ulrich Töns (r.) und Küsterin Gabriele Winkelhaus bewundern die Krippe in der St.-Ludgerus-Kirche, in der ab Heiligabend auch die Figur des Jesuskindes zu finden sein wird. Foto: sn

Bereits seit Samstag steht die Weihnachtskrippe in der St.-Ludgerus-Kirche. Sie zieht bewundernde Blicke der Kirchenbesucher auf sich. Einige von ihnen schauen jedoch verdutzt, denn eine wichtige Figur fehlt noch vor Heiligabend in der Krippe: das Jesuskind.

Eine Krippe ohne Jesus? Wie kann das sein? Das hat schon seinen Sinn, besonders wenn es noch nicht Heiligabend ist: „Wir wollen nichts vorwegnehmen“, meint Dr. Ulrich Töns vom Gemeindeausschuss St. Ludgerus. Alles solle seine Ordnung haben, und die Figuren zur rechten Zeit aufgestellt werden. Das bedeute für das Jesuskind, dass es an Heiligabend in die Krippe komme – und nicht vorher.

Auch Maria und Josef sind in der Krippe noch nicht zu sehen. Etwas versetzt zur Krippe stehen sie bisher nämlich an der Treppe zum Altar. Maria ist im Gebet vertieft, Josef beleuchtet die Szenerie mit einer Laterne. Übrigens: Es gibt eine zweite Maria-Figur, die diese erste ersetzen wird: Sie hat das Jesuskind auf dem Schoß.

Ansonsten finden sich alle Figuren, die zu einer Krippe dazugehören: Ochs und Esel befinden sich im Stall. Hirten bringen Geschenke. Aber da ist auch ein Mann, den man nicht so recht einzuordnen vermag. „Er trägt einen westfälischen Kittel, ein Halstuch und raucht eine Piepe“, sagt Töns. Ein Kiepenkerl in der Albachtener Krippe?

Nicht ganz. Die Krippe habe nämlich der ehemalige Pfarrer Joseph Spieker in Auftrag gegeben. Der Gottesmann war beliebt vor allem bei den Landwirten, die er alle im Laufe eines jeden Jahres besuchte. Man sage, so Töns, dass diese Figur in der Krippe, die so aussehe wie ein Kiepenkerl, den ehemaligen Albachtener Pfarrer zeige.

Der Künstler, der dieses Werk erschuf, ist der Sendener Alexander Frerichmann. Er schnitzte aus Holz sehr ausdrucksstarke Figuren mit markanten Gesichtszügen. Mitte der 1950er-Jahre soll die Krippe erstmals in der St.-Ludgerus-Kirche aufgestellt worden sein. „Es ist kein Jugendwerk von Frerichmann“, sagt Töns. Das sei keine Krippe, die man eben so nebenbei machen könne. Sie sei vielmehr Ausdruck für seine künstlerische Lebenserfahrung, die Figuren ließen viel Liebe fürs Detail erkennen.

Es ist übrigens nicht die erste Krippe, die in der St.-Ludgerus-Kirche steht. Laut der historischen Quellen habe es bereits im Jahr 1800 und wahrscheinlich sogar noch früher, nämlich um 1750, in Albachten eine Krippe gegeben, weiß Töns. Im Bistumsarchiv hat der Ortshistoriker geforscht und hat einen Brief das damaligen Küsters an das Generalvikariat gelesen, in dem dieser beklagt, dass die Figuren der Krippe beschädigt seien. Gleichzeitig bittet er deshalb um einen Zuschuss zur Restauration. Damals, so erklärt Töns, seien die Hände und Gesichter der Figuren aus Wachs und deshalb empfindlicher gewesen.

Das Holz der aktuellen Krippe ist noch völlig intakt. Gemeinsam mit Kindern des „Krippenteams“ hat Küsterin Gabriele Winkelhaus sie am Samstag aufgestellt. Die bisher dort stehende Marienfigur ist innerhalb der Kirche versetzt worden. Bis eine Woche nach den Schulferien werde die Krippe nun an deren Platz stehen, so Winkelhaus.

Es wird sich also noch einiges tun in der Krippe: Heiligabend kommt dann das Jesuskind hinzu. Aber auch der 6. Januar ist ein entscheidender Tag: Dann werden auch noch die Heiligen Drei Könige in die Krippe hin­eingestellt.

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