Albachtener Gespräch zum Thema Wirtschaftskriminalität
875 Million Euro gingen dem Fiskus 2016 durch die Lappen

Münster-Albachten -

Das Thema war spannend, der Referent ein Kenner der Materie: Um Finanzbetrug und Steuerhinterziehung ging es bei der jüngsten Ausgabe der Albachtener Gespräche.

Sonntag, 09.02.2020, 18:28 Uhr aktualisiert: 10.02.2020, 18:36 Uhr
Entspannte Mienen beim Referenten und den Gastgebern vom Verein Musik-Kultur Albachten (v.l.): Ferdinand Lenfers, Staatsanwalt Lars Colberg, Holger Wigger und Manfred Rösmann.
Entspannte Mienen beim Referenten und den Gastgebern vom Verein Musik-Kultur Albachten (v.l.): Ferdinand Lenfers, Staatsanwalt Lars Colberg, Holger Wigger und Manfred Rösmann. Foto: ann

Schlechte Nachricht bei den Albachtener Gesprächen: „Der Staatsanwalt ist schon da!“ Das war von Moderator Holger Wigger natürlich scherzhaft gemeint. Er spielte darauf an, dass nur, wer etwas vor dem Fiskus zu verbergen hat, den „Besuch“ dieses Beamten fürchten muss. Der Albachtener Lars Colberg , Experte in Sachen Wirtschaftskriminalität, gab in der Reihe der Albachtener Gespräche im Concordia-Sportlerheim einen Einblick in seine Tätigkeit in der Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Bochum, die sich mit der „dunklen Seite“ der Wirtschaft beschäftigt.

„Fleißige TV-Konsumenten kennen sich vielleicht ein wenig in diesem Bereich aus“, sagte Colberg. „Aber die Wirklichkeit hat damit ungefähr so viel zu tun wie der Klinikalltag mit der Schwarzwaldklinik.“ Das Wirtschaftsstrafrecht sei ein sperriges, trockenes Thema, das aber dennoch einen enorm wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft leiste.

Für 2016 nannte er einen Betrag von 875 Millionen Euro, der dem Fiskus durch Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung verloren gegangen seien. Dabei hätten die ehrlichen Steuerzahler das Nachsehen, weil sie durch ihre Zahlungen diese verlorenen Einnahmen ausgleichen müssten.

Der Jurist prangerte die „schwarze Putzfrau“ ebenso an wie Falschabrechnungen im Gesundheitswesen und die Steuerhinterziehung durch das „Karussellmodell“, bei dem der Händler nicht die Steuer abführt, sondern die Ware unter dem Deckmantel einer alteingesessenen „unauffälligen“ GmbH mehrfach über Grenzen wandern lasse. Diese Schattenwirtschaft aufzudecken, sei schwierig und zeitaufwendig und nicht immer erfolgreich, beispielsweise wenn eine Firma zwischenzeitlich von der Bildfläche verschwunden sei.

„Dem kriminellen Einfallsreichtum sind kaum Grenzen gesetzt, deshalb ist es gut, dass wir alle Freiheiten haben, Festplatten auszulesen und Passwörter zu knacken“, betonte der Jurist.

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