Albachtener Hausarzt muss ohne Schutzausrüstung arbeiten
„Absolutes Organisationsversagen“

Münster-Albachten -

Der Albachtener Allgemeinmediziner Marc Domes hat keine Schutzmaterialien bekommen, um bei der Behandlung seiner Patienten einer möglichen Corona-Infektion vorbeugen zu können. Er ärgert sich – verständlicherweise – ganz gewaltig darüber.

Dienstag, 17.03.2020, 20:38 Uhr aktualisiert: 18.03.2020, 18:02 Uhr
Der Albachtener Hausarzt Marc Domes und sein Team machen sich arge Sorgen darüber, dass ihnen im Zeichen der Corona-Epidemie keine Schutzmaterialien zur Verfügung gestellt werden.
Der Albachtener Hausarzt Marc Domes und sein Team machen sich arge Sorgen darüber, dass ihnen im Zeichen der Corona-Epidemie keine Schutzmaterialien zur Verfügung gestellt werden.

Er sei fassungslos, sagt Dr. Marc Domes . Als Hausarzt in Albachten zählt er zu offenbar zahlreichen münsterischen Praxismedizinern, die sich im Zeichen der Corona-Krise von den Verantwortlichen im Gesundheitswesen regelrecht im Stich gelassen fühlen: Domes und seine Angestellten müssen in der Praxis ohne professionelle Schutzkleidung und -masken arbeiten. Sie wurden dem Arzt nicht zur Verfügung gestellt, obwohl er täglich Patientenkontakt hat und damit einem verstärkten Infektionsrisiko ausgesetzt ist.

Trotz intensiver Bemühungen – Domes rief nach eigenem Bekunden die Bezirksstelle der Ärztekammer sowie wiederholt das münsterische Gesundheitsamt und die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) an – gelang es dem Hausarzt nicht, die dringend benötigten Schutzmaterialien zu bekommen. In seiner Not besorgte er sich im Internet drei Baumwoll-Schutzmasken, um wenigstens etwas zu haben. Zumal er nicht nur die Patienten seiner Hausarztpraxis, sondern auch Seniorenheime betreut. Eine Mitarbeiterin mit Handicap hat er bereits vom Dienst befreit, da sie im Falle einer Corona-Infektion möglicherweise besonders stark betroffen sein könnte.

Domes selbst ist Vater zweier junger Kinder, um deren Gesundheit er sich angesichts des sich rasant verbreitenden Coronavirus natürlich auch Sorgen macht. Schließlich könnten sie über ihn infiziert werden. Obendrein müsste er im Falle des Falles seine Praxis zumachen, könnte Patienten und Senioren nicht mehr behandeln.

Es sei durch die Ereignisse in China und Italien absehbar gewesen, was auf Deutschland zukommen werde, meint Domes. Deshalb sei es aus seiner Sicht ein „absolutes Organisationsversagen“, wenn Mediziner angesichts des sich rasant verbreitenden Coronavirus nicht mit den notwendigen Schutzmaterialien versorgt würden. Die Krise sei absehbar gewesen. Lediglich eine Handvoll münsterischer Kinderärzte habe bislang etwas bekommen.

Die Ärztekammer, so deren Sprecher Volker Heiliger, fühlt sich für den beklagten Missstand nicht zuständig. Man habe die Berufsaufsicht inne, die Versorgung der Ärzte sei indes Sache der KVWL. Dass es an Schutzausrüstung mangele, hänge damit zusammen, dass es ein solches Ereignis wie die Corona-Epidemie in Deutschland bislang noch nie gegeben habe und der Bedarf riesig sei.

Auch Vanessa Pudlo, Sprecherin der KVWL in Dortmund, verweist darauf, dass ein besonderes Szenario aufgetreten sei. Schutzausrüstungen seien im derzeit notwendigen Maße nicht ausreichend vorgehalten worden. Es gebe einen enormen Engpass und man suche nach Lösungen. Auf verschiedenen Ebenen sei Material geordert worden, auf das händeringend gewartet werde. Wichtig sei, so ihr Appell, dass Leute mit Verdacht auf Corona-Befall auf keinen Fall in die Hausarztpraxen kämen. Sie hoffe, dass die von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann angekündigte Lieferung von Schutzmaterialien so bald wie möglich realisiert werde.

Vom städtischen Gesundheitsamt hieß es am Dienstag, dass man keine Stellungnahme zum Thema abgeben könne. Die Verantwortlichen seien aufgrund der angespannten Lage ständig in Besprechungen.

Vom städtischen Presseamt gab es die Auskunft, dass der Sprecher der niedergelassenen Ärzte, Dr. Hendrik Oen, Informationen „in Sachen Schutzkleidung“ geben könne. Doch auch er war nicht zu erreichen.

Hausarzt Marc Domes wird vermutlich wohl noch einige Zeit lang ohne professionellen Infektionsschutz auskommen müssen. Im Internet gibt es bereits Berichte über verzweifelte nordrhein-westfälische Berufskollegen, die zum Selbstschutz Taucherbrillen aufsetzen sollen oder denen empfohlen worden sei, im Baumarkt Handwerkermasken zu kaufen.

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