Der Natur zuliebe: Reinhard Brahm ist allabendlich unterwegs
Krötenretter sucht Nachfolger

Münster-Albachten -

Bei ihrer Laichwanderung sollten Amphibien Straßen nicht alleine kreuzen. Die Gefahr, den Asphalttod zu sterben, ist einfach zu groß. Wie gut, das es da Krötenretter gibt, wie Reinhard Brahm.

Montag, 30.03.2020, 18:36 Uhr aktualisiert: 30.03.2020, 18:40 Uhr
Reinhard Brahm (82) rettet Kröten und Mulche in Albachten. Unterstützung könnte er gut gebrauchen.
Reinhard Brahm (82) rettet Kröten und Mulche in Albachten. Unterstützung könnte er gut gebrauchen. Foto: Benedikt Brahm

Konzentriert schaut Reinhard Brahm zwischen Straßenrand und Fahrbahn auf und ab. Dann greift er vorsichtig aber beherzt zu und befördert die kleine, männliche Kröte in den Eimer. Wieder ein Leben gerettet.

Mit den bloßen Händen und offenen Papiertüten sammelt der 82-Jährige während der Laichwanderung allabendlich in seiner Nachbarschaft Kröten und Molche ein. Im Bereich Steinbrede und Sunnenheide schützt er die Tiere davor, dass sie überfahren werden. Brahm sammelt sie von der Straße auf, um sie sicher ins angestammte Laichrevier zu bringen.

Brahm führt genau Buch, hat ein gutes Gedächtnis. Am 10. März begann die Kröten- und Lurchwanderung an der Steinbrede. „Ich konnte 28 Kröten und einen Lurch aufsammeln und so verhindern, dass die kleinen Wanderer überfahren werden“, sagt der Albachtener, „tags darauf waren es 18 Kröten und zwei Lurche.“ Dabei sind die Lurche so klein und dunkelfarbig, dass sie auf dem Asphalt kaum wahrzunehmen sind.

„Einem Autofahrer fallen sie überhaupt nicht auf“, sagt Reinhard Brahm und mahnt: „Das Schild mit dem Hinweis „Krötenwanderung“ steht an der falschen Stelle. Es müsste an der Abzweigung der Steinbrede von der Osthofstraße stehen, da in diesem Straßenabschnitt, und nicht erst im Abschnitt Gautzsch, die meisten Kröten auftreten.“

Der Wanderweg der Kröten erstreckt sich auf der Strecke zwischen dem Abzweig der Steinbrede von der Osthofstraße bis zum Abzweig der Steinbrede in Richtung Klärwerk. Dort gibt es keine Amphibienfangzäune an der Straße. „Leider wohnt in meiner Nachbarschaft niemand, der meine Tätigkeit unterstützt, sodass ich zwischen 19.30 und 20.30 Uhr allein das Aufsammeln unternehme muss.“

Durch die kalte Witterung der letzten Tage gibt es aktuell offenbar keine Amphibienwanderungen mehr. „Das ist den Kröten und Lurchen zu kalt. Sie haben total auf die Wanderung verzichtet.“

Angefangen hat Reinhard Brahm vor 13 Jahren: „Ich kam von der Bahn zurück und sah meinen Nachbarn beim Kröten einsammeln. Ich unterstützte ihn. Mittlerweile mache ich das aber nur noch alleine. Nun suche ich einen Nachfolger.“ Interessierte können Reinhard Brahm telefonisch unter 0 25 36 / 65 17 sowie per E-Mail (reinhardbrahm@gmx. de) kontaktieren.

Das Aufsammeln der Kröten und Lurche hat sich nach Reinhard Brahm auch dieses Jahr wieder gelohnt: „Ich habe auf der vielbefahrenden Strecke bisher nur eine überfahrene Kröte gesehen.“

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