Albachtener Professor gibt musikalische Tipps für die Corona-Zeit
Singen hilft auch bei Kontaktsperre

Münster-Albachten -

Die Corona-Zeit schränkt die Freiheit der Menschen ein. fördert aber auch die Kreativität. So gibt es immer häufiger Aktionen rund um Musik und Gesang, ob kirchlich oder weltlich. Wie heilsam ist eigentlich das Musische in Zeiten einer Krise?

Freitag, 03.04.2020, 12:48 Uhr aktualisiert: 03.04.2020, 18:47 Uhr
Für Christhard Lück, in Albachten lebender Professor der Evangelischen Theologie im Ruhestand, sind die in Corona-Zeiten öffentlich gesungenen Lieder ein interessanter Forschungsgegenstand.
Für Christhard Lück, in Albachten lebender Professor der Evangelischen Theologie im Ruhestand, sind die in Corona-Zeiten öffentlich gesungenen Lieder ein interessanter Forschungsgegenstand. Foto: Jan Schneider

Hilft Musik gegen das Corona-Virus? Kann man Heilung herbei singen oder Gesundheit mit Klängen erhalten? Und wenn ja – mit welchen? Diese Fragen stellen sich, wenn wieder Menschen in Gärten und auf Balkonen gemeinsam, aber in sicherem Abstand voneinander, gegen Corona anschmettern, anzupfen, anblasen oder antrommeln.

Christhard Lück , in Albachten lebender Professor der Evangelischen Theologie im Ruhestand, griff neulich selbst zur Gitarre, als in der Nachbarschaft die Pandemie klangvoll bekämpft wurde. Aber er hat vermutlich auch gut zugehört.

Lück interessiert sich nämlich für die vielfältigen Beziehungen zwischen kirchlichem und weltlichem Gesang. Ihn faszinieren die Wechselwirkungen von Liedern, die in Stadien und in Kathedralen erklingen.

Durch gemeinsames Singen werden – über die Grenzen der Corona-Quarantäne hinweg – die Gemeinschaft gestärkt und die Einsamkeit überwunden, weiß Lück. Oder kürzer: „Singen verbindet!“ So würden Ängste bekämpft. Zudem sei die Musik ein schöner Zeitvertreib. Und gesund noch dazu: Lück verweist darauf, dass Singen im medizinischen Sinne das Wohlbefinden hebe, weil es gut für den Kreislauf und die Nerven sei.

Aber er hört noch mehr, wenn draußen „Der Mond ist aufgegangen“ erklingt oder Beethovens „Ode an die Freude“. „Im Singen schwingt eine andere Dimension mit“, betont der Wissenschaftler: Auch die „Selbstvergessenheit“ bei gleichzeitiger Geborgenheit in der klangvollen Gemeinschaft sei für die Sänger wichtig.

Ein Musikstück hat es Lück in diesem Zusammenhang besonders angetan. „Das geht einem nie wieder aus dem Kopf“, sagt der Theologe – und meint „You´ll Never Walk Alone“ („Du wirst nie mehr allein sein“). „Dieses Lied passt in alle Lebenslagen“, betont er.

Die in Liverpool und Dortmund verehrte Fußballhymne – einst ein Song aus dem 1945 uraufgeführten Musical „Carousel“ von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein – wurde in der Version von „Gerry & The Pacemakers“ 1963 weltberühmt, später auch von Sänger Dr. Ring Ding aus Münster modern intoniert. Am 20. März spielten auf Anregung eines niederländischen Moderators Radiosender in ganz Europa den musikalischen Mutmacher um 8.45 Uhr.

Und was macht gerade diesen Oldie so massen- und krisentauglich? Lück hat da eine „ungeprüfte Hypothese“: „You´ll Never Walk Alone“ ist für ihn ein Lied „ohne Sieger und Verlierer“. Es bezieht sich nicht auf einen bestimmten Verein, alle Gruppen können es gemeinsam singen. Inzwischen wurde die Hymne in ein evangelisches Gesangbuch aufgenommen.

Christhard Lück, der seit einiger Zeit an einer Studie über die kirchlichen und weltlichen Beziehungen von Stadiongesängen schreibt, bietet die aktuelle Situation neues Material. „Das könnte ein weiteres Kapitel sein“, betont der Albachtener.

Bliebe noch zu klären, warum „You´ll Never Walk Alone“ und all die anderen Corona-Hits immer so gerne abends gesungen werden. Schließlich verschafft die Quarantäne ja ganztägig Möglichkeiten für klangvolle Freizeitgestaltung. Lück, der in diesen Zeiten durchaus für eine Balance zwischen zwischen stiller Erholung und gemeinsamer Klangfülle plädiert, kommt zu einer überraschenden Antwort:

Bis zum Mittelalter sei im Christentum der Abend der Tagesanfang gewesen. „Der Tag beginnt mit dem Abend“, findet Lück noch heute. Dann ließe sich auch viel entspannter Singen als in der morgendlichen Hektik.Bliebe noch zu klären, warum „You´ll Never Walk Alone“ und all die anderen Corona-Hits immer so gerne abends gesungen werden. Schließlich verschafft die Quarantäne ja ganztägig Möglichkeiten für klangvolle Freizeitgestaltung. Lück, der in diesen Zeiten durchaus für eine Balance zwischen zwischen stiller Erholung und gemeinsamer Klangfülle plädiert, kommt zu einer überraschenden Antwort: Bis zum Mittelalter sei im Christentum der Abend der Tagesanfang gewesen und im Judentum ist er es bis heute. „Bekanntlich beginnt der Schabbat, der wichtigste Feiertag im Judentum, am Freitagabend und endet am Samstagabend“, betont Lück. Zudem deuteten Studien darauf hin, dass diese Auffassung noch viel älter sein könnte. „Der Tag beginnt mit dem Abend“, findet der Wissenschaftler daher noch heute. Dann ließe sich auch viel entspannter Singen als in morgendlicher Hektik.

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