Aasee soll geschützt werden
Kein Windrad am Autobahnkreuz

Münster-Albachten -

Am Rande Albachtens möchte eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts eine Bürgerwindkraftanlage errichten, doch die Stadt sträubt sich dagegen.

Samstag, 18.04.2020, 00:10 Uhr aktualisiert: 18.04.2020, 15:37 Uhr
Aasee soll geschützt werden: Kein Windrad am Autobahnkreuz
Diese Karte zeigt, wo die Bürgerwindkraftanlage entstehen könnte. Foto: wn

In Zeiten des Klimawandels gilt Windkraft aus Sicht vieler Experten als eine tragende Säule der Energiewende. Auch auf münsterischem Terrain gibt es deshalb schon seit längerer Zeit Windräder. Die Landwirte Bernhard Brirup und Franz-Josef Schulte Eppendorf haben es sich mit ihrer GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) zum Ziel gesetzt, mit Unterstützung durch die münsterische BBWind Projektberatungsgesellschaft auf einer Ackerfläche nahe des Autobahnkreuzes Münster-Süd eine Bürgerwindkraftanlage zur Energieerzeugung aufzubauen. Doch damit stoßen sie bei der Stadt Münster auf ablehnende Haltung.

Brirup und Schulte Eppendorf als Flächeneigentümer haben Oberbürgermeister Markus Lewe bereits einen offenen Brief geschrieben. In diesem weisen sie das Stadtoberhaupt darauf hin, dass sie mittels Windenergie den Klimaschutz in Münster stärken wollen. Im Bereich der erneuerbaren Stromerzeugung sei Windenergie „die wichtigste Ressource, die Münster zu bieten hat“.

Trotz intensiver Bemühungen sei der von ihnen ins Auge gefasste Windenergie-Standort am Rande Albachtens bei der Änderung des Flächennutzungsplans im Jahr 2016 nicht berücksichtigt worden. Und dies, obwohl er laut städtischer Flächenanalyse objektiv dafür geeignet sei. Er sei aus Gründen des Landschaftsschutzes abgelehnt worden. Dies mit der Begründung, dass der Standort direkt am Autobahnkreuz – bedingt durch die A 1 und die A 43, eine mehrgleisige Bahnstrecke und eine Hochspannungsleitung – infrastrukturell vorbelastet sei. Außerdem sei angeführt worden, dass die Sichtachse des Aasees gestört werde, heißt es im Schreiben an Markus Lewe.

Offene Diskussion

Als lokale Bürgerwindgesellschaft wolle man zusammen mit BBWind eine Windkraftanlage errichten, die jährlich rund „zehn Millionen Kilowattstunden sauberen Grünstroms“ erzeugen und damit etwa 2600 Privathaushalte versorgen könne, legen Brirup und Schulte Eppendorf dar. Sie bitten den Oberbürgermeister um eine „offene und lösungsorientierte Diskussion“. Es könne nicht sein, „dass in diesen Zeiten wertvolle Potenziale ungenutzt liegen gelassen werden“. Darüber hinaus kündigen sie an, dass ein Teil der Umsatzerlöse der Bürgerwindanlage für eine ökologische Aufwertung des Aaseegewässers und dessen Funktion als Naherholungsgebiet zu spenden.

Antwort von Markus Lewe haben die potenziellen Windkraftbetreiber bereits erhalten: In dem Brief erneuert der OB die ablehnende städtische Haltung. Die vorgeschlagene Fläche im Landschaftsschutzgebiet könne zwar per Befreiung vom dortigen Bauverbot mit einem Windrad bestückt werden. Gleichwohl habe sich die Stadt auf die Fahnen geschrieben, sämtliche Schutzgebiete von derartigen Anlagen freizuhalten.

Neue Landmarke

Darüber hinaus weist Lewe darauf hin, dass der gesamte Aaseebereich ein hochfrequentiertes Naherholungsgebiet sei. Wenn am ins Auge gefassten Projektstandort ein 150 oder gar 200 Meter hohes Windrad installiert werde, dann werde dieses genau in der Blickachse des Aasees liegen und am Horizont als neue Landmarke erscheinen. Das sei nicht zuletzt auch aufgrund des vom Rat bereits 2011 beschlossenen Aasee-Leitbilds unerwünscht. Zudem hebt der OB hervor, dass sich die dank der Änderung des Flächennutzungsplans im Jahr 2016 geschaffene Möglichkeit, Konzentrationszonen für Windenergieanlagen raumverträglich steuern zu können, durchaus bewährt habe.

Kai Solinski, bei BBWind für die Projektentwicklung zuständig, macht keinen Hehl daraus, dass er von der Nachricht des Oberbürgermeisters enttäuscht ist. Aus seiner Sicht sei es „eine haarsträubende Begründung“, wenn behauptet werde, dass ein mehr als sechs Kilometer vom Aasee entferntes Windrad, die Sichtachse des Aasee-Terrains stören würde: „Hier wird wertvolles Potenzial für die Energiewende mit fragwürdigem Kirchturmdenken verschenkt“, ärgert sich der Geograf. Was sei denn dann zum LVM-Hochhaus am Koldering zu sagen? „Wir hoffen, dass die Diskussion um weitere Windenergiestandorte in Münster vor dem Hintergrund der Klimadebatte eine neue Dynamik entfaltet.“

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