Bezirksvertretung diskutiert über Neubau des Albachtener Feuerwehrhauses
Alter Friedhof soll Standort werden

Münster-Albachten -

Die Diskussion war intensiv und zeitaufwendig: Die BV West plädiert dafür, dem Feuerwehr-Löschzug Albachten an der Dülmener Straße ein neues Domizil zu bauen.

Freitag, 08.05.2020, 19:50 Uhr aktualisiert: 13.05.2020, 17:24 Uhr
Etliche Albachtener – darunter Vertreter des Feuerwehr-Löschzugs und Angehörige der Initiative gegen die Friedhofsbebauung – wohnten im Rathaus-Festsaal der Sitzung der Bezirksvertretung Münster-West bei.
Etliche Albachtener – darunter Vertreter des Feuerwehr-Löschzugs und Angehörige der Initiative gegen die Friedhofsbebauung – wohnten im Rathaus-Festsaal der Sitzung der Bezirksvertretung Münster-West bei. Foto: sch

Geht es nach dem Votum der Bezirksvertretung West, dann wird das geplante neue Albachtener Feuerwehrhaus auf einem Teilbereich des alten Friedhofs an der Dülmener Straße gebaut. Einbezogen werden ins Neubauprojekt soll zudem das östlich angrenzende unbebaute Nachbargrundstück. Allerdings ist das letzte Wort noch nicht gesprochen: Zwei Ausschüsse werden sich in der kommenden Woche mit den Thema befassen, bis am Mittwoch (13. Mai) der Rat der Stadt Münster die endgültige Entscheidung treffen soll.

Fast anderthalb Stunden nahm bei der Sitzung der BV West am Donnerstagabend im Rathaus-Festsaal die intensive Diskussion um den künftigen Standort des Feuerwehrhauses ein. Bekanntlich ist in Albachten heftig umstritten, ob der Neubau auf dem alten Friedhof (so möchte es der Feuerwehr-Löschzug) gebaut werden kann. Oder ob er nach den Vorstellungen der Stadtverwaltung nahe der Weseler Straße im künftigen Baugebiet Albachten-Ost angesiedelt werden soll.

Gleich zum Auftakt der Diskussion stellte CDU-Chef Peter Wolfgarten klar, dass seine Fraktion den entwidmeten alten Friedhof aus Pietätsgründen auf keinen Fall für den Bau des Feuerwehrhauses opfern wolle: „Eine Bebauung ist für uns unvorstellbar.“ Gerne hätten die Christdemokraten das Feuerwehrhaus allein auf dem Nachbargrundstück angesiedelt gesehen. Doch dafür hätte unter anderem eine Tiefgarage gebaut werden müssen, was aus Sicht der anderen Fraktionen sowie nach Darlegung von Berufsfeuerwehr-Chef Gottfried Wingler-Scholz den Kostenrahmen unverhältnismäßig gesprengt hätte. Außerdem würde dies der Einrichtung eines vierten Fahrzeugstellplatzes für die Wehr im Wege stehen, hieß es.

Im Rahmen der Diskussion wies Kai Bleker von den Grünen darauf hin, dass der alte Friedhof bis vor Kurzem nicht mehr als eine „verwilderte Wiese“ gewesen sei, und seinem Erhalt augenscheinlich eine zu hohe Bedeutung beigemessen werde.

SPD-Bezirksvertreter Udo Junge wiederum vertrat die Ansicht, dass offiziell nur noch wenige Grabstätten vorhanden seien, die von einer partiellen Friedhofsbebauung betroffen würden. Seines Wissens nach seien dies nur noch zwei. Diese könnten umgebettet werden. Wichtig sei, dass mit den Relikten der Verstorbenen „anständig umgegangen“ werde.

All dem hielt Christdemokrat Wolfgarten entgegen, dass im Laufe der vergangenen 150 Jahre rund 1200 Albachtener auf dem alten Friedhof beigesetzt worden seien. Seine Fraktion spreche sich gegen eine Störung der Totenruhe aus, stellte der CDU-Chef klar.

Während Wolfgarten und seine Fraktionskollegen sich für den von der Stadtverwaltung vorgeschlagenen Standort im Baugebiet Albachten-Ost aussprachen, votierten SPD, Grüne und FDP – und damit eine Einstimmen-Mehrheit – fürs Friedhofsareal an der Dülmener Straße. Eigentlich sind die Grünen Bündnispartner der Christdemokraten. Gemäß eines von der SPD in die Beratung eingebrachten Änderungsantrags sollen zirka zwei Drittel des Geländes sowie das Nachbargrundstück für die Errichtung des Feuerwehrgerätehauses genutzt werden. Damit werde den Wünschen und Erfordernissen der Freiwilligen Feuerwehr und dem Wunsch eines Großteils der Albachtener Bevölkerung Rechnung getragen, hieß es. Aus Gründen der Pietät solle der Westteil des alten Friedhofs jedoch erhalten bleiben.

Es gehe darum, der Wehr bei Brand- und Hilfeleistungseinsätzen optimale Anrückzeiten zu ermöglichen, heißt es im mehrheitlich beschlossenen Änderungsantrag. Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine (SPD) wies zudem darauf hin, dass man im Hinblick auf das dringend notwendige Feuerwehrhaus seit dem Jahr 2017 „im luftleeren Raum herumgehampelt“ habe. Das sei sowohl für den Löschzug als auch für die Hinterbliebenen auf dem Friedhof Beigesetzter eine Zumutung gewesen. Es sei an der Zeit gewesen, eine Entscheidung zu treffen, auch wenn diese nicht jeden glücklich machen werde: „Es geht vor allem um Sicherheitsaspekte, um die Menschen, die in Albachten leben.“

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