Vor 80 Jahren wurde Albachten von einem Luftangriff heimgesucht
Vier Albachtener ließen ihr Leben

Münster-Albachten -

Manch einer wird es gar nicht wissen: Im Zuge des Zweiten Weltkriegs fiel auch auf Albachten eine Bombe. Darüber gibt es einen Zeitzeugenbericht.

Dienstag, 30.06.2020, 23:32 Uhr aktualisiert: 07.07.2020, 18:08 Uhr
Der Leichenzug war groß, als die vier Albachtener Bombenopfer vom 1. Juli 1940 zu Grabe getragen wurden. Ein zweiter Leichenwagen wurde dafür eigens in Roxel ausgeliehen.
Der Leichenzug war groß, als die vier Albachtener Bombenopfer vom 1. Juli 1940 zu Grabe getragen wurden. Ein zweiter Leichenwagen wurde dafür eigens in Roxel ausgeliehen.

Im Zuge des Zweiten Weltkriegs fielen nicht nur auf die münsterische Innenstadt Bomben, sondern auch auf Albachten. Am 1. Juli 1940 – also heute vor 80 Jahren – wurde das damals eigenständige Dorf vor den Toren Münsters von britischen Bombern heimgesucht. Vier Bürger des heutigen münsterischen Stadtteils fielen dem Angriff zum Opfer. Es gibt einen Zeitzeugenbericht aus der damaligen Zeit. In diesem erinnert sich Josef Pöppelmann an den tragischen Luftangriff.

Eine Enkelin des Ende 2018 im Alter von 92 Jahren verstorbenen Albachteners zeichnete den Bericht im Januar 2013 auf. Pöppelmann schilderte ihr, was geschah, als damals Agnes Pöppelmann , Maria Bruns sowie ihre Kinder Heinrich und Marlies Opfer einer Fliegerbombe wurden.

„In den ersten Monaten des Krieges bekamen die Einwohner von Albachten wenig vom Kriegsgeschehen mit. Das änderte sich im Sommer 1940. Am 1. Juli fanden britische Luftangriffe auf die Stadt Münster statt. Die angreifenden Flugzeuge sollten durch eine Flakstellung am Hof Nordhoff in Albachten mithilfe von Scheinwerferlicht aufgespürt und irritiert sowie durch in Gievenbeck stationierte Artillerie-Geschütze abgewehrt werden. Eines der Flugzeuge ließ eine der wahrscheinlich eigentlich für die Stadt Münster bestimmten Bomben bereits in Albachten fallen – vermutlich weil es durch die Flakstellung gestört worden war. Diese Bombe traf das Haus der Familie Bruns, zu der auch meine Tante gehörte. Zum Zeitpunkt des Einschlags um zirka zwei Uhr nachts hatten sich einige der Hausbewohner – meine Tante, ihre Schwiegereltern und meine 14-jährige Schwester Agnes, die zu der Zeit ihr Pflichtjahr als Hausmädchen im Hause Bruns absolvierte – im Wohnzimmer versammelt. Der Lärm der Artillerie-Geschütze hatte sie aus dem Schlaf gerissen. Der Hausherr, der zunächst im Bett geblieben war, wurde erst durch die Explosion der Bombe aufgeschreckt. Sofort lief er ins Wohnzimmer, welches er fast vollständig zerstört vorfand. Während die Großeltern nur leichte Verletzungen davongetragen hatten, kam für seine Frau jede Hilfe zu spät. Auch Agnes war schwer verletzt worden und krümmte sich vor Schmerzen. Schnell wurden mein Vater und der Gastwirt Lepper, einer der wenigen Albachtener, die ein Auto besaßen, informiert, um Agnes in ein Krankenhaus zu bringen. Leider waren ihre Verletzungen so gravierend, dass sie es nicht mehr bis in eine Klinik geschafft hat. Agnes starb im Auto in den Armen meines Vaters. Auch zwei der Kinder des Ehepaars Bruns wurden kurz darauf tot in ihren Betten aufgefunden.“ So lauten die Erinnerungen, die Zeitzeuge Josef Pöppelmann der Nachwelt hinterließ.

Die Bombe der britischen Flieger fiel auf das Haus Oberort 26, von dem in Teilen nur noch Trümmer übrig blieben. Es sah verheerend aus. Der Leichenzug war groß, als einige Tage später die vier Bombenopfer auf dem alten Albachtener Friedhof beigesetzt wurden. Dafür wurde sogar ein zweiter Leichenwagen aus Roxel ausgeliehen.

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