Feuerwehrhaus Albachten: Politik und Bezirksregierung beziehen Stellung
Sind auch Zivilgräber vorhanden?

Münster-Albachten -

Dem geplanten Neubau des Albachtener Feuerwehrhauses sollen keine Kriegsgräber zum Opfer fallen, versichern die Beteiligten. Doch gibt es weitere Grabstätten, die ebenfalls erhalten bleiben müssen?

Mittwoch, 01.07.2020, 22:12 Uhr aktualisiert: 07.07.2020, 18:08 Uhr
Blick auf die Kriegsgräber am Westrand des Albachtener Friedhofs, die beim Bau des neuen Feuerwehrhauses bestehen bleiben sollen. Die Bezirksregierung will von der Stadt jedoch geprüft wissen, ob es auch Gräber von Zivilpersonen gibt, die erhalten bleiben müssen.
Blick auf die Kriegsgräber am Westrand des Albachtener Friedhofs, die beim Bau des neuen Feuerwehrhauses bestehen bleiben sollen. Die Bezirksregierung will von der Stadt jedoch geprüft wissen, ob es auch Gräber von Zivilpersonen gibt, die erhalten bleiben müssen.

Nicht nur bei der SPD sondern auch beim Albachtener CDU-Ratsherrn Sven Gotthal und der münsterischen FDP hat die Pressemitteilung von Dorothee Feller zum Standort- und Errichtungsbeschluss des Rats der Stadt Münster fürs neue Albachtener Feuerwehrhaus für Verwunderung und Unverständnis gesorgt. Die Regierungspräsidentin hatte darin – wie berichtet – die Befürchtung zum Ausdruck gebracht, dass dem Neubau Kriegsgräber geopfert werden sollten.

„Niemand will die geschützten Gräber auf dem alten Friedhof an der Dülmener Straße überbauen.“ Deshalb sei auch ein Kompromiss gefunden worden, der ihren Erhalt und nur eine Teilbebauung des Friedhofgeländes vorsehe, sagt Sven Gotthal. Er wundere sich, „vor welchen Karren“ sich Dorothee Feller habe spannen lassen. Zumal die Kriegsgräber als Gedenkstätte erhalten bleiben sollten, und Mitglieder des Albachtener Löschzugs der Freiwilligen Feuerwehr zugesagt hätten, die Kriegsgräber dauerhaft ehrenamtlich zu pflegen, so der CDU-Ratsherr.

„Nicht nur die Regierungspräsidentin wundert sich, auch die FDP-Fraktion ist angesichts der Reaktion von Dorothee Feller auf den getroffenen Ratsbeschluss zum Standort Friedhof für das Albachtener Feuerwehrhaus mehr als verwundert“, heißt es in einer Mitteilung von FDP-Fraktions-Chef Jörg Berens. Er halte es „für nicht angemessen, dass nur wenige Tage nach der Mehrheitsentscheidung von Seiten der Bezirksregierung Vorbehalte geäußert und sogar indirekt inhaltliche Neuausrichtungen gefordert werden“. Wenn die Regierungspräsidentin rechtliche Bedenken gegen den Standort des Albachtener Feuerwehrhauses und den Ratsentscheid habe, stünden ihr „alle Mittel der Kontrollbehörde“ zur Verfügung. Er wünsche sich, so Berens weiter, vor allem „Respekt für den Beschluss des Rates“.

Auf Anfrage unserer Zeitung bezog Ulrich Tückmantel, Sprecher der Bezirksregierung, zur Pressemitteilung der Regierungspräsidentin Stellung: Als Bezirksvorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge habe Dorothee Feller rein vorsorglich darauf hinweisen wollen, dass Kriegsgräber gemäß des „Gesetzes über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ im Regelfall nicht beseitigt werden dürften. Dies gelte nicht nur für Soldatengräber sondern auch für Grabstätten von Zivilpersonen, die im Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommen seien.

Zur weiteren Planung und möglichen Umsetzung des Ratsbeschlusses sei es nun Aufgabe und Pflicht der Stadt Münster, zu prüfen, ob und wie viele solcher Gräber auf dem alten Friedhof vorhanden und im Falle des Falles von einem Neubau des Feuerwehrhauses betroffen seien. Das sei beim weiteren Vorgehen zu berücksichtigen und der Bezirksregierung mitzuteilen. Aktuelle Pläne der Stadt seien ihr bislang noch nicht bekannt.

Kriegs- und vom Krieg betroffene Zivilgräber müssten grundsätzlich bestehen bleiben, Ausnahmen seien nur unter engen Voraussetzungen möglich. In jedem Fall, so Tückmantel weiter, bedürfe es einer Zustimmung der Bezirksregierung als zuständige Landesbehörde.

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