„Alter Friedhof Albachten / Neubau Feuerwehrhaus“: Debatte geht weiter
Wo lag das Gemeinschaftsgrab?

Münster-Albachten -

Bevor das neue Albachtener Feuerwehrhaus gebaut werden kann, muss geklärt werden, ob es auf dem vorgesehenen Areal auf dem alten Friedhof eine Grabstätte gibt, die dem Projekt im Wege steht.

Freitag, 03.07.2020, 23:40 Uhr

Wer geglaubt oder gehofft hatte, die Diskussion um den Bau des neuen Albachtener Feuerwehrhauses auf dem alten Friedhof an der Dülmener Straße sei nach dem jüngsten Ratsentscheid beendet, der dürfte enttäuscht sein – sie geht weiter: Die Bürgergemeinschaft „Alter Friedhof Albachten“ weist in einer Pressemitteilung darauf hin, dass es auf dem ins Auge gefassten Projektareal ein Zivilopfer-Gemeinschaftsgrab gibt, das nicht beseitigt werden dürfe. Das könnte den Bau des Feuerwehrhauses verhindern. Allerdings gibt es auch anderslautende Informationen.

Nach Angaben der Bürgergemeinschaft befindet sich auf dem für den Neubau vorgesehenen Teilgelände des Friedhofs die Grabstätte von Agnes Pöppelmann sowie Maria, Marlies und Heinrich Bruns, die am 1. Juli 1940 in Albachten Opfer eines Luftangriffs wurden. Gemäß Stadtarchiv handele es sich dabei um ein Kriegsgrab mit der Bezeichnung „Gemeinschaftsgrab-Zivilopfer“, das laut Gräbergesetz den Schutz des „ewigen Ruherechts“ genieße.

Ihrer Mitteilung beigefügt hat die Bürgergemeinschaft eine Planskizze, die den Standort des Zivilopfer-Grabs aufzeigt. Daraus gehe „unzweifelhaft“ hervor, dass dieses vom Bau des Feuerwehrhauses betroffen sei. Kriegs- und vom Krieg betroffene Zivilgräber müssten jedoch, wie die Bezirksregierung bereits mitgeteilt habe, grundsätzlich bestehen bleiben. „Verlegungen sind nur unter engen Voraussetzungen möglich“, heißt es weiter.

Die von der Albachtener Feuerwehr und ihren Unterstützern sowie den münsterischen Parteispitzen von SPD, Grünen und FDP getätigten Behauptungen, dass beim Bau des geplanten Feuerwehrhauses kein Kriegsopfergrab auf dem alten Friedhof erfasst würde, entspreche „eindeutig und nachweisbar nicht den Tatsachen“ und werde von ihr „nur mit allerhöchstem Befremden“ zur Kenntnis genommen, schreibt die Bürgergemeinschaft. Sie geht davon aus, dass seitens der Bezirksregierung eingehende Überprüfungen vorgenommen und deren Ergebnisse baldigst der Öffentlichkeit mitgeteilt werden.

Derartige Recherchen wird in erster Linie allerdings wohl die Stadt Münster anstellen müssen, um den geplanten Bau des neuen Feuerwehrhauses umsetzen zu können. Schließlich muss zweifelsfrei geklärt werden, ob die zivilen Albachtener Weltkriegsopfer vor 80 Jahren auch tatsächlich dort bestattet wurden, wo dies nach Informationen der Bürgergemeinschaft der Fall gewesen sein soll und wo sich derzeit auch eine Grabtafel befindet.

Wie unsere Zeitung von einer älteren Albachtenerin erfuhr, soll sich das Grab der vier Kriegsopfer gar nicht auf dem Teil des Friedhofs befunden haben, den die Bürgergemeinschaft angibt. Es habe sich damals rechts neben dem Friedhofseingang – also dort, wo gar nicht gebaut werden solle – befunden. Als Schülerin sei sie im Rahmen des Heimatunterrichts wiederholt an dem Grab gewesen. Darüber hinaus handele es sich bei der Tafel mit dem Namen der Kriegsopfer, die man auf dem Friedhof vorfinde, um einen Gedenkstein und keinen Grabstein. Der Gedenkstein sei zu einem späteren Zeitpunkt von der Kirchengemeinde aufgestellt worden. Und das ursprüngliche Grab sei jahrelang gar nicht mehr gepflegt worden, versichert die Albachtenerin. Ihr Ehemann pflichtet ihr bei.

Dr. Stephan Kronenburg, Sprecher des Bistums Münster, konnte kurzfristig keine Angaben dazu machen, ob es Dokumente darüber gibt, wo genau die zivilen Kriegsopfer im Jahre 1940 auf dem alten Friedhof beigesetzt wurden. Es könne sein, dass dies in den Pfarrbüchern der Albachtener St.-Ludgerus-Gemeinde vermerkt worden sei. Seitens der Pfarrei St. Liudger waren dazu am Freitag keine Informationen zu bekommen. Pfarrer Timo Weissenberg sei in Urlaub, hieß es. Und Verwaltungs-Chef Herbert Wilde verweigerte unserer Zeitung zum Thema jegliche Aussage: „Dazu sage ich nichts.“

Das städtische Presseamt, so Mitarbeiterin Sigrid Howest, will in der kommenden Woche Rückmeldung dazu erstatten, ob es genaue Informationen zu der Grabstätte auf dem alten Albachtener Friedhof gibt.

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