Diskussion um den alten Friedhof und das Feuerwehrhaus in Albachten
„Zivilopfergrab hat kein Ruherecht“

Münster-Albachten -

Es sieht danach aus, als sollte das Gemeinschaftsgrab der zivilen Albachtener Weltkriegsopfer dem geplanten Bau des neuen Feuerwehrhauses auf dem stillgelegten alten Friedhof nicht im Wege stehen: Es ist nicht in der Kriegsgräberliste zu finden.

Mittwoch, 08.07.2020, 23:35 Uhr

Im Hinblick auf die Frage, ob das Gemeinschaftsgrab von vier Zivilopfern des Zweiten Weltkriegs auf dem alten Friedhof an der Dülmener Straße den Bau des neuen Albachtener Feuerwehrhauses verhindern könnte, gibt es neue Erkenntnisse: Es sieht danach aus, als sollte dies nicht der Fall sein. Außerdem soll sich das Grab an der Stelle befinden, an der es die Bürgergemeinschaft „Alter Friedhof Albachten“ seit jeher angesiedelt wissen will.

Nach Recherchen von Sigrid Howest , Mitarbeiterin des städtischen Presseamts, gibt es auf dem alten kirchlichen Friedhof ein Gemeinschaftskriegsgrab, in dem neun Soldaten beigesetzt wurden sowie zwei einzelne Soldatengräber. Für diese besteht laut Kriegsgräbergesetz ein dauerhaftes Ruherecht. Zudem genießen sie Pflege durch die Stadt Münster. Die Grabstätten sind auch in den mehrfach überarbeiteten Kriegsgräberlisten zu finden, die es in den Akten des münsterischen Stadtarchivs gibt. Nicht vermerkt ist dort jedoch das Gemeinschaftsgrab, in dem die zivilen Albachtener Weltkriegsopfer Agnes Pöppelmann sowie Maria Bruns und ihre Kinder Heinrich und Marlies bestattet wurden. Um dauerhaftes Ruherecht zu genießen, hätte das Zivilopfergrab bis zum Jahr 1969 in die Kriegsgräberliste aufgenommen werden müssen.

„Warum die zivilen vier Kriegsopfer nicht zur Aufnahme in die Kriegsgräberliste gemeldet wurden, lässt sich nicht mehr nachvollziehen“, berichtet Sigrid Howest. In anderen Fällen sei dies bei kirchlichen Friedhöfen beispielsweise durch den jeweiligen Pfarrer geschehen – was in Albachten offenbar aber nicht geschehen ist. Und deshalb sieht es danach aus, dass das Zivilopfergrab nicht zwangsläufig schützenswert ist: „Da die vier Zivilopfer im Gemeinschaftsgrab Bruns / Pöppelmann nicht in der Kriegsgräberliste erfasst sind, handelt es sich nach dem Kriegsgräbergesetz nicht um ein Kriegsgrab“, stellt die Mitarbeiterin des städtischen Presseamts nach Austausch mit Fachleuten klar. Gemäß Kriegsgräbergesetz genieße die Grabstätte somit „kein dauerhaftes Ruherecht“.

Sigrid Howests Erkenntnissen zufolge müsste der geplante Neubau des Albachtener Feuerwehrhauses nicht zwangsläufig an einer Umbettung beziehungsweise Überbauung des Zivilopfergrabs scheitern. Zumal es bislang strittig ist, ob dieses seit dem Jahr 1940 tatsächlich an der Stelle liegt, an der es derzeit vorzufinden ist. Im Stadtarchiv gebe es keinen Belegungsplan des alten kirchlichen Friedhofs. Deshalb könne „momentan die exakte Lage des Gemeinschaftsgrabs der vier zivilen Kriegsopfer nicht ermittelt werden“, erläutert Howest.

Auch Dr. Stephan Kronenburg, Leiter der Bischöflichen Pressestelle, kann derzeit keine verbindliche Auskunft darüber geben, wo genau die vier Albachtener Weltkriegsopfer seinerzeit beigesetzt wurden. „Wir recherchieren derzeit, ob sich im Bistumsarchiv Pläne des alten Friedhofs befinden“, ließ er auf Anfrage wissen.

Zwischenzeitlich hat sich ein Angehöriger der Familie Bruns mit einem Leserbrief zu Wort gemeldet. In dem Schreiben verbürgt sich Aloys Bruns dafür, dass sich das Zivilopfergrab stets an der Stelle befand, an der auch „heute noch die Gedenkplatte liegt“. Dies könne er im Namen seiner Familie mit Bestimmtheit sagen.

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