Diskussion um den alten Friedhof in Albachten
Die Soldatengräber sind geschützt

Münster-Albachten -

Münsters Regierungspräsidentin Dorothee Feller hat zur Diskussion um die Zukunft des alten Friedhofs an der Dülmener Straße in Albachten Stellung bezogen.

Montag, 20.07.2020, 23:12 Uhr aktualisiert: 20.07.2020, 23:20 Uhr
Der Erhalt der Soldatengräber auf dem alten Albachtener Friedhof ist nach Angaben der Bezirksregierung gesichert.
Der Erhalt der Soldatengräber auf dem alten Albachtener Friedhof ist nach Angaben der Bezirksregierung gesichert. Foto: sch

Vor dem Hintergrund der Diskussion um die Zukunft des alten Friedhofs an der Dülmener Straße in Albachten, auf dem – wie berichtet – unter anderem Kriegsgräber von zivilen Opfern des Zweiten Weltkriegs überbaut werden sollen, hat Dorothee Feller in den vergangenen Tagen zahlreiche Gespräche mit Beteiligten geführt. Die Regierungspräsidentin plädiert für eine deutliche Stärkung der öffentlichen Erinnerungskultur und bringt zudem Mediationsgespräche ins Spiel.

„Im Ergebnis ist es bedauerlich, dass nicht mit allen Betroffenen frühzeitig und konsequent ein professionelles Mediationsverfahren unter Einbindung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge durchgeführt wurde. Auch zum jetzigen Zeitpunkt kann ein solches Verfahren ein geeignetes Mittel sein, um wieder Ruhe und Sachlichkeit in die Diskussion vor Ort zu bringen“, so Feller mit Blick auf die seit Monaten andauernde Diskussion um eine Teilbebauung des alten Albachtener Friedhofs.

„Als Regierungspräsidentin ist Dorothee Feller Bezirksvorsitzende des Volksbundes. Der Volksbund bewahrt das Gedenken an die Kriegstoten beider Weltkriege. Kriegsgräber konfrontieren die Lebenden mit den Folgen von Krieg und Gewalt. Der Volksbund engagiert sich für friedenspolitische Projekte in ganz Europa, an denen jährlich rund 20 000 Jugendliche teilnehmen“, heißt es in einer Mitteilung der Bezirksregierung. Der Volksbund werde von der Bundeswehr und dem Reservistenverband unterstützt und richte jährlich im November den Volkstrauertag aus. Schirmherr des Volksbunds sei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Der Rat der Stadt Münster hatte im Juni mit Mehrheit beschlossen, Teile des Friedhofs in Münster-Albachten zu überbauen. „Die dortigen Gräber der zivilen Kriegs-Opfer sind Kriegsgräber im Sinne des Gräbergesetzes. Sie fallen jedoch nicht unter den gesetzlichen Schutz der ,ewigen Ruhe‘, da sie Ende der 60er-Jahre nicht in entsprechende Kriegsgräber-Listen aufgenommen wurden“, stellt die Bezirksregierung klar.

Bezüglich der Soldatengräber weist die Regierungspräsidentin daraufhin, dass nicht nur deren Erhalt durch das Gräbergesetz gesichert sei, sondern auch der Ort würdevoll gestaltet sein müsse. Als Folge aus der Diskussion um eine mögliche Bebauung des alten Friedhofs wünscht sich Dorothee Feller eine deutliche Stärkung der öffentlichen Erinnerungskultur: „In Zeiten, in denen in vielen Staaten der Nationalismus wieder erstarkt und wir uns erschreckenden Wellen von Rassismus und Antisemitismus gegenüber sehen, sollten wir die aktuelle Debatte zum Anlass nehmen, dem öffentlichen Erinnern an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft mehr Wert beizumessen“, meint die Regierungspräsidentin.

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