Bezirksvertretung Münster-West: Sozialdemokraten verlieren zwei Sitze
Enttäuschte SPD – begeisterte Grüne

Münster-West -

Wenn sich die Bezirksvertretung West im November zu ihrer konstituierenden Sitzung trifft, dann wird es bei der Verteilung der Sitze Verschiebungen geben: Während die CDU einen und die SPD gar zwei Sitze verliert, ist die Grünen-Fraktion auf sechs Sitze angewachsen.

Montag, 14.09.2020, 17:41 Uhr aktualisiert: 15.09.2020, 17:50 Uhr
Am 12. November wird die Bezirksvertretung Münster-West erstmals tagen: im Albachtener „Haus der Begegnung“.
Am 12. November wird die Bezirksvertretung Münster-West erstmals tagen: im Albachtener „Haus der Begegnung“. Foto: spe

Die kommunalpolitische Landschaft in Münster ist weiter im Wandel. Auch im Stadtbezirk West zeichnet sich dies nach der Kommunalwahl 2020 mehr oder minder deutlich ab: CDU und SPD mussten Rückschläge einstecken, während die Grünen im Aufwind sind und möglicherweise sogar den Bezirksbürgermeister beziehungsweise die Bezirksbürgermeisterin stellen könnten.

Die Christdemokraten, bislang mit acht Sitzen in der Bezirksvertretung (BV) West vertreten, büßten bei der Wahl einen ihrer Stühle ein, schicken somit noch sieben Vertreter ins Gremium. Schlimmer kam es für die Sozialdemokraten, die in den kommenden fünf Jahren nur noch drei statt fünf Mitglieder im Stadtbezirksparlament haben. Während FDP und Die Linke unverändert mit einem Sitz in der BV West vertreten sind, zieht die pro-europäische Bürgerpartei Volt als Neuling erstmals ins Gremium ein.

Was sich schon bei der Kommunalwahl 2014 abzeichnete, setzt sich fort: Waren in der Geschichte der Bezirksvertretung Münster-West bis dahin stets bürgerliche CDU- beziehungsweise CDU / FDP-Mehrheiten an der Tagesordnung, so ist es damit auch weiterhin vorbei: Ziehen sie an einem Strang, dann haben Grüne, SPD und Die Linke im 19-köpfigen Gremium auch erneut das mehrheitliche Sagen, und dies obwohl die Sozialdemokraten nur noch als Trio mit von der Partie sind.

Der Blick auf die prozentuale kommunale Wählergunst in Münsters Westen sieht folgendermaßen aus: Bei einer Wahlbeteiligung von 62,86 Prozent blieben die Christdemokraten stärkste Kraft der Bezirksvertretung. Sie konnten 34,61 Prozent (10 211 Stimmen) erringen. Zweitstärkste Kraft sind mit 29,79 Prozent (8788 Stimmen) nun die Grünen, während es die SPD nur noch auf 17,39 Prozent (5130 Stimmen) bringt. Auf die FDP entfielen 4,98 Prozent (1470 Stimmen), auf Die Linke 4,04 Prozent (1191 Stimmen) und auf Volt 2,76 Prozent (815 Stimmen).

Auffällig ist, das die Grünen, die bei der Kommunalwahl 2014 bereits 18,4 Prozent der Stimmen auf sich vereinten, mehr als elf Prozent zulegen konnten, somit deutlich im Aufwind sind. Demgegenüber haben die Sozialdemokraten, die damals 27,3 Prozent errungen hatten, nun knapp zehn Prozent der Wählerschaft verloren. Und die CDU, die 2014 noch 38,8 Prozent der Stimmen erhalten hatte, büßte bei der Wahl 2020 mehr als vier Prozent ein.

Von den nach Angaben der Stadt insgesamt 47 283 Wahlberechtigten im Stadtbezirk West gingen 29 722 an die Wahlurne. 99,26 Prozent der abgegebenen Stimmen waren gültig.

Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine (SPD) war das schlechte Abschneiden seiner Partei gestern deutlich anzumerken: „Der Wähler hat gesprochen, und wir müssen sehen, wie wir damit umgehen“, sagt der Sozialdemokrat. Das miserable Ergebnis der Sozialdemokraten habe ihn in der Nacht nicht schlafen lassen. In den vergangenen Jahren seien – insbesondere auf Bundesebene – Fehler gemacht worden, die die SPD Stimmen gekostet hätten. Mit ihren drei Sitzen im Stadtbezirksparlament könnten die Sozialdemokraten nun das „Zünglein an der Waage“ sein.

Auf Letzteres scheint CDU-Chef Peter Wolfgarten zu setzen: Er werde für das Amt des Bezirksbürgermeisters kandidieren, sagt er. Ob er dabei erfolgreich sein könne, werde nicht zuletzt davon abhängen, wie sich die SPD nun ausrichte. Suche sie weiterhin die Nähe der Grünen oder gebe es eine Annäherung an die Christdemokraten? Aus Wolfgartens Sicht ist der Verlust eines BV-Mandats „bitter“. Gleichwohl werde die CDU sich bemühen, in den kommenden Jahren in der Bezirksvertretung West weiterhin ihre Ideen zum Wohle der Bürger umzusetzen.

Äußerst zufrieden wirkt nach dem erfolgreichen Abschneiden ihrer Partei indes Anke Pallas, Fraktions-Chefin der BV-Grünen: „Ich finde das Ergebnis wunderbar“, sagt sie. Es sei ein klarer Beleg dafür, dass die Grünen bei ihrer Arbeit in den vergangenen Jahren wohl fast alles richtig gemacht hätten, dass sie angepackt hätten. Sie sei begeistert von ihrem Team. Dazu, ob die Grünen Anspruch auf den Stadtbezirksbürgermeister-Posten erheben, und wer dafür zur Verfügung stehe, wollte Pallas nichts sagen. Ebenso wenig dazu, ob sie weiterhin Fraktions-Vorsitzende bleiben wolle. Über all das werde man sich nach der Oberbürgermeister-Stichwahl (27. September) Gedanken machen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7584292?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F131%2F
Nachrichten-Ticker