Bebauungsplan Freie Flur
Keine Schottergärten im Baugebiet

Münster-Albachten -

Geht es nach den Vorstellungen der Albachtener Umwelt- und Naturschützerin Silke Frieling, dann sollen bei der Realisierung von Neuprojekten künftig strikte Vorgaben gemacht werden – insbesondere um Klimawandel und Artensterben entgegenzuwirken.

Donnerstag, 25.03.2021, 09:00 Uhr
Geht es nach den Vorstellungen von Umwelt- und Naturschützerin Silke Frieling, dann dürfen in Neubaugebieten wie dem an der Freien Flur in Albachten keine Schottergärten genehmigt werden.
Geht es nach den Vorstellungen von Umwelt- und Naturschützerin Silke Frieling, dann dürfen in Neubaugebieten wie dem an der Freien Flur in Albachten keine Schottergärten genehmigt werden. Foto: dpa

Eigentlich hätte in der Sitzung des Rates der Stadt Münster am 17. März über den Bebauungsplan für das kleine Neubaugebiet „Freie Flur“ gesprochen werden sollen. Doch das Thema wurde von der Tagesordnung genommen: Bei der Erstellung der Beschlussvorlage waren die Anregungen einer Albachtener Bürgerin von der Verwaltung übersehen worden. Deshalb erarbeitet das städtische Tiefbauamt nun eine Ergänzungsvorlage, sodass das Thema zeitnah wieder auf den Tisch kommen kann.

Bei der Bürgerin handelt es sich um Silke Frieling , die sich als besorgte Bürgerin für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz engagiert. Wie die Albachtenerin in einer detaillierten E-Mail an die Redaktion unserer Zeitung darlegt, hat sie dem Stadtplanungsamt im Zusammenhang mit dem vorgesehenen Neubaugebiet diverse Vorschläge eingereicht. Unter anderem möchte sie verhindert sehen, dass Pkw- und Fahrradstellplätze, Mülltonnenabstellbereiche und Hauszugänge „nach wie vor versiegelt angelegt werden können“.

"Nicht heimische Gewächse" verhindern

Mittlerweile seien auf dem Markt genügend versickerungsfähige Pflastersteine sowie Rasengittersteine erhältlich, deren Verwendung dafür sorgen könne, dass Regenwasser nicht unnötig in die Kanalisation abgeleitet werde. Klärwerke und Kanäle würden dadurch entlastet, das Mikroklima und die Grundwasserneubildung verbessert, erläutert Silke Frieling.

Ebenfalls gesorgt werden muss nach Ansicht der Albachtenerin dafür, dass Schottergärten, überbordende Rasenflächen und Gartenbepflanzungen mit „nicht heimischen, immergrünen Gewächsen“ in Neubaugebieten verhindert werden. Solche Pflanzen, zu denen beispielsweise der Kirschlorbeer zähle, seien ebenso wie kurz gemähte Rasenflächen schädlich für die Natur: „Sie verdrängen heimische Pflanzen, auf die Insekten als Nahrungsgrundlage angewiesen sind.“ Handeln sei dringend erforderlich.

"Eindeutige Vorgaben" zum wohle der Umwelt

Schon jetzt gebe es in Münster viele Grundstücke, insbesondere von Mehrfamilienhäusern, auf denen keine einzige blühende Pflanze zu sehen sei. Die Stadt müsse dafür sorgen, dass in Neubaugebieten zum Wohle von Umwelt, Natur und Artenvielfalt (Schmetterlinge, Insekten, Vögel) „eindeutige Vorgaben“ gemacht würden.

Silke Frielings Vorstellungen zufolge sollen Rasenflächen in den textlichen Festsetzungen für Baugebiete auf 60 Prozent der nicht befestigten, unbebauten Flächen begrenzt werden. Der verbleibende Anteil soll mit einheimischen, mehrjährigen, standortgerechten, insektenfreundlichen, blühenden Stauden und Kräutern sowie kleinwüchsigen heimischen Gehölzen bepflanzt werden. Zudem möchte die kämpferische Albachtenerin Terrassenflächen und Gartenwege möglichst versickerungsfähig und keinesfalls größenmäßig überproportioniert angelegt wissen.

Kampf gegen Nachverdichtung

Darüber hinaus macht sich die Natur- und Umweltschützerin dafür stark, dass in Einfamilien- und Reihenhäusern sowie Doppelhaushälften mit kleinen Grundstücken keine zweite Wohneinheit zugelassen wird.

Damit soll verhindert werden, dass in Vorgärten ein zweiter Pkw-Stellplatz angelegt wird. Denn der sei „genauso umweltschädlich wie ein Schottervorgarten“.

Umweltschutz, Artenvielfalt sowie Klimaschutz als Inhalt des bekannten Paragrafen ‚Eigentum verpflichtet‘ sollten vorgeschrieben und nicht nur empfohlen werden.

Silke Frieling

Künftigen Hauseigentümern müssten durch textliche Festsetzungen überprüfbare Vorgaben an die Hand gegeben werden. „Umweltschutz, Artenvielfalt sowie Klimaschutz als Inhalt des bekannten Paragrafen ‚Eigentum verpflichtet‘ sollten vorgeschrieben und nicht nur empfohlen werden, angesichts des dramatischen Artensterbens und Klimawandels. Münster sollte einer der Vorreiter sein“, fordert Silke Frieling. Die Verwaltung wird sich nun mit ihren Anregungen beschäftigen.

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