Gesperrter Weg in der Alvingheide
Von Rowdy-Radlern und Schranken

Münster-Albachten / Senden -

Ein Waldeigentümer hat einen Rad- und Wanderweg zwischen Albachten und den Baumbergen blockiert. Dazu griff er zu juristischen Spitzfindigkeiten, was aber auf Grund von manchen „Naturfreunden“ nachvollziehbar erscheint.

Freitag, 23.04.2021, 19:07 Uhr aktualisiert: 23.04.2021, 19:10 Uhr
Barrieren aufgeschüttet: Reinhard Nitsche wundert sich, dass der Rad- und Wanderweg blockiert wurde.
Barrieren aufgeschüttet: Reinhard Nitsche wundert sich, dass der Rad- und Wanderweg blockiert wurde. Foto: di

Zwei Rehe setzen im Wald, durch den ein asphaltierter Wirtschaftsweg führt, mit gewaltiger Sprungkraft zur Flucht an. Das Wild kommt auf einem Acker wieder zur Ruhe, von dem aus sich dann sogar fünf Köpfe zu den Zweibeinern drehen, die in der gebotenen Distanz einen Stopp einlegen. Reinhard Nitsche und der radelnde Redakteur, der ihn begleitet, halten aber nicht aus Rücksicht vor Ricken und Böcken an, sondern weil sich eine Barriere auftut. Ein seit Jahren existierender Rad- und Wanderweg in der Alvingheide / Kintruper Heide ist nicht mehr zugänglich. Dabei bildete er eine beliebte Verbindung zwischen Albachten und den Baumbergen.

Der Pensionär, der viel Rad fährt, wandert und an seinem Wohnort im SV Fortuna Schapdetten aktiv ist, will sich mit der Blockade nicht so einfach abfinden, hatte er den Weg – der sich schon in Wanderkarten von Theo Breider finden soll und in Albachten in die Bösenseller Straße einmündet – bereits öfter genutzt. Der ehemalige Kripo-Beamte nimmt die „Ermittlungen“ auf, schaltet das Umweltressort des Kreises Coesfeld und das Regionalforstamt Münsterland ein.

Schranke musste verschwinden

Was der pensionierte Polizist und die Lokalredaktion bei ihren Recherchen erfuhren, bietet reichlich Stoff für Jura-Kurse und Verwaltungsfortbildungen. Der Ablauf lässt sich so zusammenfassen: Eine Schranke, die seit 1975 den Zutritt in den Wald erschwerte, musste verschwinden. Auf Anordnung der Forstbehörde. Nach einem Hinweis, der früher erfolgte als die Nachfrage von Nitsche. Die Behörde war, vertreten sogar durch ihren Leiter, Heinz-Peter Hochhäuser, und mehrere Mitarbeiter, im August 2020 zu einem Ortstermin nach Bösensell gekommen. Denn: Der Zugang zur Natur darf nicht gesperrt werden, da in Deutschland das Betreten des Waldes „zum Zwecke der Erholung“ grundsätzlich erlaubt ist. Auch Rollstuhlfahrer, Radler und Spaziergänger hätten die Schranke passieren können müssen. Was aber nicht der Fall gewesen sei, weshalb sie verschwand.

Rohre aus einem Graben entfernt und Wälle gezogen

Statt dessen hat Eigentümer Hubertus Schulze Dernebockolt Rohre aus einem Graben entfernt und zwei Wälle gezogen. Womit er sich im Einklang der Gesetze bewegt, wie Hochhäuser bestätigt. Denn Waldbesitzer können nicht dazu gezwungen werden, den Weg dauerhaft zu unterhalten und es gebe kein Recht der Bürger darauf, den Wald an jeglicher Stelle zu betreten. Hinter den beiden Wällen verläuft der Weg jedoch weiter. Weshalb der Leiter des Regionalforstamts das Ermessen so resümiert: „Das ist ein Grenzfall.“ Die Behörde könne den Eigentümer aber nicht zwingen. „Wir haben nur ein stumpfes Schwert in der Hand“, sagte Hochhäuser. Der Behördenchef hadert auch mit frei formulierten Schildern an der Zufahrt und am Hof, die das Betreten verhindern sollen. Rechtlich gebe es keinen Hebel, diese Schilder entfernen zu lassen. „Wir holen uns eine blutige Nase“, fürchtet Hochhäuser. Der zugleich ein Stück weit Verständnis für den Eigentümer äußert.

Beinahe-Unfall mit einem Mountainbiker

Das teilt der Redakteur nach einem Gespräch mit dem Nebenerwerbslandwirt, der auch einen zertifizierten Forstbetrieb führt. Denn Schulze Dernebockolt schildert einige Vorfälle, die sich mit Mountainbikern ergeben hätten, deren Zahl seit Corona „massiv“ zugenommen habe. Einen von ihnen hätte er beinahe mit dem Frontlader des Treckers beim Rangieren aus der Scheune erwischt: „Das war eine Frage von Zehntelsekunden“. Andere Fälle ergaben sich bei Forstarbeiten mit dem Trecker mitten im Wald. Begegnungen, die nicht nur heikel waren, sondern bei denen auch noch ein unverschämter Ton angeschlagen worden sei. Spaziergänger seien weiterhin willkommen, so Schulze Dernebockolt. Er bedauert, dass unter den Rowdy-Radlern besonders mit E-Bikes „jetzt alle anderen mitleiden müssen“.

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