MS-Süd
Entwicklung der Heimat ablesbar

Donnerstag, 08.04.2010, 16:04 Uhr

Münster-Wolbeck - Das Interesse an Landkarten ist ihm buchstäblich in die Wiege gelegt. „Schon mein Vater hat Messtischblätter gesammelt”, erzählt Georg Rölver . Kein Wunder, dass er sich selbst Zeit seines Lebens für historische Karten aller Art interessierte. Jetzt kommt die Leidenschaft des Wolbeckers dem ganzen Ort zugute: 40 bis 50 seiner schönsten Stücke wird Rölver demnächst in den Schaufenstern der örtlichen Geschäfte ausstellen. Die Aktion ist ein Beitrag zu den Feierlichkeiten zum 700sten Geburtstag des Wigbolds.

Am Anfang stand die Sammlung des Vaters. „Mess- tischblätter”, das sind topographische Karten im Maßstab 1:25 000, auf denen jede Bachbiegung und jeder Bauernhof erkennbar sind. Jede Karte spiegelt eine Momentaufnahme ihrer Zeit wider, und so lässt sich aus den Materialien verschiedener Jahrhunderte die Entwicklung des heimatlichen Umfeldes ablesen.

Und wie kam die Idee mit der Ausstellung zustande? „Die 700-Jahr-Feier Wolbecks gab den Ausschlag”, erläutert Rölver. Den runden Geburtstag habe er zum Anlass genommen, gezielt nach weiteren Karten, Ansichten und Handzeichnungen zu stöbern, und mit Wolbecker Familien zu sprechen, um damit einen historischen Rückblick zusammenzustellen.

„An alten Karten kann man vieles von der Entwicklung eines Ortes ablesen”, beschreibt Rölver seine Faszination für die „staubige Materie”. So gehört die chronologische Sammlung von Dokumenten zur Wolbecker Angel- Regulierung zu den interessantesten Exponaten seiner geplanten Ausstellung. „Man kann genau sehen, wie sich das Flüsschen zunächst durch die Landschaft schlängelte”, beschreibt der pensionierte Pädagoge. Bis dann 1975 wegen des vielen Hochwassers der letzte Abschnitt der Begradigung im Bereich Wolbecks durchgeführt wurde.

„Ur-Wolbecker haben mir davon erzählt, wie sie früher auf den Stegen in ihren Gärten geangelt haben, unter denen die Angel herfloss.“ Begradigt wurde das Flüsschen aber auch bereits um 1910, und zwar im Bereich Fronhof sowie in den 30er Jahren im Tiergarten, erklärt Rölver. Die spannende Geschichte der Angel wird einer von vielen Themenbereichen sein, die sich in Wolbecker Schaufenstern wiederfinden werden

Des weiteren richtet der Geograf den Fokus auf die Werseregulierung. „Eine der aus gestellten Karten wird die „Wesebrücke” (Werse ohne „r“) im Jahr 1745 zeigen”, so Rölver. Das historische Zeugnis verrät, dass die „Hiltruper Straße“ - in einer etwas anderen Wegeführung als heute - über die so genannte „Römebrücke“ verlief, ein uraltes Tonnengewölbe-Bauwerk. Um die an dieser Stelle fälligen Zollgebühren zu sparen, hätten gewitzte Zeitgenossen damals offenbar eine benachbarte Furt genutzt, so Rölver, die auf der Karte als solche auch noch sehr gut zu erkennen ist.

Auch die Straßenführung im Bereich der Münsterstraße in Höhe der heutigen Gaststätten Averhoff und Rusticus, die Gegend um den Berler Kamp, die Entwicklung des Wolbecker Ortskerns mit seinen Neubaugebieten nach dem Zweiten Weltkrieg sowie historische Karten des Amts Wolbeck von 1600 bis 1800 wer-den weitere thematische Schwerpunkte der Ausstellung sein.

Ein ganz besonderes „Schmankerl” für historisch Interessierte ist das älteste Exponat der Ausstellung, eine Karte aus dem Jahr 1603, von der ein Ausschnitts auf dem Festprogramm zur 700-Jahr-feier zu sehen ist. „Das Original liegt im Landesarchiv am Bohlweg“, erklärt Rölver. Wie viele andere, sehr alte Stücke werde auch diese Karte natürlich als Kopie gezeigt.

Die Ausstellungseröffnung wird sich wegen anderer Terminel leicht nach hinten verschieben. Geplant ist sie für Ende Mai, Anfang Juni.

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