Neue Internetplattform orientiert die Flüchtlingshilfe im Stadtbezirk Hiltrup am Bedarf
„Das gibt es noch nirgends“

Münster-Hiltrup -

Eine neue Internetplattform soll helfen, die Flüchtlingshilfe zu vernetzen und am Bedarf zu orientieren: Was wird ganz konkret gebraucht? Diese Organisation der Flüchtlingsarbeit ist neu, womöglich bundesweit.

Dienstag, 05.01.2016, 20:01 Uhr

Das Team der Internetplattform möchte die Flüchtlingsarbeit im Stadtbezirk besser vernetzen – sei es an den geplanten Containerunterkünften in Amelsbüren und am Osttor (kleine Bilder, v.l.), in der Notunterkunft am Haus Heidhorn und im Obergeschoss der Stadthalle Hiltrup oder den anderen sechs Standorten.
Das Team der Internetplattform möchte die Flüchtlingsarbeit im Stadtbezirk besser vernetzen – sei es an den geplanten Containerunterkünften in Amelsbüren und am Osttor (kleine Bilder, v.l.), in der Notunterkunft am Haus Heidhorn und im Obergeschoss der Stadthalle Hiltrup oder den anderen sechs Standorten. Foto: mlü

Die Legende von den Handtüchern geht so: Als damals die Notunterkunft für Flüchtlinge in der ehemaligen Wartburgschule eingerichtet wurde, fehlten welche. Es gab einen Spendenaufruf – das Echo war gewaltig, die Hilfsorganisationen konnten sich vor Handtüchern kaum retten. Die Lektion könnte heißen: Spenden sind gut und wichtig, keine Frage, aber bedarfsgerechte Hilfe ist besser.

Davon können auch die Kleiderkammern ein Lied singen: Während zum Beispiel am Haus Heidhorn Sportschuhe fehlen, müssen zahlreiche Kleiderkammern in Münster schließen, weil sie vor lauter Sommerklamotten keine Lagerkapazitäten mehr haben. Und andersherum sind mittlerweile viele Menschen verunsichert und ratlos: Sie wollen spenden, wissen aber nicht, was überhaupt benötigt wird.

Eine neue Internetplattform will das ändern – und leistet damit Pionierarbeit. Es handelt sich um eine Kooperationsplattform der Flüchtlingsarbeit im Stadtbezirk Hiltrup, und sie orientiert sich am konkreten Bedarf vor Ort. Wer etwas braucht oder spenden möchte, kommt auf www.fluechtlingsnetzwerk-hiltrup.de zusammen (siehe Themenkasten). Eine Organisation der Flüchtlingsarbeit in der Form einer Forums ist neu, womöglich bundesweit. „Das gibt es noch nirgends“, sagen Magdalena Faber und Stefan Leibold aus dem Koordinierungskreis. „So ein Instrument haben wir gebraucht – wir wollten es zeitnah machen.“

Erstellt wurde die Plattform ehrenamtlich – in der Hauptsache von den Jugendlichen Maximilian Klute und Thorsten Mentrup. Es war Fleißarbeit, teilweise bis spät in die Nächte hinein und mit Unterstützung ihres Informatiklehrers Oliver Auditor am KvG-Gymnasium. Mehr als 140 Ehrenamtliche wurden bereits erfasst. Die Homepage soll weiter an die Bedürfnisse angepasst werden. Geplant ist zum Beispiel eine Praktikumsbörse.

Der öffentliche Teil der neuen Internetseite informiert über aktuelle Entwicklungen der Flüchtlingsarbeit in Hiltrup und Amelsbüren. Im internen Bereich gibt es Informationen, wo welche Sach- und Dienstleistungen benötigt werden. Alle Flüchtlingseinrichtungen und die dortigen Sozialarbeiter sind in den Verteiler aufgenommen, sie können Bedarfe einstellen. Darüber hinaus können alle Mitglieder des Koordinierungskreises darüber informieren, was noch fehlt. Wer spenden möchte, kann sich nach einer Anmeldung im internen Bereich umschauen und Kontakt aufnehmen. Wer Dienstleistungen, zum Beispiel Stadtführungen oder Kinderbetreuung anbieten möchte, muss ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis in der Stadtteilbücherei St. Clemens vorlegen. Dort gibt es auch Vordrucke für die kostenlose Beantragung.

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