Mühsamer Dialog
„Da müssen wir zuhören“

Münster-Hiltrup/Amelsbüren -

Die Gemeinde St. Clemens erarbeitet einen neuen Pastoralplan. Das hört sich zunächst dröge an. Zu Tage treten Probleme, die vier Jahre nach der Fusion manche Gläubige bedrücken.

Mittwoch, 23.11.2016, 18:11 Uhr

Über die Schwerpunkte der künftigen Gemeindearbeit wird in der Großgemeinde St. Clemens, bestehend aus Hiltrup und Amelsbüren, gegenwärtig diskutiert.
Über die Schwerpunkte der künftigen Gemeindearbeit wird in der Großgemeinde St. Clemens, bestehend aus Hiltrup und Amelsbüren, gegenwärtig diskutiert. Foto: gro

Man kann es auch so sehen: Ehrenamtliche übernehmen mehr Verantwortung. Wenige Tage vor der Rückkehr des Pfarrers aus seiner dreimonatigen Sabbat-Zeit stellt die Gemeinde St. Clemens Überlegungen zu einem Pastoralplan vor. Doch Mike Netzler , so versichern Beteiligte, sei stets in die Überlegungen mit einbezogen gewesen.

Elf Monate lang hat ein Steuerungsteam ausgearbeitet, wie der Pastoralplan für die Gemeinde aussehen könnte, für eine Gemeinde, die vor vier Jahren aus einer Fusion von St. Clemens, St. Marien und St. Sebastian hervorging. Es ist eine Art Zwischenbilanz, die präsentiert wird. Der endgültige Plan soll bis Sommer 2017 stehen.

Fünf „Mega-Trends“ oder Gegenwartsbeschreibungen hat das Steuerungsteam ausgemacht. Unübersehbar an den Wänden des Pfarrzentrums hingen sie in Postergröße. „In unserer Gemeinde entwickelt sich etwas Gemeinsames“, heißt es beispielsweise, „die Eigenständigkeit der Kirchorte setzt dem auf absehbare Zeit natürliche Grenzen.“

Was diese Eigenheiten und Unterschiedlichkeiten bedeuten können, wird im Lauf des Abend deutlich. In St. Sebastian empfinden langjährige Gemeindemitglieder, wie seit Bestehen der Großgemeinde eklatante Verluste zu beklagen sind. Nicht nur, dass weniger Katholiken die Gottesdienste besuchen. Das ist überall der Fall. Kontinuierlich ginge es bergab, wie Kirchenvorstandsmitglied Reinhard Mangels einräumte. Und das seit 20 Jahren.

In Amelsbüren beklagt man einen Verlust an Traditionen, die bis für wenigen Jahren noch aktiv gelebt wurden, während sie im städtisch geprägten Hiltrup vielleicht schon lange keine Bedeutung mehr spielen.

Prozessionen, gemeinsamer Kreuzweg auf dem Friedhof, das Kirchweihfestes und ein mittlerweile lieblos gestaltetes Erntedankfest – Richard Vennemann aus Amelsbüren hatte ein Menge Punkte aufgelistet – und wurde durchaus harsch unterbrochen. „Diese Geschichten kann man ein anderes Mal vorbringen.“ Eine Aussage, die sogar mit Applaus quittiert wurde. Kaplan Andres Britzwein war anderer Meinung und bat das langjährige Pfarrgemeinderats- und Kirchenvorstandsmitglied fortzufahren. „Wenn wir die Gemeindemitglieder fragen, müssen wir auch zuhören.“

So kam auch auf den Tisch, was nicht nur in Amelsbüren als Problem empfunden wird. Einen Priester zu erreichen, wenn ein Sterbefall eingetreten sei, sei mittlerweile sehr schwierig: „Oft läuft man zwei Tage hinterher.“

Andere Stimmen meldeten sich zu Wort mit Wünschen und Kritikpunkten, die zuvor in kleineren Gruppen zu den Aspekten Glaubensverkündung, Caritas und Liturgie sowie des gemeinsamen Feierns zusammengetragen wurden. Mehr kindgerechte Messen, vor allem bessere Angebote für Jugendliche, auch Gesprächsangebote außerhalb der Kirchenbank, so war zu hören. Andere wiesen darauf hin, dass Wiederverheiratete gerne zur Kommunion gehen würden.

Noch eine Nachricht hatte Reinhard Mangels parat, als die räumliche Ausstattung zur Sprache kam. In Amelsbüren werde ab Januar das Pfarrhaus zum neuen Pfarrheim ausgebaut. Die Alte Küsterei, in der sich die Bücherei befindet, sei „so gut wie verkauft“.

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