Fortbildung und Forensikforum
Forensik: „Tor auf – und dann?“

Münster-Amelsbüren -

Ein Evergreen des Fernsehkrimis: Die Gefängnistür geht auf, ein Entlassener geht mit einer Sporttasche über der Schulter unsicher, aber erleichtert in die Freiheit. Im Idealfall wartet ein Freund in seinem Auto und nimmt ihn mit. Die Wahrheit, insbesondere im Maßregelvollzug, sieht gründlich anders aus.

Freitag, 17.11.2017, 07:11 Uhr

Eingangsbereich der Forensikklinik.
Eingangsbereich der Forensikklinik. Foto: ---

Das Thema Entlassmanagementgehört in der Forensik schon fast drei Jahrzehnte zur nachhaltigen Arbeit mit einem Patienten.

Die Mitarbeiter des Sozialdienstes der Christophorus- Klinik stellten am Mittwoch ihre Arbeit zunächst in einer internen Fortbildung vor, am kommenden Donnerstag präsentieren sie ihren Vortrag vor dem Forensikforum.

Rund 95 Prozent der Patienten der Christophorus Klinik leben im Anschluss an ihre Zeit im Maßregelvollzug in Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Dass die Einrichtungen sich oftmals schwer tun, einen Bewohner mit straffälligem Hintergrund aufzunehmen, bedarf keiner Erläuterung. Hier setzt die Arbeit der Sozialarbeiter und des Oberarztes – dem Nachsorge-Team – an.

Schon lange vor einer Beurlaubung oder Entlassung eines Patienten suchen sie nach der passenden künftigen Unterkunft. Die Mitarbeiter der Einrichtung können den Patienten und die Klinik umfassend kennenlernen.

Kann er sich an den Therapieplan, die Hausregeln, die medizinischen Absprachen halten? Das alles entscheidet über den Werdegang des Patienten nach seiner Zeit hinter Gittern – natürlich vor dem Hintergrund seiner Gefährlichkeitsprognose. Diese muss positiv ausfallen, ansonsten ist ein Weg aus dem Maßregelvollzug nicht möglich, höchstens über den juristischen Härtefall der „Verhältnismäßigkeit“.

Monatelang begleitet das Nachsorge-Team den Patienten, zunächst wöchentlich, dann in größeren Abständen. Kommt es zu einer Krise in der Einrichtung, kommt der Patient bei Bedarf in die Klinik zurück.

Viele Kilometer legt das vierköpfige Team dabei im Jahr zurück. Die Bilanz ihrer nachsorgenden Arbeit: Von rund 40 Patienten, die seit Eröffnung der Klinik in eine Langzeitbeurlaubung gingen, sind nur drei dauerhaft in die Klinik zurückgekehrt. Alle anderen sind nach Angaben der Klinikleitung stabil in ihrem sozialen Umfeld angekommen.

Wer das Thema verfolgen möchte, ist eingeladen zum nächsten Forensikforum zum Thema „Tor auf – und dann? Forensische Nachsorge in Wohneinrichtungen“. Die Veranstaltung beginnt am Donnerstag (23. November) um 19 Uhr im Kunsthaus Kannen. Der Eintritt ist frei. Es referieren Oberarzt Ansgar Osewold sowie Heike Knappe, Carsten Schlamann und Judith Tusche von Sozialdienst der Klinik.

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