Zapfhahn bleibt zu
Kneipensterben geht munter weiter

Münster-Amelsbüren -

Die gemütliche Kneipe an der nächsten Ecke, das war einmal. Das Kneipensterben in Amelsbüren geht um. An der Deermannstraße wird die Traditionsgaststätte Hummelt dem Erdboden gleichgemacht.  Auch das Davert-Eck ist dicht. Nach Stand der Dinge ebenfalls für immer.

Donnerstag, 03.05.2018, 19:30 Uhr

Das Davert-Eck an der Davertstraße hat mittlerweile geschlossen.
Das Davert-Eck an der Davertstraße hat mittlerweile geschlossen. Foto: gro

Die gemütliche Kneipe an der nächsten Ecke, das war einmal. Das Kneipensterben ist in Amelsbüren derzeit so offenkundig wie selten zuvor. An der Deermannstraße wird die Traditionsgaststätte Hummelt dem Erdboden gleichgemacht.  Südlich des Ortskerns hat das Davert-Eck geschlossen und wird nach gegenwärtigem Stand auch nicht wiedereröffnet.

Das komplette Inventar steht zum Verkauf. Theke, Barhocker, die Kühlung und die Sitzecken – am liebsten alles zusammen. Die Besitzerin der Immobilie, Inge Gerlach, wird einen Schlussstrich ziehen, obwohl ihr Herz weiter an der kleinen Kneipe hängt. „Die Zeiten haben sich geändert“, sagt sie. Ihr Mann Dieter hatte 1990 die Gaststätte eröffnet. Sieben Jahre lang hat er sie geführt. In den letzten 20 Jahren wurde sie verpachtet.

Fußball-Kneipe ohne Fans

Zeitweise hatte das Davert-Eck den Ruf als Fußballer-Kneipe. Man traf sich zum Rudel-Gucken. Wenn Dortmund übertragen wurde, flatterte weithin sichtbar die BVB-Fahne im Wind. Spielten die Bayern, wurde rot-weiß geflaggt. Auch die Bayern-Barzis hatten im Davert-Eck ihr Vereinslokal, ehe sie beschlossen, sich im privaten Umfeld eines Mitglieds zu treffen. Eine leere Tipptafel hängt weiterhin an der Wand. Genutzt wurde sie schon lange nicht mehr.

Ein Büro oder ein kleines Geschäft – das wären aus Sicht von Inge Gerlach zwei Alternativen für die künftige Nutzung. Eine Wohnung einzurichten, kommt für sie nicht in Frage.

Fast 150 Jahre fester Bestandteil in Amelsbüren

Das Gasthaus Hummelt ist bereits vor einem Jahr an einen Bauträger verkauft worden. Da ein Biergarten zur Lokalität gehörte, ist Platz für mehrere Wohnungen. Der Investor hat ausgerechnet, dass er zehn Eigentumswohnungen bauen kann. Es sind kleinere Wohnungen, die zwischen 41 und 90 Quadratmeter groß werden sollen. Auch hierfür besteht Bedarf im Davertdorf.

Kneipensterben in Amelsbüren

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  • Das Davert-Eck in Amelsbüren existierte seit 1990

    Foto: Grottendieck
  • Die große Theke prägte den Thekenraum

    Foto: Grottendieck
  • Der Fanclub Davert Bazis Amelsbüren traf sich im Davert-Eck

    Foto: N.N.
  • Die Inneneinrichtung steht zum Verkauf.

    Foto: Grottendieck
  • Albert und Vera Dirkes führten den Gasthof Hummelt 24 Jahre bis zum Jahresbeginn 2017

    Foto: Tim Lehmann
  • Ein letzter Blick

    Foto: Grottendieck
  • Kneipensterben Foto: Grottendieck
  • Das traurige Ende: Die Traditionsgaststätte weicht einem Mehrfamilienhaus

    Foto: Grottendieck

Mit dem Gasthaus Hummelt ging eine Traditionsgaststätte, die fast 150 Jahre fester Bestandteil in Amelsbüren war. Am 12. Januar 1869 hatte Joseph Hummelt die Schankerlaubnis erhalten – „zur Beherbergung und Bewirtung aller Klassen“ Die letzten 24 Jahren führten Albert und Vera Dierkes die Gaststätte.

„Wer geht abends noch groß aus?“, fragte vor einem Jahr der Gastwirt Albert Dierkes, um die Frage selbst zu beantworten: „Wer um 18 Uhr zum Trinken kam, ging um 20 Uhr nach Hause. Danach konnte ich meistens abschließen.“ Inge Gerlach hat gesehen, dass es der Pächterin des Davert-Ecks ähnlich ging. Als neulich das Leeren des letzten Bierfasses angesagt war, da seien sie alle gekommen. Die Worte ihrer Pächterin klingen ihr bis heute im Ohr: „Wenn die Hälfte oder auch nur ein Drittel derjenigen, die an diesem Abend da waren, öfter gekommen wären, hätte ich nicht zumachen müssen.“

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