Windräder im Hartmannsbrook
Auf- und Abbau erfolgen parallel

Münster-Amelsbüren -

Die beiden bereits stehenden Anlagen im Hartmannsbrook nahe der Autobahn A1 durften im Herbst 2004 nicht höher als 100 Meter gebaut werden, Jetzt werden sie durch einen Riesen ersetzt.

Samstag, 15.09.2018, 15:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 15.09.2018, 15:00 Uhr
Der Spezialkran mit seinem 160 Meter langen Ausleger wartet bereits auf seinen Arbeitseinsatz. Zwei kleine Windräder werden abgebaut, ein großes wird errichtet.
Der Spezialkran mit seinem 160 Meter langen Ausleger wartet bereits auf seinen Arbeitseinsatz. Zwei kleine Windräder werden abgebaut, ein großes wird errichtet. Foto: gro

Wer nahe genug herankommt, kann lesen, was an dem gelben Raupenkran steht. „Der stärkste aus dem Emsland“. Mit einer Tragkraft von bis zu 600 Tonnen und einer Hakenhöhe von über 160 Metern darf man in Superlativen schwelgen.

Auch das neue Windrad im Südwesten Amelsbüren darf sich mit einem Superlativ schmücken. Es wird Münsters größte Windenergieanlage. Allerdings wird sie diesen Titel schnell wieder abgeben müssen. In der Haskenau bei Gelmer im Nordosten Münsters entsteht eine weitere Anlage, die nochmals 30 Meter höher sein wird.

Die beiden bereits stehenden Anlagen im Hartmannsbrook nahe der Autobahn A1 durften im Herbst 2004 nicht höher als 100 Meter gebaut werden, blickt Thomas Siepelmeyer von der Davert Wind GmbH zurück. Das neue Windrad wird doppelt so hoch. Es ist, als würde man die beiden alten Windräder, die übrigens von einer niederländischen Firma nach Nordirland verschifft werden, übereinanderstellen. Wegen fehlender Abstände zu den nächsten Höfen sei auf die Errichtung einer noch größeren Anlage in Amelsbüren verzichtet worden.

Die Rotorblätter müssen in einem Schwachwindgebiet wie dem Münsterland möglich lang sein. Auf 71 Meter Länge kommen die neuen Flügel. An den alten Anlagen waren sie gerade einmal 25 Meter lang. Die Leistung der Anlage wird nahezu verfünffacht. Waren es vor 14 Jahren bereits 850 Kilowatt, so sind es jetzt 4,2 Gigawatt. Anders, so ist Siepelmeyer überzeugt, sei die Energiewende nicht zu schaffen.

Aufbau der neuen Anlage und Abbau der beiden alten werden ab der kommenden Woche parallel erfolgen. Geplant war das anders. Nach dem Einsturz der Morandi-Brücke in Genua schauten auch die deutschen Behörden noch einmal genau hin, ob alle Brücken an der Transportroute den Belastungen standhalten werden. Besonders im Blick hatten sie die Brücke in Fortführung der Ottmarsbocholter Straße über die Autobahn A1. Damit ist auch erkennbar: Der Antransport erfolgt über die Autobahnausfahrt Ascheberg.

Bis zu 13 Lastfahrzeuge werden in der kommenden Woche an einem einzigen Tag erwartet. Auch ein zweiter Spezialkran wird kommen. Der Aufbau des neuen Riesen wird Zeit in Anspruch nehmen und nicht ruckzuck erfolgen, wie es im vergangenen Spätsommer beim Aufbau der fünf Windenergieanlagen durch die Stadtwerke möglich war.

Ring für Ring wächst der neue Turm in die Höhe. Es sind Fertigbauelemente aus Beton-Stahl. Jeder zwischen etwa 3,5 Meter hoch, im unteren Bereich mit einem Durchmesser von 12 Meter. Nach oben verjüngt sich der Turm. In der Spitze wird ein Stahlelement verbaut.

Bereits Mitte Juni wurde mit den Vorarbeiten begonnen. Für die nötige Stabilität sorgt das Fundament aus Stahl und Beton. Einen Durchmesser von 14 Meter weist der sichtbare Ring auf, mit dem später die Turmelemente verspannt werden. Unter der Erde ist der Betonring sogar noch fünf Meter breiter.

„Gut zwei bis drei Wochen“ wird es nach Einschätzung Siepelmeyers andauern, bis der Turm weiterhin sichtbar sein wird. Erst dann erfolgt die Anlieferung des schweren Maschinenhauses, das in 129 Meter Höhe auf den Turm aufgesetzt werden muss. Thomas Siepelmeyer wäre froh, wenn die Anlage bis zum Jahreswechsel ans Netz gehen könnte. Für die Bauphase wünscht er sich übrigens „möglichst wenig Wind“.

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