Kunsthaus Kannen
Name und Herkunft unbekannt

Münster-Amelsbüren -

Die Ausstellung „Anonyme Zeichner Archiv“ ist im Kunsthaus Kannen zu sehen. Die Namen der Künstler sind ihr ebenso unbekannt wie ihre Herkunft. Es steht nicht der Autor, sondern die Zeichnung im Mittelpunkt. Was passiert mit einem, wenn man ein Werk betrachtet?

Montag, 11.02.2019, 20:33 Uhr aktualisiert: 17.02.2019, 17:48 Uhr
Konzipierten die Ausstellung „Anonyme Zeichner Archiv“ im Kunsthaus Kannen: Inken Reinert, Veronike Hinsberg, Anke Becker und die Leiterin des Kunsthauses, Lisa Inckmann.
Konzipierten die Ausstellung „Anonyme Zeichner Archiv“ im Kunsthaus Kannen: Inken Reinert, Veronike Hinsberg, Anke Becker und die Leiterin des Kunsthauses, Lisa Inckmann. Foto: hk

Bereits am Montag vergangener Woche hatten drei Berliner Künstlerinnen auf dem Alexianer-Campus eingecheckt, um in Ruhe die Ausstellung „Anonyme Zeichner Archiv“ vorzubereiten. Ein Kunstprojekt, das Anke Becker im Jahr 2006 ins Leben gerufen hat. Mit ihr gemeinsam haben Veronike Hinsberg und Inken Reinert die 500 Exponate unbekannter Künstler „in einer selten erlebten, äußerst ruhigen Atmosphäre“, wie sie loben, installiert und thematisch einem Ganzen zugeordnet.

Nun luden sie und Isa Inck­mann, Leiterin des Kunsthauses Kannen, am Sonntag zur Vernissage ein. Die Präsentation der Ausstellung erinnert an das Konzept „Jeden Tag eine Linie“ im Sommer 2012.

„Wo gezeichnet wird, sind stets Übertragungen im Spiel: vom Auge zum Hirn zur Hand zum Stift, vom Gefühl zur Motorik, von der Intuition zur Abstraktion“, wird Dr. Gisela Stenlechner in ihrer damaligen Eröffnungsrede zitiert. Diese Übertragungswege sind auch Teil der Ausstellung der anonymen Zeichner. Anke Becker geht soweit, das sie die Auswahl der eingesendeten Bilder im DIN A 3-Format anonym auswählt.

Die Namen der Künstler sind ihr ebenso unbekannt wie ihre Herkunft. Es steht nicht der Autor, sondern die Zeichnung im Mittelpunkt. Was passiert mit einem, wenn man ein Werk betrachtet? Wie entwickelt sich der Wert, wenn die Preise einheitlich sind? Alles andere wäre manipulativ und würde das eigene Urteil verändern.

Die Werke werden zu einem Einheitspreis von 200 Euro verkauft, die jeweils dem Zeichner zugute kommen. Ein kleiner Teil fließt in das Projekt der Anonymen Zeichner.

„Wir starten regelmäßig Aufrufe meist über das Internet, uns Zeichnungen zuzuschicken. Ohne Vorgabe“, ist es für das Künstlertrio jedes Mal ein Fest, unter den Einsendungen auswählen zu dürfen. Für die Ausstellung im Kunsthaus Kannen haben sie unter 2000 Exponaten, die im Berliner Archiv gelandet sind, 500 ausgewählt und zu einer Komposition zusammengestellt.

„Wie gruppiere ich die Zeichnungen, wie stehen die Zeichnungen in enger Nachbarschaft zueinander?“ So fügten die Künstlerinnen Porträts zusammen, Naturbilder bildeten eine Einheit, Linien, Punkte und Formen fanden zueinander. Und immer wieder wird der Betrachter neue Elemente in den 500 Zeichnungen finden.

„Man kann sich drin verlieren“, weiß Anke Becker aus ihrer Ausstellungstätigkeit. Bemerkenswert ist die Herkunft der Zeichnungen, die aus aller Welt eingesendet wurden. Ob aus den USA, Südafrika oder den europäischen Ländern, die Resonanz war überwältigend.

Mit sanften Tönen ließ das Duo „Die Tonfolger“ den Besuchern Zeit und Muße, sich ganz den vielschichtigen Zeichnungen zu widmen. Die Ausstellung „Anonyme Zeichner Archiv“ ist bis zum 19. Mai im Kunsthaus Kannen zu sehen.  

 

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