Archäologen entdecken Überreste einer Hofstelle
So entstand das Davertdorf

Münster-Amelsbüren -

Eine Grabung am Derkskamp bringt Licht in die frühe Siedlungsgeschichte des Davertdorfes: Im Emmerbachtal gab es wohl schon im 9. bis 10. Jahrhundert einige verstreute Höfe. Später entstand so die Ortschaft Amelsbüren.

Donnerstag, 18.04.2019, 18:24 Uhr aktualisiert: 18.04.2019, 18:30 Uhr
Bei Grabungen in Amelsbüren haben Archäologen die Überreste einer alten Hofstelle aus dem 9. bis 10. Jahrhundert entdeckt. Die Finde werfen ein neues Licht auf die Siedlungsgeschichte des Davertdorfes.
Bei Grabungen in Amelsbüren haben Archäologen die Überreste einer alten Hofstelle aus dem 9. bis 10. Jahrhundert entdeckt. Die Finde werfen ein neues Licht auf die Siedlungsgeschichte des Davertdorfes. Foto: gro

Was die Archäologen tatsächlich aus der Erde geholt haben, klingt erst einmal nicht nach sehr viel. Handfest sind lediglich einige Keramikscherben. Und selbst die würden sich in einer Vitrine nicht sonderlich hübsch machen. Entscheidend ist allerdings „das Drumherum“, die so genannte Fundlage. Von den vergangenen Holzpfosten eines mittelalterlichen Bauernhofes blieben nämlich dunkle Verfärbungen im Erdboden erhalten. Und daran lässt sich bereits eine Menge ablesen.

„Der Hauptbefund ist ein ehemaliges Holzgebäude, von dem die Pfostengruben erhalten blieben“, erläutert Dr. Jan Markus von der Stadtarchäologie. Das Bauernhaus war 18 Meter lang und rund sechs Meter breit. Sogar die Bauform lässt sich erahnen. Aus der Luft betrachtet, sah das Gebäude aus wie ein Schiffsrumpf. Bauchig in der Mitte, schmal an den Enden. Viele Höfe aus dem 9. bis 10. Jahrhundert waren so gebaut. „Auch die Keramik kommt aus dieser Zeit“, so Markus. „Das passt also ganz gut zusammen.“

Es handelte sich um ein so genanntes Wohnstallhaus. Das Vieh und die Bauernfamilie wohnten also unter einem Dach. Warum haben sich die Menschen diese Geruchsbelästigung angetan? Vermutlich weil es so im Winter wärmer war. Vielleicht war es auch einfach bequemer, wenn der Bauer nicht so oft nach draußen in die Kälte musste.

Wandernder Hof

Noch etwas anderes wissen die Archäologen über die Hofstelle am heutigen Derkskamp. Es handelte sich um einen wandernden Hof. „So ein Holzgebäude hielt vielleicht 50 bis maximal 100 Jahre. Danach wurde es abgerissen und woanders wieder neu aufgebaut“, erläutert der Stadtarchäologe.

Dieses Vorgehen war weit verbreitet im Münsterland und macht es den Historikern nicht gerade einfach, alte Hofstellen wiederzufinden. Urkundlich erstmals erwähnt wird Amelsbüren im Jahre 1137 als „Amuluncburen“. Womöglich war Bauernhof zu diesem Zeitpunkt schon Geschichte. Zwar gibt es die preußische Urkarte, eine Vermessung, die zwischen 1830 und 1865 vorgenommen wurde. Sie verzeichnet viele alte Höfe. Auf dieser Karte ist der alte Wohnstallhof am Derkkamp allerdings erst recht nicht mehr zu entdecken.

Glücksfund

Warum haben sich die Archäologen also die Mühe gemacht, überhaupt an dieser Stelle zu suchen? Am Derkskamp werden derzeit mehrere Einfamilienhäuser und drei Doppelhäuser gebaut. „Wir hatten bereits bei den Erschließungsarbeiten im Jahr 2017 einige Hinweise entdeckt“, so Markus. „Doch damit hätten wir nicht gerechnet“, freut sich Stadtarchäologin Dr. Aurelia Dickers und betont die gute Zusammenarbeit mit dem Investor. Demnächst sollen weitere Baufelder im östlichen Bereich des Baugebietes untersucht werden.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6552620?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F133%2F
Erdrutschsieg in Münster: Grüne Sensation
Münsters Grüne feiern den Wahlsieg im Rathaus.
Nachrichten-Ticker