Hof Schulze Finkenbrink: Bullenstall mit Modellcharakter
Mehr Tierwohl kostet Geld

Münster-Amelsbüren -

Susanne Schulze Bockeloh wünscht sich, dass mehr Betriebe bereit sind, zugunsten von mehr Tierwohl zu investieren. Die Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Münster besuchte den Hof Schulze Finkenbrink in Amelsbüren, der über einen modernen Bullenstall verfügt.

Freitag, 07.02.2020, 11:00 Uhr aktualisiert: 11.02.2020, 17:32 Uhr
Im Bullenstall bei Schulze-Finkenbrink
Im Bullenstall bei Schulze-Finkenbrink Foto: Grottendieck

Berührungsängste kennt Markus Schulze Finkenbrink nicht. Wer auch immer ankommt, dem stellt der Landwirt seinen großen Bullenstall vor, den er vor vier Jahren errichtet hat. Pättkesfahrer, die im Bereich der Börgerbrücke und des Hartmannsbrooks unterwegs sind, gehören in schöner Regelmäßigkeit dazu wie – mittlerweile vermehrt – auch internationale Gäste.

Im November kamen jede Woche Besucher aus Afrika. Stets aus anderen Ländern. „Wir hätten längst ein Gästebuch anlegen sollen“, schmunzelt Schulze Finkenbrink über den Besucherandrang. Sogar aus der Mongolei seien Gäste angereist.

Susanne Schulze Bockeloh überrascht das keineswegs. „Wenn einer etwas vom Rinde versteht, dann die Familie Schulze Finkenbrink“, sagt die Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, die Kürze zur Präsidentin der Landwirte in Westfalen-Lippe gewählt werden möchte. Ein Schwerpunktthema, mit dem sie punkten möchte, ist die Fortentwicklung der Tierhaltung.

Seit zwei Generationen verfügt die Familie Schulze Finkenbrink über Erfahrungen in der Bullenzucht. Sie sind eingeflossen in den großen Stall, der vor vier Jahren errichtet wurde: „Wir haben vor 27 Jahren einen luftigen Offenstall mit Stroh gehabt“, erläutert Markus Schulze Finkenbrink. „Aus den positiven Erfahrungen heraus ist die Idee für den neuen Stall entstanden.“

Groß, hell und luftig ist er. Die 440 Bullen werden in Gruppen von 34 bis 44 Tieren gehalten. Insgesamt hätten die Tiere mehr Platz als in Ställen früherer Jahre. Jede Sektion unterteilt sich in einen Mistgang und eine Liegebucht. Ja, es seien hohe Investitionen notwendig gewesen. Auch die Arbeit im Stall sei zeitintensiver, weil das Stroh regelmäßig frisch eingestreut und die Futtergestelle mit Stroh und Heu aufgefüllt werden müssten.

„Ich würde es wieder machen“, zieht Schulze Finkenbrink Bilanz, als er von Schulze Bockeloh darauf angesprochen wird. Die Tiere seien „entspannt und relaxt“, sagt er. Das zeige sich an der Qualität des Fleisches.

Auch die Wirtschaftlichkeit sei gegeben – „dank der Fördergelder.“ Schulze Finkenbrink würde sich wünschen, wenn sich auf dem Markt 50 bis 60 Cent pro Kilogramm Fleisch mehr erzielen ließen. Dann käme er ohne Förderung aus.

Susanne Schulze Bockeloh wünscht sich, dass mehr Betriebe bereit sind, zugunsten von mehr Tierwohl zu investieren. Umweltfreundlicher und tiergerechter soll die Haltung werden. Sie sagt, die Politik müsse den Landwirten Planungssicherheit geben.

Aber was war den Gästen aus Afrika wichtig? Schulze Finkenbrink lächelt: „Sie interessierten sich in erster Linie für unseren Stall aus dem Jahr 1978. Die Bullen stehen dort auf Gummimatten.“ Er zeigt Verständnis. Die Afrikaner müssten in erster Linie die wachsende Nachfrage der eigenen Bevölkerung nach Fleischprodukten sicherstellen.

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