Pilotprojekt zur Vermeidung von Schlaganfällen: Testphase mit Amelsbürener Arztpraxis
Mit App Vorhofflimmern erkennen

Münster-Amelsbüren -

Lodde & Lodde in Amelsbüren ist die erste Arztpraxis in Deutschland, die in Kooperation mit Preventicus einen Praxistest zu der neuen Schlaganfall-App „Preventicus Heartbeats“ macht.

Dienstag, 15.09.2020, 13:48 Uhr aktualisiert: 15.09.2020, 15:30 Uhr
Als erste Praxis in Deutschland unternehmen Dr. Anne und Dr. Maximilian Lodde in Amelsbüren einen Praxistest zur neuen Schlaganfall-App – in Kooperation mit dem Hersteller Preventicus.
Als erste Praxis in Deutschland unternehmen Dr. Anne und Dr. Maximilian Lodde in Amelsbüren einen Praxistest zur neuen Schlaganfall-App – in Kooperation mit dem Hersteller Preventicus. Foto: Peter Sauer

Wenn das Herz aus dem Takt gerät, ist schnelle Hilfe gefragt. Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung und Ursache, warum im Verlauf Schlaganfälle entstehen. Das Gefährliche ist, dass die meisten Betroffenen Vorhof-Flimmern oft gar nicht direkt mitbekommen, auch weil es sporadisch vorkommt.

Um in Zukunft so früh und zu schnell wie möglich helfen zu können, hat das Unternehmen Preventicus die kostenlose Schlaganfall-App „Preventicus Heartbeats“ herausgegeben. Der Clou: Lodde & Lodde in Amelsbüren ist die erste Arztpraxis in Deutschland, die in Kooperation mit Preventicus einen Praxistest zu der neuen App macht. Für 300 potenzielle Patienten gibt es in der Praxis Flyer mit persönlichen Zugang-Codes.

Im Osterurlaub 2019 auf Menorca hatte Dr. Maximilian Lodde die Idee, ob es nicht eine Möglichkeit gibt sich in einem normalen Smartphone EKGs ansehen zu können. Beim Googeln im Internet stieß er auf die neue App. Bevor diese offiziell bundesweit startet, überzeugte Dr. Lodde das Unternehmen von der Kooperation. „Wir haben gemeinsam eine Testphase entwickelt, in der wir Menschen in Münster diese App schon vorab kostenlos anbieten können.“

Preventicus verspricht sich dadurch in einem kleinen Kollektiv Erfahrung in der Handhabung der App zu sammeln. „Wir haben bei den ersten Nutzern schon Ideen gefunden, um die Handhabung der App noch besser machen zu können.“

Und so funktioniert die App: Im Rahmen eines Screenings auf Vorhofflimmern erfasst „Preventicus Heartsbeats“ unter Nutzung des LED-Blitzes mit der Kameralinse des Smartphones den Herzrhythmus. Dazu positioniert man die Kamera des Smartphones auf den vorderen Teil des kleinen Fingers. Man kann nun binnen einer Minute sehen, ob der Puls regelmäßig oder unregelmäßig ist.“ Die vom Herzschlag ausgehenden Pulswellen werden gemessen, ein EKG-vergleichbarer Bericht wird dargestellt.

Sofern die App nun ein Risiko auf Vorhofflimmern feststellt, werden die Messergebnisse an ein telemedizinisches Zentrum (Preventicus Telecare) gesendet. Medizinisch-technische Assistenten überprüfen dort unter kardiologischer Aufsicht auffällige Befunde. Für den Betroffenen gibt es eine präzise Analyse.

„Wichtig ist der letzte Schritt“, betont Dr. Maximilian Lodde: „Sofern sich der Verdacht auf Vorhofflimmern bestätigt, sollte im Anschluss ein (Langzeit)EKG beim Arzt durchgeführt werden, um eine gesicherte Diagnose zu erhalten. Also dann bitte sofort beim Arzt melden.“

In Zukunft soll diese „Schlaganfall-App“ flächendeckend dem relevanten Patientenkollektiv (also allen Menschen ab 55 mit Vorerkrankungen oder Menschen ab 65 ohne weitere Erkrankungen) kostenlos von deren Krankenkassen zur Verfügung gestellt werden. Derzeit wird noch, etwa bei den Krankenkassen, an den letzten Details gefeilt. Man verspricht sich von der App eine Reduktion von Schlaganfällen und damit auch von den damit verbundenen Kosten.

„Der große Vorteil dieses Vorhofflimmer-Screenings per App ist es, das Risiko für einen Schlaganfall zu senken und das so einfach wie möglich“, so Dr. Lodde.

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