„In der Meeresweite meiner Seele“ heißt eine neue Ausstellung im Kunsthaus Kannen
Das Ich nach außen kehren

Münster-Amelsbüren -

Outsider Art („Außenseiter-Kunst“) ist ein Sammelbegriff für autodidaktische Kunst von Laien, Kindern, Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder einer geistigen Behinderung und gesellschaftlichen Außenseitern, zum Beispiel Insassen von Gefängnissen, aber auch gesellschaftlich Unangepassten. Es geht um die Beschäftigung mit Kunst in all ihren Formen jenseits etablierter Zuordnungen. Neun Outsider-Art-Künstler zeigen ihre neuen Werke jetzt im Kunsthaus Kannen.

Donnerstag, 15.10.2020, 15:44 Uhr aktualisiert: 20.10.2020, 14:54 Uhr
Hans Oberle mit einigen seiner großformatigen Werke. Zur Malerei kam er im Gefängnis, berichtete er.
Hans Oberle mit einigen seiner großformatigen Werke. Zur Malerei kam er im Gefängnis, berichtete er. Foto: anh

Eine fremde Seele lesen und vielleicht etwas aus der eigenen, das können Besucher der neuen Ausstellung im Kunsthaus Kannen unternehmen: „In der Meeresweite meiner Seele“ heißt sie und vereint Werke von neun Künstlern der Outsider Art.

„Richtige“ Vernissagen gibt es wegen Corona derzeit nicht, aber Lisa Inckmann , Leiterin des Kunsthauses, informierte ein gutes Dutzend Gäste über das Spektrum des Schaffens, das hier einlädt.

Von den sieben Künstlern und zwei Künstlerinnen war einer zur Eröffnung gekommen: Hans Oberle aus der Nähe von Neumünster. Er ermunterte die Gäste zu Nachfragen. So erfuhren sie, dass er bis zu zwei Wochen an einem großformatigen Werk arbeitet, ausschließlich nur an einem gleichzeitig. Fertig seien sie, „wenn ich zufrieden bin. Dann können sie weg“. Wenn der Drang zum Malen ihn überkomme, beginne er – ohne eine Idee im Kopf zu haben. Er wähle eine Farbe, dann entwickle sich aus dem Malen und Weitermalen ein erkennbares Werk.

Häufig sind es Gesichter: Manche haben weitere menschliche Gesichter um sich, andere tragen Gesichter in sich – es lohnt sich, näher heranzugehen. Doch schon vom anderen Ende des großes Ausstellungssaals fällt bei wenigstens zwei Bildern auf, dass sie große, weitgeöffnete Augen haben. Titel geben wolle er seinen Werken prinzipiell nicht: Es lese sie ohnehin jeder Mensch anders, da wolle er sich „nicht einmischen“.

Zur Malerei kam er im Gefängnis, überredet durch andere: In einem Kurs entstand sein erstes Werk, das einen Friedhof zeigt. Seither malt er und schuf allein seit 2017 etwa 100 Werke. Die Motive haben sich verändert, sie sind abstrakter geworden.

Abstrahiert sind auch Marc Czyzewskis „figurative Wesen“, die den Betrachter mit dem Auge zu verfolgen scheinen. Die Menschen in den Gruppen von Jürgen Essing aus Münster erscheinen geisterhaft. „Jeder hat sein eigenes Ich nach außen gestellt“, so Inckmann. „Wenn man sich die Bilder eingehend anschaut, sind sie wirklich lesbar.“

Nicht alle Exponate sind Gemälde. Aus den Puppen und Tuschezeichnungen von Lisa Urban haben die Ausstellungs-Macherinnen ein dreidimensionales Arrangement geschaffen. Weitere Exponate stammen von Marc Czyzewski (Karlsruhe), Werner Otto Lexa (Dormagen), Otto alias Rüdiger Schmidt (Greifswald) Sven Redlich (Köln), Mark Stevens (Australien) und Nicole Szlachetka (Münster). Die Verkaufsausstellung läuft bis Ende Januar.

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