Der Löschzug Amelsbüren hat über 200 Hydranten in eine Online-Karte eingetragen
Er kennt alle Hydranten persönlich

Münster-Amelsbüren -

Die Corona-Zeit hat Brandoberinspektor Thorsten Hintemann im vergangenen Sommer für ein ungewöhnliches Projekt genutzt: Er hat mit dem Fahrrad jeden einzelnen Hydranten im Stadtteil besucht und ihn mit den exakten GPS-Koordinaten auf einer Online-Karte eingetragen.

Sonntag, 24.01.2021, 09:11 Uhr aktualisiert: 24.01.2021, 09:20 Uhr
Mehr als 200 Hydranten hat der Löschzug kartographiert, darunter auch den Notbrunnen an der Davertschule. Bricht in Amelsbüren einmal die Wasserversorgung zusammen, kann von dort aus die Bevölkerung mit Trinkwasser versorgt werden.
Mehr als 200 Hydranten hat der Löschzug kartographiert, darunter auch den Notbrunnen an der Davertschule. Bricht in Amelsbüren einmal die Wasserversorgung zusammen, kann von dort aus die Bevölkerung mit Trinkwasser versorgt werden. Foto: mlü

Corona macht auch vor der Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr nicht halt. Dienstabende finden online statt und die Mund-Nasen-Maske gehört bei Einsätzen zum festen Equipment dazu. Einsätze gibt es allerdings derzeit deutlich weniger, hat Thorsten Hintemann vom Löschzug Amelsbüren festgestellt. „Die Leute fahren nicht mehr mit einem Affenzahn zur Arbeit, sie bauen weniger Unfälle, sondern sitzen im Homeoffice und passen besser auf sich und ihre Nachbarn auf.“

Die nervenzehrende Gesundheitskrise hat also wenigstens einen angenehmen Nebeneffekt. Die freie Zeit hat Brandoberinspektor Hintemann im vergangenen Sommer für ein ungewöhnliches Projekt genutzt: Er hat mit dem Fahrrad jeden einzelnen Hydranten im Stadtteil besucht und ihn mit den exakten GPS-Koordinaten auf einer Online-Karte eingetragen. Seitdem kennt er jeden Hydranten quasi mit Vornamen: „Ich war überrascht wie viele es in Amelsbüren gibt.“ Es sind mehr als 200.

Die Hydranten-Karte steht seitdem öffentlich und kostenlos jedem zur Verfügung – ganz im Geiste der so genannten „Open Source“-Bewegung, die Software und Wissen kostenlos zur Verfügung stellen möchte. Wenn beispielsweise jemand eine App programmieren möchte, die einem anzeigt, wie viele B-Schläuche man von einem bestimmten Hydranten zu einem Einsatzort benötigt, dann kann sie oder er das jetzt problemlos mit den Amelsbürener Daten machen. „Ich bin ein großer Freund des Open-Source-Gedankens“, sagt Hintemann.

Für den Alltag ist etwas anderes entscheidend: „Es gibt schon eine offizielle Karte von der Stadt Münster“, erklärt der stellvertretende Löschzugführer. „Aber am Schnellsten ist man immer noch, wenn man die Hydrantenstandorte im Kopf hat.“ Deswegen habe es zunächst die Idee gegeben, die Löschwassertanks bei jeder Gelegenheit an einem anderen Standort aufzufüllen. Auf diese Weise würden die Wasserzapfstellen im Gedächtnis bleiben. Später entwickelte sich daraus die Online-Karte.

Die Karte offenbart spannende Details: Zum Beispiel hat Amelsbüren einen Notbrunnen. Bricht in Amelsbüren einmal die Wasserversorgung zusammen, kann von dort aus die Bevölkerung mit Trinkwasser versorgt werden. Der Löschzug Amelsbüren hat die Aufgabe, den Notbrunnen in Schuss zu halten.

„Auffällig ist, dass die Hydranten auf den Bürgersteigen sehr oft zugeparkt werden“, mahnt Hintemann. „Dabei haben wir das doch eigentlich alle einmal in der Fahrschule gelernt.“ Im Ernstfall kostet es die Feuerwehr wertvolle Minuten, das Auto zunächst wegzuschieben, sagt der Amelsbürener Feuerwehrmann: „Fünf Minuten kein Wasser, das macht manchmal den Unterschied. Da sollte sich jeder einmal an die eigene Nase fassen, es könnte ja auch einmal das eigene Haus oder die eigene Wohnung treffen.“

Die Hydranten-Karte ist auf der Internetseite des Löschzugs verlinkt: https://amelsbueren.feuer-muenster.de/

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