Angelmodde
Haus-Traum auf engem Raum

Donnerstag, 15.01.2009, 18:01 Uhr

Münster-Angelmodde - Sie ist ein Gesamtkunstwerk aus Häusern, Plätzen, Wegflächen und vielen baulichen Details. Als jüngstes Baudenkmal der Stadt Münster dokumentiert die Teppichsiedlung an der Schlesienstraße ein Stück modernen Lebensstils der 1960er Jahre. Sie war nach Fertigstellung 1965 die erste ihrer Art in Nordwestdeutschland und ist noch heute eine der bedeutendsten, wenn nicht die bedeutendste überhaupt.

Vor 40 Jahren erhielt sie den erstmals vergebenen Preis des Bundes Deutscher Architekten (1968). Entworfen wurde die Siedlung von Ortwin Rave und Max von Hausen , die selbst hier wohnten. Zur Siedlung gehören 36 flachgedeckte Gartenhofhäuser und ein viergeschossiges Mehrfamilienhaus. Die verschachtelt angeordneten Bungalows und die schmal bemessenen Freiflächen ermöglichten auf engem Raum den Traum vom Eigenheim. Wie in einer mittelalterlichen Stadt stehen die Häuser eng beieinander. Die für Fußgänger und Autos einheitlich gepflasterten Wege öffnen sich an einigen Stellen zu kleinen Plätzen.

Die Freiflächengestaltung sah ursprünglich eine sparsame Verwendung von einigen wenigen Pflanzensorten vor. Feuerdorn und Essigbäume setzten mit den gelb gestrichenen Garagentoren dezente Farbtupfer. Säulenpappeln bildeten vertikale Akzente zur flachen, horizontal ausgerichteten Bebauung. Streng in Blockform geschnittener Kirschlorbeer, Kiesbetten und Kunstwerke aus Betonteilen von Ernst Hermanns unterstrichen die klar strukturierte Flächenaufteilung, die ganz im Gegensatz stand zu den eher organischen Siedlungen der 50er Jahre mit vielen Freiflächen ohne klare Grenzen.

Eine Besonderheit waren die Gartenhöfe, die sich jeweils im Südwesten nahtlos in die Grundrisse der Häuser einfügten. Durch wandhohe schwarze Eternittafeln zum öffentlichen Raum waren sie abgegrenzt. Der Garten blieb damit ganz Privatraum, seine Gestaltung hinter Mauern verborgen. Diese Bauweise war Ausdruck des Zeitgeists der frühen 60er Jahre, des Rückzugs ins Private.

Außergewöhnlich war auch die Verwendung neuer Baustoffe und Bauweisen, etwa der einheitliche weiße Putz der Häuser mit einer grauen Betonattika und schlanken amerikanischen Aluminiumprofilen für Türen und Fenster. Hauseingänge mit Schiebetüren und Fensterprofile, die mit der Außenwand bündig abschlossen, sind bauliche Details, die noch heute den besonderen Reiz der Häuser ausmachen, aber auch ein Spannungsfeld zwischen notwendigen Sanierungen und wünschenswertem originalgetreuen Erhalt erzeugen.

Die weitgehend erhalten gebliebene einheitliche Gestaltung macht den Charme der Siedlung aus. „Grundvoraussetzung für das Gelingen dieser Planung waren Vereinbarungen, die im Kaufvertrag festgelegt wurden. Zu diesen Vereinbarungen gehörten: Festlegung von Material und Details der äußeren Gestaltung“, schrieben die Architekten nachträglich über ihren Entwurf. Etwas ernüchtert heißt es weiter: „Trotz der vertraglichen Festlegungen wurde die Planung schwierig, da viele Bauherren Sonderwünsche vortrugen. Nur mit großen Mühen konnte die Planung durchgehalten werden.“ Dem Erhalt dieses Erbes fühlt sich nun der Denkmalschutz verpflichtet.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/343402?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F134%2F597420%2F597434%2F
Nachrichten-Ticker