Angelmodde
Kicken als Vorbereitung auf das spätere Leben

Donnerstag, 25.06.2009, 18:06 Uhr

Münster-Angelmodde - „Kommt Chatzy heute?“ Der kleine Igor schaut erwartungsvoll in Richtung Parkplatz. Es ist Mittwochnachmittag, kurz nach halb vier. Und es haben sich schon so einige Kinder in Turnschuhen am kleinen Sportplatz am Begegnungshaus 37 Grad eingefunden. Und alle warten auf „Chatzy“, auf Tobias Achatzy , wie er richtig heißt. Und der nicht nur den kleinen Igor vom Fußballspielen begeistert hat.

Tobias Achatzy ist Heilpädagoge und Mitarbeiter der Evangelischen Kinder-, Jugend- und Familiendienste, die im Angelmodder Blaukreuzwäldchen ein Jugendhaus unterhalten. Gemeinsam mit Bernd Gaußelmann-Reinhard, Leiter der Hiltruper Begegnungsstätte 37 Grad, betreut er ein Fußballprojekt, das junge Kicker im Alter bis zwölf Jahren aus beiden Einrichtungen zusammenführt, besser zusammen spielen lässt und zwar ausschließlich Fußball. Und das ohne jegliches Nachlassen von Begeisterung seit mittlerweile vier Jahren.

Der Fußball fungiere praktisch als Medium, erklärt Gaußelmann-Reinhardt, um das Ziel zu erreichen, was man sich vorgenommen habe: nämlich die Integration der Kinder vom Blaukreuzwäldchen zu fördern. Und gleichzeitig würden ihre Chancen zu verbessert, wenn sie das Jugendhaus verlassen, in dem sie längere Zeit gewohnt haben und später in ihre Familien zurückkehren.

Nicht selten seien das Kinder aus Hiltrup-West, sagt Gaußelmann-Reinhardt. Und das gemeinsame Kicken gegen den runden Ball mit den Kindern der Begegnungsstätte, das schaffe schon wichtige Kontakte im Vorfeld. „Die Kinder finden dann schon ein vertrauteres Umfeld vor, was das Einleben natürlich erleichtert“, so Gaußelmann-Reinhardt.

Das praktische Treiben auf dem kleinen Fußballfeld hat dabei ausschließlich Tobias Achatzy in der Hand, der inzwischen, heiß erwartet, mit seinem Bulli vorgefahren ist. Die Kinder vom Blaukreuzwäldchen sind mit dabei, auch ein Mädchen. Mannschaftsbildung kein Problem, die Kinder ziehen ein kleines Match auf, ohne dass Achatzy groß eingreifen müsste.

Erstaunlich und erfreulich, natürlich. „Es läuft nicht immer so reibungslos“, sagt er. Manchmal müsse schon ein wenig durchgegriffen werden. „Mobbing oder irgendwelche rassistischen Äußerungen, das lassen wir nicht zu.“ Und die härteste Bestrafung sei dann ein Spielverbot.

Der Heilpädagoge hält den Fußball für ein ideales Erziehungsinstrument. Bewegung, Wettkampf- und Leistungsgedanke, Teamgeist, soziale Kompetenz, das alles werde vermittelt. „Und nicht zu vergessen und ganz wichtig sind die Erfolgserlebnisse“, betont er.

Kleine Hütchen hat er aufgestellt, die müssen die Kinder mit dem Ball umkurven, beobachtet von ihrem Trainer. „Gut gemacht, Niklas“, lobt Achatzy einen der jungen Kicker, die dem 39-Jährigen so sehr am Herzen liegen, dass er, obwohl derzeit in Elternteilzeit, das Projekt weiter betreut. Sehr zur Freude von Igor natürlich, braucht er so doch auf sein geliebtes Fußballspielen mit „Chatzy“ nicht zu verzichten.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/341580?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F134%2F597420%2F597428%2F
Nachrichten-Ticker