Dem Tod entronnen
Münsteraner erlebte im Schützenhofbunker mit, wie 68 Menschen starben

Münster-Angelmodde -

Georg Volbers erlebte 1944 im Schützenhofbunker mit, wie 68 Menschen starben. Fast 70 Jahre später erzählt er von seinen Erinnerungen.

Montag, 11.06.2012, 15:06 Uhr

Dem Tod entronnen : Münsteraner erlebte im Schützenhofbunker mit, wie 68 Menschen starben
Georg Volbers (kl. Bild) erinnert sich noch lebhaft an die Nacht, als 68 Menschen im Schützenhofbunker im Geistviertel starben. Er war als Zwölfjähriger dabei. Foto: beg

Die ungewisse Zukunft des Schützenhofbunkers im Geistviertel hat bei vielen Münsteranern, die die Bombennächte dort erlebten, Erinnerungen geweckt (WN berichteten). Georg Volbers , der seit 1961 in Angelmodde lebt, saß als Kind an jenem verhängnisvollen 18. November 1944 im Bunker, als 68 Menschen durch einen Bombentreffer umkamen.

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Volbers suchte mit seiner Mutter und seiner Schwester regelmäßig Schutz im Bunker. „Oft saßen wir spät abends am Küchentisch, den Kopf auf die Arme gelegt, und warteten auf den Alarm.“ Die wichtigsten Sachen waren stets griffbereit gepackt. „Meine Aufgabe war es, eine Aktentasche mit Papieren mitzunehmen.“

An diesem 18. November entschied sich die Mutter, mit ihren Kindern einen anderen Raum im Bunker aufzusuchen. Der Raum, der am nächsten zur Hammer Straße lag und später den Volltreffer abbekam, war besetzt mit vielen älteren Menschen, die es nicht so gerne sahen, wenn Kinder mit im Raum waren. Die Volbers gingen in einen Raum, der näher zum Straßburger Weg hin gelegen war.

„Als die Bombe einschlug, platzten die Lüftungskanäle. Meine Mutter schrie auf, und mit einem Mal war es totenstill. Keiner sagte was“, erinnert sich Volbers. Stattdessen setzte ein unheimliches Gedränge ein. „Die Leute hätten mich fast erdrückt. Alles staute sich, weil die Menschen nicht aus dem Bunker herauskommen konnten. Volbers vermutet, dass man zunächst die Toten wegräumen wollte. Sie lagen später aufgereiht an der Wörthstraße. Volbers‘ Mutter lotste ihre Kinder zu einem anderen Ausgang, damit sie die Toten nicht sahen.

Die Leute hätten mich fast erdrückt.

Georg Volbers

„Ich staune über mich selbst, dass ich diese Szenen nahezu angstlos erlebt habe.“ Zwei schreckliche Bilder haben sich ihm trotzdem bis heute ins Gedächtnis gebrannt. „Als wir den Bunker verließen, kamen wir an dem getroffenen Teil vorbei. Die Decke hing herab, und hinter der frei gelegten Stahlarmierung saßen einige der älteren Leute wie in einem Gefängnis. „Eine Frau hing dort in absoluter Hilflosigkeit, am Kopf blutend, und musste warten, bis man sie aus ihrer misslichen Lage befreite.“

Das zweite unlöschbare Bild prägte sich ihm am Tag danach ein. „Meine Mutter wollte nicht mehr in den Bunker gehen. Sie war restlos fertig.“ Nur mit Mühe ließ sie sich von ihrem zwölfjährigen Sohn überreden, doch mitzukommen. Volbers sagt im Rückblick: „Ich habe mich als Erwachsener und als einziger Mann der Familie gefühlt.“ Sein Vater war in Beelen stationiert, seine älteren Brüder eingezogen.

Zwischen 1943 und 1945 erlebte Volbers mehrere Bombenangriffe mit, unter anderem im Graben der Hammer Straße und im Bunker der Firma Hansen. Volbers sah, wie eine Spitze des Doppelkirchturms von St. Joseph hinabstürzte, und er sah die zugedeckten, noch zuckenden Körper niedergeschossener russischer Zwangsarbeiter.

„Damals hatten wir gar keine Zeit, darüber nachzudenken. Wir wollten vergessen und hatten andere Sorgen. Heute weiß ich, dass ich unwahrscheinlich viel Glück hatte, und das erfüllt mich mit Dankbarkeit.“

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