Stadtführerin Sigrid Bernitz
Ins kalte Wasser gesprungen

Münster-Wolbeck -

Seit über 20 Jahren ist die in Wolbeck lebende Sigrid Bernitz Stadtführerin. Besonders beliebt sind ihre Führungen zur Fürstin Gallitzin.

Freitag, 18.10.2013, 21:10 Uhr

Vom ruhigen Garten in die Historie Münsters: Sigrid Bernitz ist seit über 20 Jahren Stadtführerin.
Vom ruhigen Garten in die Historie Münsters: Sigrid Bernitz ist seit über 20 Jahren Stadtführerin. Foto: anh

Es sind mitunter die Zugereisten , die sich besonders gut auskennen. So jemand ist die in Wolbeck wohnende Stadtführerin Sigrid Bernitz , im Ostpreußischen Gumbinnen geboren, vertrieben, über Dresden trotz der Bombennacht vom Februar 1945 auf vielen Stationen, auch in der Pfalz, nach Dorsten und schließlich 1989 nach Münster-Wolbeck gelangt – „einmal quer durch Deutschland“. Dort genießt sie die Ruhe in ihrem Garten, wenn sie nicht unterwegs ist.

Und das ist sie seit 1993 viel. Ein Freund aus Saarbrücken hatte dem Ehepaar Bernitz seine Wahlheimat nähergebracht, auch er war ein Zugereister, der sich mit seinem neuen Wohnort intensiv befasst hatte. Das machte Eindruck auf Bernitz, die sich 1993 beim Städteführungen anbietenden „Statt-Reisen“ in Münster bewarb und genommen wurde. Während sie sich noch den Vorbereitungen widmete, kam plötzlich der Anruf: „500 Gäste aus Mühlhausen kommen, wir brauchen viele Stadtführer.“ Bernitz sprang, wie sie sagt, ins kalte Wasser“. Unter den Teilnehmern ihrer Führung waren zwei Stadtführer aus Mühlhausen, die zum Schluss der Führung vor dem Erbdrostenhof meinten, sie habe doch sicher schon viel Erfahrung. „Das ist meine erste“, war ihre Antwort. Sie schätzt die Aufgabe: Man lerne immer etwas dazu, lerne Menschen kennen.

Seither hat sie viele Menschen durch Münster geführt. Unter ihnen war auch Hannelore Kohl.

Eine Ausbildung wie heute gab es damals nicht, Material wurde selbst erarbeitet. Das tat Bernitz gern, stöberte in Bibliotheken, heute auch im Internet. Sie erschloss sich die Geschichte Wolbecks, vermittelte auch die von Angelmodde und insbesondere der Gräfin Amalia von Gallitzin, auch der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff und den Philosophen und Schriftstellers Johann Georg Hamann. Nicht immer wird einfach „nur“ von ihr selbst erzählt. Sie wirkte mit anderen mit, eine „romantische Stadtnacht“ zu inszenieren, mit „Bierkrieg“, Hexe und Henker. Wenn es um Hamann geht, schwört sie auf die „fabelhafte Zusammenarbeit“ mit Gerhard Stuckstätte. Und dann gab es da eine Kontrahentin der Droste: Die gifteten sich an – da konnte man so richtig zickig sein.“

Am 25. September hatte sie ihr 20. Dienstjubiläum als Stadtführerin. Sie macht weiter. Am Herzen liegen ihr auch Vorträge zu „Taufengeln“, für deren dringende Restaurierung sie sammelt. Die gab es auch in ihrer Heimat Ostpreußen.

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