Konzert in St. Bernhard bietet seltene Klänge mit Harmonium, Querflöte und Fagott
Neue Sphären und Uraufführungen

Münster-Angelmodde -

Annähernd 100 Hörer erlebten am Sonntagnachmittag ein besonderes Konzert in der Kirche St. Bernhard in der Höftestraße.

Montag, 25.11.2013, 19:11 Uhr

Vier Musiker und drei Komponisten: Arne Tigges (v.l.), Angelika Sarrazin, Guido Neumann, Martina Pahl und Uta Hillmann ließen in St. Bernhard einen Konzert mit selten zu hörenden Klängen entstehen..
Vier Musiker und drei Komponisten: Arne Tigges (v.l.), Angelika Sarrazin, Guido Neumann, Martina Pahl und Uta Hillmann ließen in St. Bernhard einen Konzert mit selten zu hörenden Klängen entstehen.. Foto: anh

Zum einen mag die besondere Zusammensetzung der Instrumente gelockt haben – neben dem Kirchenmusiker von St. Bernhard Arne Tigges am Mannborg-Harmonium und der Querflötistin Martina Pahl bekannte Größe in Angelmodde, spielte diesmal ein Fagott auf. Es sei eher ein Orchester-Instrument, so die Fagottistin Uta Hillmann, die Pahl schon aus Studienzeiten kennt.

Solistische Literatur für das Fagott gibt es reichlich, zu hören ist sie selten. Dabei ist das Fagott von den Instrumenten der menschlichen Stimme am nächsten, einen angenehm warmen Klang hat es noch dazu. So fügt es sich harmonisch zum Harmonium , so kann sich die helle Querflöte um so klarer von den beiden abheben. Was den Zwischenapplaus beim Allegro aus Vivaldis Sonata a due für Flöte, Fagott und Basso continuo erklären mag.

Einen weiteren Reiz schuf die Tatsache, dass gleich drei Komponisten anwesend waren. Tigges selbst spielte seinen „Tanz“ aus dem Jahre 2012 zusammen mit der Querflöte. Von ihm stammt auch die das Konzert abschließende Sonate. Sein erstes Opus in vier Sätzen, erläuterte er zur Uraufführung.

Als Glanzstück des Konzerts am Harmonium durfte man drei Stücke aus Louis Vierne genießen, aus dem „24 Pièces en style libre“: äußerst zarte Klänge wie in der „Berceuse“, dem Wiegenlied, sphärische im Madrigal, alles ganz, ganz fein beherrscht von Tigges. Die jüngste der drei Komponisten des Konzerts war Angelika Sarrazin, geboren 1978, die sich über die Uraufführung ihrer „Kleinen Rhapsodie“ freute. Flirrende Hitze verbreitete Pahls Querflöte an der Seite des meisterlichen Fagotts in den Bachianas Brasileiras Nr. 6 von Villa-Lobos.

Der Zugang zu den verschiedenen Klangwelten dieses Konzerts hätte durch vorangestellte Erläuterungen noch wesentlich gewonnen. Was hinter seinem „Fröhlichen Lied“ für Flöte und Fagott steckt – eine von drei Uraufführungen des Konzerts -, erklärte der Komponist Guido A. Neumann im Nachhinein den WN. Es ist eine freie Variation über Ignaz Franz Bibers kurzes Stück „Liederliche Gesellschaft von allerlei Humor“ aus der Battalia à 9. Biber verfasste es 1673 nach dem französisch-niederländischen Krieg: Neun Soldaten sitzen am Lagerfeuer, alle musizieren gleichzeitig ihr eigenes – eine Disharmonie, die vom Grauen des Soldatenlebens kündet. Und musikalisch eine Innovation, die sich nach dem II. Weltkrieg Bahn bricht, dem 17. Jahrhundert fremd erscheinen musste. Neumann greift Bibers Tonmaterial auf, macht einen harmonischen Friedens-Appell daraus, der sich klanglich wiederum ins 17. Jahrhundert fügt.

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