Themenabend zu Fluchtursachen in der Friedenskirche
Christoph Strässer spricht über Fehler in der Entwicklungspolitik

Münster-Angelmodde -

„Es sind fatale Fehler passiert“, kritisiert Christoph Strässer die Entwicklungsarbeit der Bundesregierung. Der Bundestagsabgeordnete sprach in der Friedenskirche über Fluchtursachen.

Mittwoch, 20.04.2016, 17:04 Uhr

In seinem Vortrag in der Friedenskirche sprach
In seinem Vortrag in der Friedenskirche sprach Foto: iag

Der Bundestagsabgeordneter aus Münster und ehemalige Regierungsbeauftragter für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe, der im Februar dieses Jahres seinen Rücktritt bekannt gab, kennt die Problematik der Flüchtlingspolitik aus Expertensicht.

Dr. Harald Forst hatte den Themenabend zu Fluchtursachen in der Friedenskirche eröffnet. Eingeladen hatten die evangelische Friedenskirchengemeinde sowie die Männerarbeit Münsterland des evangelischen Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken.

Während des Abends sollten die so zahlreich der Einladung gefolgten Münsteraner nicht stillschweigend nebeneinander sitzen. Pfarrer Hartmut Hawerkamp versprach sich neue Impulse für die Hilfsbereitschaft in der Flüchtlingsarbeit, die nach seiner Aussage zwar ungebrochen groß sei, aber nach anderthalb Jahren etwas stagniere.

Forst, ein pensionierter Psychiater und vor allen Dingen „ein Mensch“, wie ihn Pfarrer Hawerkamp anmoderierte, stellte daraufhin die kontroverse These auf, dass Nachhaltigkeit in der Bekämpfung von Fluchtursachen nur durch eine „Länderpatenschaft“ mit einem bestimmten Land zu schaffen sei. Dieser These widersprach Strässer , der zweite Gastredner beim Vortrag. Er bereiste die meisten Ländern auf dem afrikanischen Kontinent, aus denen Flüchtlinge nach Europa strömen und sprach von seinen Erfahrungen und Einschätzungen der Lage dort.

„Ein Taschenspielertrick“ nannte er die Entwicklungsarbeit der Bundesregierung , wenn es darum ginge, die ODA-Quote – die Abkürzung steht für „Official Development Assistance“ oder auf Deutsch „Öffentliche Entwicklungszusammenarbeit“ – zu optimieren. Angestrebt waren bis 2015 auch in Deutschland 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, geleistet wurden rund 0,4 Prozent. Durch die steigende Zahl der Flüchtlinge im vergangenen Jahr ging man dazu über, die Kosten für ihre Unterbringung und Betreuung auf diese Quote anzurechnen, um den angestrebten Wert zu erreichen, so Strässer.

Er sieht den Schlüssel zur Fluchtbekämpfung in der Unterstützung von zivilen Gesellschaften. Zu lange habe man die falschen Regierungen und Machthaber an die Gelder der Entwicklungshilfe gelassen, aus diesen Fehlern müsse man zwingend lernen, sagte Strässer und zitierte dabei Dambisa Moyo aus Sambia.

Eine Petition für die Länderpartnerschaft wollten die Organisatoren am Ende der Veranstaltung verteilen und dafür Unterschriften sammeln, „um sie auf Landes- und Bundesebene weiterzuführen“, erklärte Uwe Hartmeier von der evangelischen Männerarbeit.

Am Samstag (23. April) findet ein Männerfrühstück zum Thema „Männer auf der Flucht – Migration und Männlichkeit“ statt.

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