Neuer Literaturkreis im evangelischen Gemeindezentrum
Die Droste im Gemeindehaus

münster-Angelmodde -

Zum ersten Treffen des neuen Literaturkreises in Angelmodde hielt Organisator Friedhelm Hassel einen Vortrag zu Annette von Droste-Hülshoff. Und auch für die anschließend monatlich stattfindenden Treffen haben sich die „Vortragenden“, neben Friedhelm Hassel Jürgen Neiß und Johannes Tacke, einiges vorgenommen.

Donnerstag, 29.09.2016, 19:09 Uhr

Die Literaturgruppe will sich künftig einmal im Monat treffen. Der erste Vortrag beleuchtete das Leben der Annette von Droste-Hülshoff – links ein Porträt aus dem Bestand des LWL-Landesmuseums.
Die Literaturgruppe will sich künftig einmal im Monat treffen. Der erste Vortrag beleuchtete das Leben der Annette von Droste-Hülshoff – links ein Porträt aus dem Bestand des LWL-Landesmuseums. Foto: cht

So stehen am 26. Oktober im Gemeindehaus der evangelischen Friedensgemeinde „Liebeslyrik“ und am 23. November Voltaires „Candide“ sowie für 2017 politische Literatur von Christa Wolf oder Heinrich Heine auf dem Programm. „Wir wollen schon Ansprüche an die Teilnehmer stellen, aber ihnen natürlich mit dem Programm auch entgegenkommen“, betont Friedhelm Hassel . So solle es neben der Rezitation und Interpretation auch immer ausreichend Raum für anschließende Diskussionen geben.

Früher habe es schon einmal einen ähnlichen Kreis in Angelmodde gegeben, erinnert sich der ehemalige Lehrer Hassel. Doch der sei vor Jahren eingeschlafen. Die jetzige Initiative ging von Pfarrer Hartmut Hawerkamp aus. „Es wäre mein Wunsch, dass sich vom neuen kulturellen Angebot sowohl Ältere als auch Jüngere angesprochen fühlen“, sagt Hassel. Zum Auftakt hatte er sich eine der bekanntesten Deutschen Dichterinnen und Münsteranerin als Thema gewählt.

„Die Droste war einfach nicht an den Mann zu bringen“, so das Urteil Hassels, der sich in seinen Ausführungen vor allem mit den Versuchen und dem Scheitern der Dichterin auseinandersetzte, sich von ihrem Umfeld und den Zwängen der Gesellschaft zu emanzipieren. Obwohl aus einer Landadelsfamilie stammend eigentlich höhere Tochter und somit gute Partie, blieb Annette unverheiratet, was auch an ihrer schwachen Konstitution gelegen haben mag. Als Sieben-Monats-Kind am 12. Januar 1797 auf Burg Hülshoff bei Münster geboren, war sie ihr Leben lang kränklich und extrem kurzsichtig. Laut Friedhelm Hassel seien es aber vor allem ihre Eltern und die Familie gewesen, die die junge Frau mit dem rebellischen Geist an ihrer Entfaltung gehindert hätten. So habe sie sich nach ihrer unglücklichen romantischen Episode mit dem entfernten Verwandten Heinrich Straube, der sie im Jahr 1820 vor der Sippe bloß gestellt hatte, völlig zurückgezogen und zehn Jahre lang nichts geschrieben. In Haus Rüschhaus pflegte sie zeitweilig ihre alte Amme und leistete der verwitweten Mutter Gesellschaft.

Gleichzeitig gelang es Annette von Droste-Hülshoff, trotz der familiären und gesellschaftlichen Enge, immer wieder innerlich Abstand zu gewinnen und große Werke zu schreiben wie „Der Knabe im Moor“, „Die Judenbuche“, „Am Turme“ oder „Das geistliche Jahr“. Darin kommen neben der Resignation über das Leid ihres abgeschotteten Lebens auch immer wieder Trotz, Freiheitsdrang und ungebändigte Kreativität zum Ausdruck. Obwohl sie einige Reisen unternahm und mit den großen Denkern ihrer Zeit korrespondierte, blieb Annette von Droste-Hülshoff doch im Grunde isoliert. Allerdings ist sich Hassel sicher: „Die Vereinsamung war die Vorbedingung ihrer Dichtung.“

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